Rechnung: 5 Tipps, wie du Forderungsausfälle vermeidest

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Offene Rechnung? 5 Tipps, wie du Forderungsausfälle vermeidest
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Wir alle kennen die Situation, in der wir unserem Kunden oder unserer Kundin eine Rechnung stellen und das Zahlungsdatum verstreicht, ohne dass sich unser Geschäftskonto füllt.

Glücklicherweise zahlen die meisten unserer KundInnen gerne und pünktlich. Doch leider gibt es insbesondere in Krisenzeiten immer mehr unbeglichene Forderungen. Selbständige und FreelancerInnen sind in solchen Situationen besonders stark betroffen, da sie ihren Lebensunterhalt von ihren Rechnungseingängen zu beschreiten haben.

Wie schaffen wir es als UnternehmerInnen also, dass unsere KundInnen gerne und pünktlich unsere Rechnung ausgleichen?

Ich diesem Artikel gibt Irina Shafir dir 5 praktische Tipps an die Hand:

1. Prüfe die Bonität deiner Kunden und Kundinnen

Dieser Tipp gilt weniger für kleinere Aufträge, da eine Bonitätsprüfung mit etwas Aufwand und Kosten verbunden ist. Solltest du allerdings ein größeres Auftragsvolumen für deinen Kunden oder deine Kundin ausführen, so sprich ihn oder sie auf die Liquidität an oder führe online eine Bonitätsauskunft durch.

Die Auskunft gibt dir Informationen über den Ruf einer Person oder Firma in Bezug auf Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit. Empfehlenswerte Plattformen zur Durchführung einer solchen Auskunft sind beispielsweise die:

  • Creditreform
  • Schufa
  • Bürgel

Je höher der Rechnungsbetrag, desto wichtiger ist die Bonitätsprüfung. Je nach Plattform können die Informationen variieren. Denn jede Auskunftei hat einen eigenen Informationsbestand und unterschiedliche Kriterien. Diese Kriterien sind:

  • Jahresabschlüsse
  • Bilanzen
  • Zahlungsverhalten
  • etc.

Insgesamt macht es allerdings kaum einen Unterschied, welche Auskunftei du für deine Anfrage nutzt. Im Ergebnis bekommst du meist ein sehr verlässliches Ergebnis.

EXTRA: Offene Rechnung? Ein Kunde, der nicht zahlt, ist kein Kunde

2. Rechnung: Sichere dich rechtlich ab

In der Anwaltspraxis erlebe ich immer wieder, dass Verträge „per Handschlag“ gemacht werden oder gewisse zusätzliche Absprachen nur mündlich getroffen werden. Es ist rechtlich durchaus zulässig, die Schriftform nicht zu nutzen. Sollte es aber zu einem Rechtsstreit bezüglich einer ausstehenden Forderung kommen, so kann es für dich schwierig werden, das tatsächliche Bestehen deiner Forderung vor Gericht nachzuweisen.

Schaffe dir eine sichere Rechtsgrundlage für deine Forderung.

Bediene dich anwaltlicher Unterstützung, wenn es kompliziert wird. So fühlt sich dein Kunde oder deine Kundin mehr dazu animiert, seiner Zahlungsverpflichtung nachzukommen.

Wenn du eine eigene Website hast und das nötige Budget, so lasse dir individuelle Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) erstellen, die hinsichtlich der Zahlungsabreden, der Verzugsvoraussetzungen, usw. klare Regelungen beinhalten.

Deine AGB können anderslautende vertragliche Abreden deines Kunden oder deiner Kundin außer Kraft setzen und dir rechtliche Vorteile verschaffen. Sie sind dazu geeignet, Streitigkeiten hinsichtlich ausstehender Forderungen im Vorfeld bereits zu beseitigen.

3. Setze kurze Zahlungsziele, verlange Teilzahlungen und biete Skonto an

Eine Zahlung deines Kunden oder deiner Kundin sollte optimaler Weise kurz nach deiner Leistungserbringung eingehen. Achte auf einen zeitlich nahen Zusammenhang und stelle deine Rechnung möglichst sofort nach Leistungserbringung. Das Zahlungsziel kann von „Zahlung sofort“ bis „Zahlung innerhalb von 30 Tagen“ reichen. Individuelle Zahlungsziele sind natürlich genauso möglich.

Zieht sich deine Leistungserbringung über eine gewisse Zeit hin, so ist es ratsam, Teilzahlungen zu verlangen. Denn selbst wenn die wirtschaftliche Situation deines Kunden oder deiner Kundin aktuell noch super ist, können er oder sie in einiger Zeit an Liquidität verlieren und sogar in die Insolvenz geraten.

Bei sofortiger Zahlung kannst du deinem Kunden oder deiner Kundin auch ein Skonto geben. Das animiert zu einer schnellen Zahlung und stimmt den Kunden oder die Kundin glücklich. Wir alle lieben Rabatte und ein Entgegenkommen unseres Gegenübers.

4. Biete unkomplizierte Bezahlmöglichkeiten für deine Rechung an

Biete Möglichkeiten für deinen Kunden oder deine Kundin, die Zahlung schnell und unkompliziert zu erbringen. Heutzutage funktioniert vieles ausschließlich online. Daher ist es ratsam, sich an den Wandel der Zeit zu gewöhnen: Kein Gang zur Bank, keine Geldbörse, keine PIN, keine unnötige Registrierung.

Bezahlsysteme wie PayPal oder Apple Pay sind dazu in der Lage, durch nur einen Klick das Geld in Echtzeit auf dein Konto zu überweisen. Biete diese Möglichkeiten an und mache es deinem Kunden oder deiner Kundin möglichst einfach, deine Leistung schnell zu vergüten.

EXTRA: Bezahlen im Online-Shop: Kunden bevorzugen Rechnung und Paypal

5. Sichere dich gegen Zahlungsausfälle ab

Mit einer Absicherung ist keine Versicherung gemeint, die du gesondert bezahlst und in Anspruch nehmen kannst, wenn du mal einen Forderungsausfall hast.

Lasse dir vielmehr bei größeren Forderungen gegen deinen Kunden oder deiner Kundin eine Bürgschaft geben oder vereinbare einen Eigentumsvorbehalt. Diese Begriffe scheinen auf den ersten Blick kompliziert, sind aber in der Praxis schnell vereinbart und können dich schützen, wenn dein Kunde oder deine Kundin Zahlungsschwierigkeiten bekommen sollte.

Hoffentlich helfen dir diese Tipps dabei, möglich viel Liquidität zu generieren und Forderungsausfälle von einer Rechnung bereits im Vorfeld zu vermeiden.

Irina Shafir
Irina Shafir, LL.M. ist Rechtsanwältin, Europäische Wirtschaftsjuristin, Business-Coach und Kanzleiinhaberin. Sie hat sich seit dem Jahre 2013 auf das Forderungsmanagement spezialisiert und verdankt ihre Expertise der erfolgreichen Bearbeitung von über 6.000 Rechtsfällen im Bereich des Forderungsmanagements und des Insolvenzrechts. Die KANZLEI SHAFIR hat folgende Vision: Mehr Liquidität für Selbständige, Freelancer und Unternehmen! Bundesweit, individuell, lösungsorientiert!

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