Greenwashing: Die falschen Versprechen der Öko-Werbung

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Werbestrategen wissen es seit jeher: Kaufentscheidungen werden zum guten Teil im Unterbewusstsein getroffen. Farben spielen bei der Produktpräsentation also eine zentrale Rolle, und die Farbe grün suggeriert dem Verbraucher nichts anderes als Natürlichkeit, Gesundheit oder auch Nachhaltigkeit. Dementsprechend bauen viele Firmen auf ein grünes Image und ein grünes Gütesiegel. Doch welche Firmen vermitteln Ökologie und Nachhaltigkeit nur als Strategie für besseren Umsatz und betreiben das sogenannte Greenwashing?

Was ist eigentlich Greenwashing?

Der Begriff Greenwashing bezeichnet die bewusste Irreführung der Verbraucher. Ein Unternehmen bessert dadurch sein ökologisches oder soziales Image auf. Die Umweltorganisation Greenpeace hat vier Kriterien aufgestellt, um Greenwashing zu identifizieren:

  1. Grundsätzlich wird ein umweltbelastendes Kerngeschäft getarnt.
  2. In den Umweltschutz wird weniger investiert als in die aufwendigen Werbekampagnen.
  3. Konzerne betreiben Lobbyarbeit, um andere Umweltauflagen zu umgehen.
  4. Es wird mit Selbstverständlichkeiten geworben – etwa mit der Einhaltung von Gesetzen.

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Beispiele für Greenwashing

Grüne Atomenergie?

2007 nannte sich das Deutsche Atomforum in einem Werbespot „Deutschlands ungeliebter Klimaschützer“, da man bei der Energieerzeugung kein Kohlendioxid ausstoße. In einer Dokumentation des ZDF erklärt der Nachhaltigkeitsforscher Stefan Schaltegger, worum es bei solchen Kampagnen geht:

„Es lenkt vom eigentlichen Problem ab – nämlich den radioaktiven Abfällen.“

Man könne dieses Überbetonen von unwichtigen Themen also durchaus als Greenwashing bezeichnen.

Klimafreundliche Kreuzfahrten?

Auch die Kreuzfahrtindustrie würde sich gerne mit Nachhaltigkeit brüsten. Doch der Treibstoff Schweröl führt zu hohen Schadstoffbelastungen. Außerdem werden Essensreste, Fäkalien und Abwässer direkt ins Meer geleitet. „Im Vergleich zur der Landseite, ist das Wasser bis heute sehr lax reguliert“, berichtet Sönke Diesener, ein Referent der Verkehrspolitik NABU.

Als Antwort auf derartige Probleme erprobt das Schifffahrtsunternehmen AIDA seit Ende 2018 ein Schiff, das mit Flüssiggas betrieben wird. Das Unternehmen wirbt mit einem aufwendigen Werbespot für das sogenannte „Green Cruising“, obwohl erst ein Schiff der Flotte die neue Technik aufweist. Peter Seele stellt klar:

„Wenn das Kerngeschäft nicht sauber ist und man es dann grün oder sauber nennt, ist das Greenwashing.“

Nachhaltigkeit: Auch kleine Schritte zählen

Vielfach ist ein Bemühen festzustellen, tatsächlich grüner zu werden: „Grundsätzlich ist jede Maßnahme für Nachhaltigkeit als positiv zu begrüßen und deshalb ist auch eine überkritische Sichtweise nicht unbedingt hilfreich“, bringt es Stefan Schaltegger auf den Punkt.

Quelle: Teleschau

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