Nachhaltige Führung – Wie die Forderung nach einem dezentralen Ansatz lauter wird

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Nachhaltige Führung: Papierschiff mit grüner Flagge führt weitere Papierschiffe an
Nachhaltige Führung schreit nach einem dezentralen Ansatz! - Foto: © calypso77 - stock.adobe.com

Ein Kommentar von Timm Urschinger, LIVEsciences

„Jedes Problem in dieser Organisation kann ich auf ein Führungsproblem zurückführen.“ Das teilte mir ein Bekannter eines Top-5-Pharmakonzerns vor einigen Jahren mit. Es mag zwar etwas übertrieben klingen, ist wahrscheinlich aber gar nicht so weit weg von der täglichen Realität in Unternehmen. Die „Art der Führung“ bestimmt die Richtung und gibt einen entscheidenden Leitfaden zur Entwicklung unserer Organisationskultur mit. Führungskräfte sind Vorbilder und schaffen so direkt oder indirekt Anreize für spezielle Verhaltensweisen. Sie bestrafen Handlungen, Versagen oder Formen der Zusammenarbeit – wissentlich oder unwissentlich, in guter Absicht oder zum Machterhalt. Letztendlich spielt es keine Rolle, was davon zutrifft. Was wir brauchen, ist ein bewussterer Blick auf unser Verhalten als Führungskraft, um sicherzustellen, dass es mit dem übereinstimmt, was wir mit und für unsere Organisation erreichen wollen.

Wenn wir uns mit „Nachhaltige Führung“ (oder Umschreibungen dieses Begriffs) befassen, werden wir feststellen, dass wir viel über die Befähigung von Menschen, den Verzicht auf Macht und Status sowie die Delegation von Entscheidungen auf die niedrigstmögliche Ebene sprechen. Ebenso über die Rolle als Coach, Visionär und Architekt für die Organisation, als Stratege, der das Ökosystem im Blick hat, und einfühlsame menschliche Führungskraft. All das ist wirklich schwer in einer Person zu finden. Daher plädiere ich für einen dezentralen und verteilten Führungsansatz. Jeder kann und sollte eine Führungspersönlichkeit sein – abhängig vom Kontext und den individuellen Stärken.

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Unmöglich, sagen Sie, wir können nicht 10 Teamleiter in unserem Organigramm haben … In der Tat kann man das nicht! Denn genau diese hierarchische, positionsbezogene Macht und Definition von Führung ist überholt. Führung ist unabhängig von der Position. In einer starken sozialen Struktur, die auf wechselseitigen Abhängigkeiten beruht, gibt es alle Arten von Führungskräften, die alle möglichen Rollen einnehmen: In der agilen Welt wird man sie wahrscheinlich als Product Owner, Team- oder Agile Coaches, Teammanager, Strategy Leads, Capability Leads, Chapter Heads und vieles mehr bezeichnen.

Eben jener Ansatz einer dezentralen Führung wird Sie allerdings Ihren organisatorischen Zielen näherbringen, bei denen es sich wahrscheinlich um folgende Punkte handelt. Kosteneffizienz – Sie werden Overhead und Bürokratie einsparen, sobald ersichtlich ist, wer z. B. entscheidet. Umsatzsteigerung – Raschere Entschlüsse werden die Markteinführungszeit verkürzen und die Kundenerfahrung verbessern, da die befähigten Mitarbeiter in der Lage sind, vor Ort zu entscheiden, was am besten zu tun ist. Innovation – Haben Sie gewusst, dass zwischen Einbeziehung der Experten in Innovationsprozesse es eine direkte negative Korrelation besteht? Umso mehr Fachleute, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sich echte Innovation durchsetzt. Und letztlich die Schaffung einer Arbeitgebermarke, die als unterstützende Funktion bei der Mitarbeitereinstellung dient. Jeder liebt es, seiner Leidenschaft zu folgen und die Autonomie zu erhalten, seine Träume zu verwirklichen und ist in dem Fall auch bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Denn die Wahrheit ist: Besitzen Sie nicht die gewünschte Kultur, nehmen die Menschen in Ihrem Umfeld als unmotiviert und frustriert wahr, das Treffen von Entscheidungen zieht sich in die Länge – ja dann müssen Sie Ihr Führungsverhalten dringend überdenken! Veränderungen beginnen immer zuerst bei einem selbst.

Timm Urschinger
Timm Urschinger ist Mitgründer und CEO von LIVEsciences. Nach dem Studium sowie einigen Jahren bei einem bekannten Pharma-Konzern in der Schweiz und im Consulting beschloss er ein eigenes Unternehmen zu gründen. Seine Erfahrung im Management globaler Programme und Transformation hat in ihm die Leidenschaft geweckt, pragmatische und innovative Lösungen zu entwickeln – für das eigene Unternehmen und für Kunden. Neue Organisationsmodelle wie Teal spielen dabei eine ebenso große Rolle wie die Selbstführung und dass Menschen endlich wieder Sinn und Spaß im Berufsleben erfahren.

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