Vom Kollegen zum Chef: 5 Tipps für frische Führungskräfte

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Führung auf Augenhöhe statt Mitarbeiter als Untergebene
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Der Moment der Beförderung. Vielleicht freut man sich sogar kurz für die KollegInnen, dass sie es geschafft haben. Doch mal ganz ehrlich: Der negative Gedanke kommt alsbald um die Ecke. Man fragt sich: Warum der/die? Warum nicht ich? Nicht unbedingt, weil man es dem anderen missgönnt, sondern weil man es sich selbst auch gönnen würde. In dem Moment, in den KollegInnen befördert werden, kommen diese voran. Und man selbst? Es geht viel eher um das subjektive Gefühl, nicht zu genügen und eventuell mit der eigenen Persönlichkeit nicht ausgereift zu sein.

Wertschätzung der Kollegen erfahren

Als neue/r ChefIn, der/die du nun bist, ist es deine Aufgabe, deinen KollegInnen das Gefühl zu geben, nicht nur gehört, sondern auch wertgeschätzt zu werden. Du tust das, damit deine KollegInnen fühlen und wissen, dass auch sie wichtig für das Unternehmen sind und nicht das Gefühl haben, zurückgelassen zu werden. Sie schreiten mit dir voran und werden dich dann als ChefIn unterstützen wollen.

Du willst dich als neuer Chef nicht blamieren

Du fürchtest, als Führungskraft nicht anerkannt zu werden. Diese Angst kann in mögliches Fehlverhalten münden. Das zeigen etwa diese 3 Chef-Typen:

1. Der Schleimer

Dein Gedanke:
Wer nicht beliebt ist, wird nicht akzeptiert und ist somit kein Teil der Gruppe.

Du willst also beliebt sein und dich bei deinen KollegInnen einschmeicheln. Da verwechselst du aber Beliebtheit mit Respekt. Und dabei gibst du das auf, was dich ausmacht und weshalb du in erster Linie befördert wurdest. Kann man es dir übel nehmen, dich davor zu fürchten, von der Gruppe abgelehnt zu werden? Nein!
Doch durch die Angst, abgelehnt zu werden, igelst du dich ein, misstraust deinen KollegInnen und schottest dich ab. Keiner bekommt gerne einen Korb – weder beim ersten Date, noch als neue/r ChefIn.

2. Der Autoritäre

Dein Gedanke:
Statt mit den KollegInnen zu arbeiten, muss man sich gegen sie durchzusetzen.

Du willst dich lieber autoritär verhalten? Das kann wiederum bedeuten, dass du keine Kritik verträgst. Du arbeitest gegen deine KollegInnen, weil du dich persönlich angegriffen fühlst und du dir von Menschen, die unter dir stehen, nichts sagen lassen willst, um nicht als unfähig zu gelten. Mach dir bewusst, dass wenn du Fehler machst, es in der Regel in Ordnung ist, solange du daraus lernst. Keiner erwartet von dir, von Anfang an perfekt zu sein. Was aber erwartet wird, dass du es beim nächsten Mal besser machst. Schließlich würdest du dasselbe von deinen KollegInnen erwarten, nicht wahr?

3. Der Einzelgänger

Deine Kollegen denken:
Früher war er einer von uns, jetzt als Chef entscheidet der sowieso, wie er will.

Deine alten KollegInnen haben das Gefühl, dass du durch die Beförderung nicht mehr auf Augenhöhe mit ihnen bist. Sie halten sich und ihre Meinung für unwichtig, weil sie sich und dich auf unterschiedlichen Ebenen sehen. Daraus könnte folgen, dass du alles selbst machen willst. Dadurch wirkst du unsympathisch, denn du erweckst den Eindruck, dass alle anderen unfähig wären, Verantwortung für den Erfolg des Unternehmens tragen zu können. Deine KollegInnen halten dich für einen Einzelgänger und distanzieren sich noch mehr von dir.

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Plötzlich Chef? Das sind die richtigen Schritte

1. Sei mutig: Frag!

Wenn du Chef geworden bist, lohnt es sich, deine KollegInnen um Unterstützung zu bitten, damit das Team erfolgreich ist. Denn gerade von der Erfahrung älterer MitarbeiterInnen profitierst du und zollst ihnen damit Respekt. Deshalb frage deine MitarbeiterInnen:

  • Was hat bei der alten Führung funktioniert und was nicht?
  • Was könnte man übernehmen und was sollte man ändern?

Das machst du natürlich nicht zum Selbstzweck, sondern deshalb weil du damit für einen weicheren Übergang sorgst. Somit wissen deine KollegInnen, dass sich zwar einiges ändern wird, aber auch einiges beim Alten bleibt. Damit verhinderst du, dass sich deine KollegInnen verunsichert fühlen, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt.

2. Sei fair und unparteiisch

Freundschaft ist gut, solange bis man dich ausnutzt. Keiner darf durch Freundschaften zu ChefInnen übervorteilt werden. Denn damit werden automatisch KollegInnen ausgestochen, die dich als ChefIn noch nicht kennen und somit keinen direkten Draht zu dir haben. Gib acht, dass man dir nicht auf dem Kopf herumtanzt, weil KollegInnen meinen: Der Chef kann mir eh nichts anhaben, denn wir sind schon lange gute Kumpels.

Freundschaft ist gut, aber wenn gearbeitet wird, wird gearbeitet.

Das solltest du klarstellen und zur Not Grenzen ziehen. Doch wenn du das tust, mach es nicht „boss-like“, sondern erkläre, warum du so handelst und dass du von deinen KollegInnen eine professionelle Einstellung erwartest.

3. Sei ein Teamplayer

Gerade wenn deine KollegInnen dich als Einzelgänger betrachten und das Team sich nicht mehr auf einer Augehöhe mit dir befindet, musst du handeln. Entscheidungen und Ideen sollten gemeinsam besprochen werden. Verwechsle das gemeinsame Besprechen nicht damit, dich vor den anderen zu rechtfertigen. Darum geht es nicht.
Denn erst durch das gemeinsame Besprechen erhältst du Rückmeldungen, die dir weiterhelfen und deine KollegInnen haben das Gefühl, gehört zu werden und wissen, dass sie wichtig für das Unternehmen sind. Sonst würdest du dir schließlich nicht die Zeit nehmen, dich mit ihnen zusammenzusetzen, um zu erfahren, was sie denken.

4. Sei ein Ratgeber

Damals konnten deine KollegInnen einfach auf dich zukommen, dich jederzeit ansprechen und dich um Rat bitten. Ihr befandet euch schließlich auf der selben Ebene. Doch jetzt haben sie das Gefühl, dass dies nicht mehr gilt. Daher ist es nun deine Aufgabe, deinen KollegInnen verstehen zu geben, dass sie jederzeit zu dir kommen können und mit dir sprechen dürfen. Achte allerdings darauf, dass du es nicht nur sagst, sondern auch im beruflichen Alltag Taten folgen lässt.

Wenn du tust, was du sagst, erntest du Respekt.

5. Sei ein Bekannter

Aus Sicht der MitarbeiterInnen kann deine Beförderung von KollegInnen zu Vorgesetzten eine Bereicherung sein, da nun in der Chef-Etage jemand sitzt, der sie kennt. Einer, der weiß, wer sie sind, was sie tun und was sie ausmacht. Sie fühlen sich wahrgenommen. Wenn du ChefIn geworden bist, dann erinnere dich immer daran:

Du warst auch mal Kollege!

Christian Walter Hinze
Christian Walter Hinze ist der Gründer von OPPARS Coaching. Er verhilft seinen Klienten durch eine bewusstere Denkweise zu besseren Handlungen. Denn jedes Problem fußt auf einer falschen Denkweise und dementsprechend falscher Handlungen. Daher kann jeder Mensch durch eine bessere Denkweise, sein Leben und sein Unternehmen bewusst gestalten.

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