Startup-Interview mit Etepetete: Wer is(s)t schon gerne normal?

12

Startup-Interview mit Etepetete: Wer is(s)t schon gerne normal?


Kurze und knackige Antworten, die bekommen wir von dem jungen Startup Etepetete! Die drei jungen Männer haben nicht sehr viel Zeit, denn sie müssen nicht die Welt retten, sondern das arme „zweite Wahl“ Gemüse! Ob sie mit der Gründung den schönsten oder schlimmsten Tag ihres Lebens hatten, verraten sie euch in unserem Interview!

unternehmer.de: Stellt euch und euer Unternehmen doch einfach mal kurz vor!

Etepetete: Wir sind Etepetete, bestehend aus den drei Gründern Carsten Wille, Chris Hallhuber, Georg Lindermair und 17 weiteren Mitarbeitern. Gegründet haben wir Etepetete im April 2014. Auf dem Markt sind wir seit Juli 2015. Wir versenden deutschlandweit Gemüsekisten, mit Gemüse, welches nicht den Handelsnormen entspricht und deshalb eigentlich in der Biogasanlage oder auf dem Müll gelandet wäre.

unternehmer.de: Was habt ihr vorher gemacht und wie habt ihr zueinander gefunden?

Etepetete: Wir kennen uns alle noch aus Schulzeiten. Chris und Carsten haben vor Etepetete BWL studiert, Georg ist gelernter Immobilienkaufmann.

Auch krummes Gemüse kriegt eine Chance!

unternehmer.de: Wie kam es zu eurer Idee und gab es einen Schlüsselmoment, in dem ihr dachtet „Das machen wir jetzt einfach“?

Etepetete: Die Idee ist im Supermarkt vor der Salattheke entstanden. Die Freundin von Carsten machte den Witz, dass die Supermärkte für die Theken sicherlich nur „Zeug“ verwenden würden, welches sie eigentlich weggeschmissen hätten. Der Schlüsselmoment war der Besuch auf einem Biobauernhof im Umland von München. Der Gemüsegärtner zeigte uns eine Halle voll mit Karotten „zweiter Wahl“, die er nicht verkaufen konnte. Und wir dachten uns „aber wir können das“.

etepetete-gemueseretterbox

unternehmer.de: Wie seid ihr zu eurem Netzwerk an regionalen Biobauern gekommen? Wie geht ihr bei deren Auswahl vor?

Etepetete: Wir sind einfach zu ihnen gefahren und haben unser Konzept vorgestellt. Sie müssen nach EU Bioverordnung arbeiten und unserem Konzept offen gegenüber stehen.

unternehmer.de: Wie waren die anfänglichen Reaktionen auf eure Idee in eurem direkten Umfeld?

Etepetete: Die Leute waren begeistert oder sehr kritisch.

Schönster & schlimmster Tag, beides gleichzeitig!

unternehmer.de: Was waren eure größten Ängste und Bedenken bei dem Gedanken daran, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Gab es Momente, in denen ihr an der Idee gezweifelt habt?

Etepetete: Wir haben uns eher darauf gefreut ein eigenes Unternehmen zu gründen. Beim Gründen ist es so: entweder du hast den schönsten oder den schlimmsten Tag deines Lebens und das eben im Wechsel.

unternehmer.de: Welche Quellen standen euch bei der Gründung zur Verfügung und wie habt ihr euch finanziert?

Etepetete: Wir haben uns von unserem Ersparten finanziert.

unternehmer.de: Wie viel Vorlaufzeit habt ihr benötigt, bevor es Kunden möglich war, Gemüseboxen zu bestellen? Gab es in dieser Zeit Schwierigkeiten, mit denen ihr nicht gerechnet habt?

Etepetete: Wir sind ins kalte Wasser gesprungen. Es gab unzählige Schwierigkeiten. Vor allem weil wir uns ein sehr schwieriges Thema ausgesucht haben. Frische Lebensmittel übers Internet vertreiben. Wir haben über ein Jahr Vorlauf benötigt.

Weniger Meetings, mehr handeln!

unternehmer.de: Welche Tipps würdet ihr Menschen geben, die gerade mit dem Gedanken spielen, ein Unternehmen zu gründen? Was ist besonders in der Gründungsphase und kurz danach wichtig?

Etepetete: Man braucht

  • einen freien Kopf,
  • sollte alles Private geklärt und
  • keine großen Verpflichtungen haben.

Fokus ist das Wichtigste. Man sollte weniger Meetings haben, sondern mehr Dinge erledigen.

unternehmer.de: Welche Charaktereigenschaften sollte ein selbstständiger Unternehmer eurer Meinung nach auf jeden Fall mitbringen, um sich behaupten zu können?

Etepetete: Humor & Willenskraft!

unternehmer.de: Erzählt uns doch eine lustige oder kuriose Begebenheit aus eurer Gründungsgeschichte!

Etepetete: Bevor wir auf die Idee gekommen sind Gemüsekisten zu verschicken, haben wir eine Großküche angemietet, um eigene Convenience Produkte aus krummem Gemüse zu produzieren. Am Ende des Tages sind uns 500 Gläser Suppe weggeschimmelt.

Facebook, Werbung und Pressearbeit

unternehmer.de: Stichwort Social Media und Web 2.0: Wie nutzt ihr soziale Netzwerke für eure Idee? Welche Strategie verfolgt ihr hier?

Etepetete: Wir konzentrieren uns momentan hauptsächlich auf Facebook, da wir hier organisch eine relativ große „Fangemeinde“ aufbauen konnten. Facebook geht auch immer mit der Zeit und bietet fast monatlich Updates, was die Werbemöglichkeiten angeht.

unternehmer.de: Wie geht ihr beim Thema Werbung und Marketing vor?

Etepetete: Wir haben anfangs ausschließlich Pressearbeit betrieben und sind damit sehr gut gefahren. Erst jetzt beschäftigen wir uns mit anderen Kanälen, da wir noch schneller wachsen wollen.

(ETEPETETE – Wer Is(s)t schon gern normal? from etepetete on Vimeo.)

Nachhaltigkeit ist jetzt übrigens Trend!

unternehmer.de: Denkt ihr, dass der Trend zur Förderung von nachhaltiger Ernährung gerade jetzt bei der Masse besser ankommt als noch vor einigen Jahren?

Etepetete: Ja. Wir denken unser Timing war wirklich gut.

unternehmer.de: Worin liegt der Vorteil eures Ernährungs-Konzepts? Wie schafft ihr es dadurch, euch von der Konkurrenz abzusetzen?

Etepetete: Wir legen den Fokus auf Produkt und Kunde.

unternehmer.de: Wie bringt ihr euer Startup und euer sonstiges Leben unter einen Hut?

Etepetete: Mh.. nicht so gut. :D

unternehmer.de: Worauf seid ihr rückblickend besonders stolz? Was waren eure größten Erfolge?

Etepetete: Wir haben es geschafft, 1000 Kunden in weniger als zwei Monaten zu bekommen!

dich-rett-ich-etepetete

unternehmer.de: Ist die Lieferung von „zweite Wahl Gemüse“ direkt nach Hause erst der Anfang eines noch größeren Ziels?

Etepetete: Wir wollen eine Marke schaffen, die für Bioqualität und Nachhaltigkeit steht.

unternehmer.de: Wo seht ihr euch in einem Jahr?

Etepetete: Die Frage lässt sich bei einem Startup nicht sehr gut beantworten.

unternehmer.de: Eine letzte Frage: Ein Abendessen mit einem Begleiter eurer Wahl – egal, ob tot oder lebendig. Wer wäre das und was würde ihr ihn/sie fragen?

Etepetete: Michael Jackson!

Wir bedanken uns herzlich bei Etepetete und hoffen, dass mehr Menschen in Zukunft zu Gemüserettern werden!

(Bildquellen: © Etepetete)

Der Artikel hat dir gefallen? Gib uns einen Kaffee aus!

2 Kommentare

  1. Wirklich tolle Website! Sympathische Selbstdarstellung und auf jeden Fall vertrauenswürdig. Nur die Bio-Bauern sollte man doch noch mal bitten, vielleicht etwas höher auflösende Fotos von sich zu schicken – das ist ja in Zeiten von 10 Megapixel-Kameras auf Handys sollte das ja möglich sein.

    Das Grundkonzept ist übrigens so simpel, dass ich mich frage, warum sich noch niemand anderes daran versucht hat. Bzw. es gibt ja auch von ganz anderer Seite sogar schon einen Vorstoß in diese Richtung, wie man im Supermarktblog nachlesen kann: Auch der Discounter Penny hat sich kürzlich dazu verpflichtet, auch etwas „krummeres“ Gemüse mit in sein Sortiment zu nehmen.

    Wenn dieses Beispiel also generell Schule machen sollte, also auch bei weiteren Supermärkten und Discountern, ist das doch etwas Schönes, auch wenn dann das austrebende Etepetete-Startup gleich wieder starke Konkurrenz bekommt. Aber ich will’s mal optimistisch betrachten: Nimmt man hinzu, dass ja immerhin viele Supermärkte bereits mit den
    Tafeln in den Städten zusammenarbeiten und auch hier schon
    Nahrungsmittel weiterverwertet werden, die eigentlich zum Wegwerfen
    gedacht werden, sehe ich sogar generell großes Potential für ökologische Nahrungsmittel in unserem Land. Immerhin.

    Dann gibt es irgendwann nur noch eine letzte Streitfarge zu klären: Dürfen Bio-Lebensmittel in Kunststoff-Behältern versendet werden, auch wenn diese extra dafür gemacht sind und „Hygiene-Palettenboxen“ heißen (so sagt es der Fachmann)? Oder muss es Papier bzw. Pappe sein, so wie wir es bei Etepetete auf den Bildern sehen dürfen…? Ich frage deshalb, weil auch das Thema Plastikverpackungen und Kunststoff generell aktuell Discounter und Fachmenschen umtreibt.

    (Man verzeihe mir die mehrmalige Verlinkung des supermarktblogs. Ich bin großer Fan.)

    Grüße, ML

  2. Eine hervorragende Idee, die den Zahn der Zeit trifft. Ich wünsche euch viel Erfolg dabei und viele bewusste Kunden.

    Beste Grüße

    Denise

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein