Was sind Smart Contracts auf der Blockchain? Definition, Anwendungsbeispiele und mehr

Was sind Smart Contracts auf der Blockchain? Definition, Anwendungsbeispiele und mehr - Foto: ©Alesia Kozik - pexels.com
Was sind Smart Contracts auf der Blockchain? Definition, Anwendungsbeispiele und mehr - Foto: ©Alesia Kozik - pexels.com

Trotz fallender Kurse bleibt das Interesse an den Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie ungebrochen. Der Erfolg von Bitcoin, Ethereum und Co. speist sich nicht nur aus den Versprechungen von immer höheren Kursen und Preisen. Es sind auch ihre Innovationen, welche für Unternehmer interessant sein sollten. So etwa die Smart Contracts. Diese haben das Potenzial, Finanzen, Logistik, Entertainment, Versicherungen und im Grunde alle Lebensbereiche zu revolutionieren.

Viele Begriffe ranken sich um Bitcoins und Blockchain, Kryptos und Exchanges, Wallets und Tokens, welche dem Laien möglicherweise nicht verständlich sein könnten. Hinter diesen Begriffen verstecken sich mitunter bahnbrechende Technologien. In diesem Beitrag erfährst du, was Smart Contracts leisten können und welche Vor- und Nachteile sie bieten.

Was genau sind Smart Contracts?

Bitcoins große Innovation war die Blockchain, diese dezentrale Datenbank, welche alle Transaktionen fälschungssicher aufzeichnet. Das ist auch so ziemlich alles, was Bitcoin kann und können will. Ethereum, heute die zweitgrößte Kryptowährung nach Marktkapitalisierung, ist angetreten, um die Blockchains um eine Vielzahl an Funktionen und Anwendungsfeldern zu bereichern. Möglich machen das unter anderem die Smart Contracts.

Smart Contracts sind sich selbst ausführende, programmierte Verträge. Sie bestehen rein aus Code und existieren nur in elektronischer Form auf der Blockchain. Die Vereinbarungen, Bedingungen und die Ausführung sind in diesem Code transparent eingetragen. Nach dem Motto „code is law“ agieren diese elektronischen Verträge immer exakt so, wie sie programmiert wurden. Den menschlichen Faktor klemmen sie weitestgehend aus.

Während der Einsatz der smarten Verträge einige Risiken und Probleme mit sich bringt, bieten sie doch eine Reihe von Vorteilen. Einer davon ist der hohe Grad an Automatisierung. Sobald der Smart Contract feststellt, dass die Bedingungen erfüllt sind, führt er die im Code festgeschrieben Pflichten aus. Die Ausführungen werden ebenfalls transparent auf der Blockchain festgehalten und lassen sich von jedem nachverfolgen.

Smart Contracts ermöglichen dadurch Transaktionen zwischen zwei oder mehr Teilnehmern ohne eine zentrale Gewalt oder Autorität. Solche Transaktionen können auch anonym ablaufen. Die Teilnehmer müssen sich nicht einmal kennen oder vertrauen. Die Smart Contracts sind „trustless“, weil Vertrauen nicht notwendig ist.

Smart Contracts bei Ethereum

Je nach Blockchain sind die Programmiersprachen für Smart Contracts unterschiedlich. Bei Ethereum sind das aktuell Solidity und Vyper. Wenn du dich mit JavaScript, C++ oder Python auskennst, sollte Solidity nicht zu schwierig sein. Ethereum selbst stellt Guides bereit, wie sich am besten ein Smart Contract schreiben lässt.

Weiterhin benötigst du Ether (ETH), die Kryptowährung von Ethereum. Mit dem Ether bezahlst du Gas-Gebühren, wann immer ein Smart Contract ausgeführt wird. Du musst also Ethereum kaufen und diese aufbewahren. Zudem benötigst du eine Reihe von Tools wie „Node.js“. Damit testest du die Funktionsfähigkeit des Smart Contracts.

Anwendungsbeispiele der Smart Contracts

Die Anwendungsmöglichkeiten der Smart Contracts sind so vielfältig wie die Möglichkeiten des Internets. Erst die Zukunft wird zeigen, wo sie wirklich effektiv eingesetzt werden können und sich richtige Use Cases bieten. Einige Anwendungen gibt es aber bereits.

Decentralized Finance: Auch „DeFi“ abgekürzt, ist die Bezeichnung für komplett dezentrale Krypto-Handelsplattformen. Sie ermöglichen die Kreditnahme und andere komplexe Finanzprodukte ohne eine zentrale Gewalt. Möglichen machen es Smart Contracts, welche die Vorgänge auf den DeFi-Plattformen regeln. Theoretisch lässt sich dieses Konzept auch auf den traditionellen Finanzmarkt ausweiten. Unbürokratisch und vertrauenswürdig können sie Geschäfte zwischen verschiedenen Parteien regeln, welche heute nur mit viel Aufwand möglich sind. Das R3 Consortium, bestehend aus der Credit Suisse, ING Bank, Allianz und weiteren, forscht bereits auf diesem Gebiet.

Logistik: Nicht nur lassen sich Lieferketten auf der Blockchain transparent aufzeichnen. Die Annahme, Verarbeitung, Lieferung und weitere Schritte in der Logistik lassen sich auch über Smart Contracts automatisieren. Die elektronischen Verträge können eine wichtige Rolle bei Smart Factories und Smart Cities spielen. IBM testet das bereits auf diesem Gebiet.

Verkehr: Smart Contracts könnten auch bei den Smart Cities im Bereich Verkehr zum Einsatz kommen. Mit den intelligenten Verträgen ließen sich Mautgebühren automatisch bezahlen. Auch für Autoversicherungen könnten sie nützlich sein, indem sie transparent Daten bereitstellen.

Versicherungen: Der Faktor Mensch ist gerade bei Versicherungen häufig die Basis für Ärger und Frustration auf beiden Seiten. Smart Contracts jedoch können für alle Parteien die fairsten Entscheidungen treffen und viele Schritte im Geschäft mit Versicherungen automatisieren. Durch die Entbürokratisierung lässt sich auch an Personal sparen.

Verwaltung: Abstimmungen lassen sich dank der Blockchain und den Smart Contracts manipulationssicher gestalten. Mit einer eigenen ID oder einem Passcode können Wähler Zugang zum Abstimmungsverfahren erhalten. Die Daten werden dann anonymisiert oder transparent auf der Blockchain gespeichert. Wahlfälschungen sind damit nur sehr schwer möglich. Der US-Bundesstaat Utah hat das schon erfolgreich mithilfe seiner App Voatz geprobt.

Gesundheitswesen: Gesundheitsbezogene Daten sind heute ein wichtiges Gut. Mit Smart Contracts ließen sich diese auf der Blockchain speichern und fallspezifisch Ärzten und Krankenhäusern zur Verfügung stellen. Der Patient bleibt aber immer Herr seiner Daten.

Gaming: Die programmierbaren Verträge lassen sich im Gaming-Bereich einsetzen, um die Transaktion von digitalen Assets wie Skins oder Collectibles zu regeln. Sie schaffen Transparenz und faire Verhältnisse auf beiden Seiten.

Initial Coin Offerings: Die Smart Contracts spielen eine wichtige Rolle bei Initial Coin Offerings. Auf Ethereum sind sie dafür verantwortlich, neue Tokens zu generieren und deren Tokenomics zu definieren. Mit ihnen lässt sich der Kauf und Verkauf des Tokens regeln.

Die Vor- und Nachteile von Smart Contracts

Wenn Smart Contracts so viele Anwendungsfälle bieten, wieso haben sie die Welt noch nicht im Sturm erobert? Einerseits liegt es daran, dass es noch immer eine sehr junge Technologie ist. Andererseits gibt es auch eine Reihe von Problemen und Nachteilen. Interessierte sollten abwägen, wann sich der Einsatz von Smart Contracts lohnen könnte.

Vorteile von Smart Contracts:

  • Automatisierung: Sie führen ihre Vertragsinhalte selbstständig und ohne menschliches Zutun aus.
  • Neutralität: Die intelligenten Verträge agieren komplett unvoreingenommen, exakt so, wie sie programmiert wurden.
  • Vertrauen: Die Parteien müssen sich nicht gegenseitig vertrauen, da der Smart Contract Vertrauen schafft.
  • Transparenz: Der Code wird transparent auf der Blockchain aufgezeichnet. Alle Parteien können ihn analysieren und sich davon überzeugen, dass der Smart Contract seine Aufgabe korrekt ausführt.
  • Sicherheit: Der Smart Contract ist so sicher wie die Blockchain selbst. Er ist kryptografisch geschützt und wird von dem Netzwerk überwacht. Er kann nicht verloren gehen und viel Aufwand wäre nötig, ihn für die eigenen Zwecke umzuschreiben. Das würde auch sofort bemerkt werden.

Die Nachteile von Smart Contracts:

  • Unwissenheit: Blockchains stellen in sich geschlossene Systeme dar. Sie sind auf sogenannte „Oracles“ angewiesen, damit diese ihnen Information aus der echten Welt liefern. Ohne sie können Smart Contracts ihre Funktionen nicht ausführen. Die Informationsbeschaffung selbst ist wiederum anfällig für Manipulationen.
  • Technische Voraussetzungen: Nicht nur sind Programmierkenntnisse notwendig, um einen Smart Contract zu erstellen. Unternehmen müssen auch über eine Blockchain-Infrastruktur verfügen.
  • Unflexibel: Sobald ein Smart Contract geschrieben ist, lässt er sich nur schwer bearbeiten und ändern. Was er ausführt, steht fest und lässt sich kaum rückgängig machen.

Maximilian Gabler coacht und berät UnternehmerInnen und Führungskräfte, seit 20 Jahren in allen Themen, die Management, (Unternehmens-) Führung und Digitalisierung betreffen.

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