Nachhaltigkeit: Dirk Gratzel im Experten-Interview

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Nachhaltigkeit: Dirk Gratzel im Experten-Interview

Nachhaltigkeit – längst ein großes Thema. Doch was können Unternehmen tun, um diesem Ziel tatsächlich näherzukommen? Und befinden wir uns eigentlich auf einem guten Weg? Wir haben Dr. Dirk Gratzel, CEO und Mitbegründer von Precire, zum Thema interviewt.

„Wer auf Nachhaltigkeit setzt, muss Abstriche bei der Rendite machen.“ Herr Gratzel, was halten Sie von dieser landläufigen Meinung?

Dr. Dirk Gratzel: Kurzfristige Gewinne sind überhaupt nur dort möglich, wo – wie etwa in der Landwirtschaft, der Schifffahrt oder im Flugverkehr – fehlgeleitete Subventionssysteme die wahren Kosten von Dienstleistungen und Produkten ausblenden.

Die Zukunftsfolgen werden damit künftigen Generationen auferlegt, die dann die durch Überdüngung und Chemie zerstörten Böden, verseuchten Weltmeere und erhitzten Klimasysteme auf eigene Kosten wieder lebenswert machen müssen.

Nachhaltige, reale Gewinne sind nur mit nachhaltigem Wirtschaften möglich. Dann entsteht – was uns alle lebendigen Systeme lehren – ein Kreislauf hohen Nutzens, passgenauer Produktivität und stetiger Innovation.

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Wo können Unternehmen schon im Kleinen ansetzen, um umweltbewusster zu handeln?

Dr. Dirk Gratzel: Es gibt ganz viele Ansatzpunkte. Eine 1. Klasse BahnCard 100 beispielsweise ist weit günstiger als jeder Dienstwagen und macht Mitarbeiter produktiver und zufriedener.

Außerdem ist eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem nachhaltigen Nutzen der eigenen Produkte und Dienstleistungen sinnvoll. Das macht die Angebote in den meisten Fällen sogar wettbewerbsfähiger, die Mitarbeiter verantwortungsbewusster und stärkt darüber hinaus die eigene unternehmerische Identität. Das kostet nichts, bringt viel und schafft einen dauerhaften Unternehmenswert.

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Ihre ehrliche Meinung: Befinden wir uns momentan auf einem guten Weg zu mehr Nachhaltigkeit?

Dr. Dirk Gratzel: Viele private Initiativen, gerade jüngerer Generationen, zeigen uns kluge und zukunftsfähige Wege für ressourcenärmere Mobilität, gesündere Ernährung und eine viel gemeinwohlorierentiertere Form des Wirtschaftens und Lebens. Das macht mir persönlich Mut und ist Ansporn zugleich.

Darüber hinaus erlebe ich in Gesprächen viel Einsicht und Veränderungsbereitschaft. Jetzt gilt es nur noch, mehr Energie für Veränderungen aufzubringen und mehr Druck auf Politik und Unternehmen zu machen. Alles andere wäre fatalistisch…

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