Digitalisierung: Ist Face-to-Face-Kommunikation unnötig?

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6 Gründe für klassische Face-to-Face-Kommunikation

6 Gründe für klassische Face-to-Face-KommunikationDas Homeoffice wird immer beliebter. Laut Bitkom lassen bereits vier von zehn Arbeitgebern ihre Mitarbeiter ganz oder teilweise von zu Hause aus arbeiten. Hinzu kommt, dass immer mehr Unternehmen global aufgestellt und die Mitarbeiter über verschiedene Standorte verteilt sind.

Rasch ist die Auswahl an Technologien gewachsen, die dabei helfen sollen, dass alle miteinander in Verbindung bleiben. Doch beseitigt die zunehmende Kommunikation via Chats nicht die Nähe einer richtigen Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht?

Diese 6 Argumente zeigen, welche Rolle das persönliche Gespräch für eine effektive Zusammenarbeit spielt:

1. Kein vollständiger Überblick

Ohne persönliche Interaktion bekommen wir keinen vollständigen Überblick darüber, was andere uns zu sagen suchen. Michael Landers, ein Unternehmensberater und Autor, bringt es auf den Punkt:

„Wenn Sie jemanden nicht sehen, steigen die Chancen der Fehlkommunikation stark an.“

Wenn wir nur per Telefon oder E-Mail kommunizieren, bleibt vieles offen für Interpretationen. Das Lesen der Körpersignale und Gesichtsausdrücke ist genauso wichtig wie der verbale Austausch. Augenkontakt stärkt die Kommunikation, indem er andere wissen lässt, dass wir präsent sind und zuhören. Er stellt eine Verbindung zwischen den Individuen her und vermittelt Glaubwürdigkeit.

2. Blickkontakt und emotionale Bindungen

Wenn wir von Angesicht zu Angesicht interagieren, aktivieren wir sogenannte Spiegelneuronen in unserem Gehirn. Wir bauen unbewusst ein Verhältnis auf, indem wir Körperbewegungen, Gesten und Ausdrücke nachahmen.

Laut dem UCLA-Neurowissenschaftler Dr. Marco Iacoboni ermöglichen uns diese Spiegelneuronen, die Emotionen und Absichten anderer Menschen zu verstehen. Wir reagieren auf das Wahrgenommene so, als hätten wir es selbst erlebt. Die Verbindung zu einem Kunden oder einem Kollegen auf dieser unterbewussten Ebene trägt wesentlich zum Aufbau von Beziehungen bei.

Das Anklicken eines Smileys oder Likes ist kein Ersatz für diese Art der emotionalen Bindung.

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3. Teambuilding außerhalb des Büros

Um ein loyales Team aufzubauen, muss eine Umgebung geschaffen werden, in der sich Mitarbeiter wirklich austauschen können. Zusammenarbeit erfolgt oft spontan.

Die Interaktion mit Mitarbeitern muss sich nicht auf die Arbeit beschränken – oder gar ausschließlich im Büro stattfinden. So organisieren viele Unternehmen Teamevents oder Offsites, die es den Mitarbeitern erlauben, sich auch außerhalb der täglichen Routinen zu begegnen. So entstehen Synergien und Beziehungen für eine erfolgreiche Teamarbeit.

4. Das Team persönlich inspirieren

Howard Schultz trat im Jahr 2000 als CEO von Starbucks zurück, kam aber 2008 zurück, nachdem das Unternehmen in Schwierigkeiten geraten und der Aktienkurs um 42 Prozent gefallen war. Um den Absturz abzuwenden, versammelte Schultz alle 10.000 Filialleiter in New Orleans und gab dafür insgesamt 30 Millionen Dollar aus.

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Er wollte die Strategie für die unternehmerische Wende im persönlichen Kontakt ausarbeiten und seine Mitarbeiter, die er als „Partner“ bezeichnete, inspirieren. Seine Face-to-Face-Strategie funktionierte: Starbucks feierte ein erfolgreiches Comeback.

5. Glückshormone in Bewegung setzen

„Social Media“ ist ein Oxymoron: Je mehr Technologie unsere primären Interaktionen beinhalten, desto unsozialer werden wir.

Eine Studie ergab, dass sich bei Menschen, die mindestens zwei Stunden am Tag in Social Media verbrachten, die Wahrscheinlichkeit einer „wahrgenommenen sozialen Isolation“ verdoppelte.

Die Vorteile des Zusammenseins sind mehr als nur geistiger Natur. In einer Studie der Stanford School of Medicine fanden Ärzte heraus, dass unser Körper ein Hormon namens Oxytocin freisetzt, wenn wir mit anderen zusammen sind. Oxytocin sorgt dafür, dass Serotonin im Körper ausgeschüttet wird, was zu einem allgemeinen Glücksgefühl führt.

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6. Die Kraft des menschlichen Gesichts

Charles Darwin ist bekannt für seine Forschungen zur Evolution. Gleichzeitig führte er auch eine der frühesten Studien über das menschliche Gesicht durch. Er erforschte, wie Menschen die Emotionen anderer durch deren Gesichtsausdruck erkennen und interpretieren. Zwei Jahrhunderte später sind seine Forschungen aktueller denn je.

Von der Technologie über die Arbeitsplatzgestaltung bis hin zum kreativen Management gibt es mittlerweile unzählige Strategien, um die Mitarbeiter wieder näher zusammenzubringen und dazu beizutragen, das Geschäft voranzubringen. Unternehmen erkennen zunehmend, was die Wissenschaft bereits bewiesen hat: dass Menschen soziale Wesen sind und Kommunikation dann am erfolgreichsten ist, wenn sie von Angesicht zu Angesicht geschieht.

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Wie Apple-CEO Tim Cook dem Wall Street Journal sagte:

„Trotz all der Perfektion der Technologie und all der Dinge, die wir im Laufe der Jahre ermöglicht haben – nichts ersetzt die menschliche Interaktion.“

Diese Face-to-Face-Kommunikation lässt sich auf kreative Weise umsetzen. Google zum Beispiel hat variable Büroräume, um die spontane Zusammenarbeit mit offenen Bereichen zu fördern.

Doch auch feste Anwesenheitstage, Videobesprechungen und externe Mitarbeitertreffen sind mögliche Wege, um die persönliche Interaktion zu fördern, die uns in Sofortnachrichten und E-Mails abhandenzukommen droht.

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