Kaum eine Persönlichkeit im Silicon Valley polarisiert so sehr wie Investor Peter Thiel. Das hat Gründe: Thiel ist ein giga-libertärer Tech-Milliardär, der mit Unternehmen wie Palantir massiv von staatlicher Überwachung und Militäraufträgen profitiert. Auch die deutsche Polizei setzt teilweise seine umstrittene Software Palantir ein. Gleichzeitig stellt er die Demokratie offen in Frage und finanziert rechtspopulistische Hardliner und Akteure wie J.D. Vance, Blake Masters oder Donald Trump mit Millionenbeträgen. Was sonst als Tabu-Bruch gilt, ist für den Springer-Konzern offenbar Anlass für eine Preisverleihung. Das Medienhaus will Thiel heute mit dem Axel Springer Award 2026 auszeichnen. Laut Springer-Chef Matthias Döpfner erinnere Thiel uns daran, dass Fortschritt „Mut und Nonkonformismus“ voraussetze. Ganz ehrlich: Wen überrascht diese unheilige Allianz eigentlich noch?
unternehmer.de zu Google hinzufügenMehr News und Infos rund um ähnliche Themen findest du am Ende dieses Beitrags.
Springer und Peter Thiel: Da haben sich zwei gefunden
Bei Mathias Döpfner und Peter Thiel prallen keine Welten aufeinander – ganz im Gegenteil: Der Schulterschluss der beiden wirkt auf groteske Weise fast schon natürlich. Fast schon gebetsmühlenartig beschwört Springer immer wieder aufs neue den Schutz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, der Menschenrechte und der offenen Gesellschaft. Das ist natürlich absoluter Unsinn: In der Disziplin „Fake-News mit nationalistischem Beigeschmack“ kann so gut wie niemand den Springer-Medien das Wasser reichen.
Noch ein wenig irrer wird das ganze, wenn man sich einige Aussagen von Thiel genauer anschaut: Der Tech-Milliardär glaubt etwa nicht mehr, dass „Freiheit und Demokratie vereinbar seien“. Größere Erfolgschancen hingegen sieht Thiel bei einer autoritären oder elitären Steuerung der Politik. Zudem warnte der Springer-Konzern in der Vergangenheit zwar immer wieder vor Datenmissbrauch und gläsernen Bürgern, ehrt nun aber den Mann, der mit Palantir eines der größten Instrumente für Massenüberwachung erschaffen hat.
Der Mythos des „einsamen Underdogs“
Einen komischen Höhepunkt erreicht die Inszenierung von Springer und Peter Thiel beim Thema „Nonkonformismus“. Döpfner feiert Thiel als rebellischen Querdenker. Dass dieses Bild nicht die Wahrheit widerspiegelt, ist offensichtlich. Thiel ist kein einsamer Underdog, sondern jemand, der gezielt Medien und Politik mit Finanzierungen steuert und damit letztlich auch den Diskurs zu lenken vermag. Von einem echten Nonkonformismus könnte er nicht weiter entfernt sein. Gleiches gilt für Springer, insbesondere auch die „Bild“, die als auflagenstärkste Zeitung Deutschlands selbst immer wieder das Bild eines querdenkenden Mediums für sich beansprucht.
Hinzu kommt die handfeste Heuchelei des Geschäftsmodells: Auf der einen Seite predigt ein libertärer Tech-Oligarch den radikalen schlanken Staat, die Abschaffung von Regulierung und die absolute Selbstverantwortung des Marktes. Doch woher kommen die Milliarden für Palantir? Sie sprudeln aus fetten, staatlichen Sicherheits-, Polizei- und Militäraufträgen. Ökonomisch vom Leviathan leben, ihn politisch aber am liebsten abschaffen wollen, das grenzt an Realsatire.
Auch wenn es letztlich „nur“ ein schnöder Preis eines Medienkonzerns ist, bleibt ein äußerst fader Beigeschmack. Thiel bekommt seine mediale Heiligsprechung nach „europäischen Werten“, Springer seine wohlkalkulierte Provokation. Die liberale Demokratie, deren Werte hier angeblich hochgehalten werden, bleibt bei diesem Deal wie gewohnt auf der Strecke.
Mehr Nachrichten aus der Wirtschaft kannst du hier lesen:
- Spritpreis-Entlastung: Umweltbundesamt schlägt Umstieg auf E-Autos vor
- Warum der Umstieg auf E-LKW die Logistikbranche an ihre Grenzen bringt
- Gasspeicher nur zu 55 Prozent gefüllt: Verbände warnen vor Engpässen im Winter
- Top-Ökonomen warnen: Europa droht im KI-Wettlauf bedeutungslos zu werden
- Arbeitslos wegen KI? In China ist das längst die Realität




