Ab heute dreht sich auf dem Berliner Messegelände vier Tage lang alles um die Zukunft des Schienenverkehrs. Die InnoTrans 2026 öffnet am 22. September ihre Tore – zum 15. Mal und passend zum 30-jährigen Bestehen der weltweit größten Fachmesse für Bahntechnik. Mehr als 3.100 Aussteller bespielen sämtliche 42 Hallen sowie das Freigelände mit seinen 3.500 Metern Gleis. Angekündigt sind 180 Weltpremieren, die sich laut Veranstalter vor allem um drei Themenfelder drehen: künstliche Intelligenz und Automatisierung, alternative Antriebstechnologien sowie die digitale Erneuerung der Schieneninfrastruktur. Zum Vergleich: Die vorangegangene Ausgabe 2024 zählte knapp 2.950 Aussteller aus 59 Ländern und zog rund 169.000 Fachbesucher aus 128 Staaten an. Die diesjährige Messe dürfte diese Marken deutlich übertreffen.

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113 Fahrzeuge auf 3.500 Metern Gleis

Das Außengelände wird zur rollenden Leistungsschau: 113 Schienenfahrzeuge aus 17 Ländern stehen auf den Gleisen bereit, präsentiert von 130 Ausstellern – 30 davon zum ersten Mal. Besonders die Hochgeschwindigkeitszüge dürften Blicke auf sich ziehen. Hyundai Rotem zeigt den EMU 320, Hitachi bringt den ETR1000 Frecciarossa mit – beide für Tempo jenseits der 300 km/h konstruiert.

Aus China steuert CRRC eine Wasserstoff-Brennstoffzellen-Hybridlokomotive bei, die Brennstoffzellen mit Traktionsbatterien kombiniert und zusätzlich über eine KI-basierte Fahrplattform mit 360-Grad-Umfelderkennung verfügt. Stadler tritt gleich mit sieben Fahrzeugen an, darunter ein Wasserstoff- und ein Batteriezug für den Regionalverkehr. Auch das Thema Nachtzug erlebt ein Comeback: Mehrere Hersteller stellen neue Kabinen- und Liegekonzepte vor, die mehr Komfort bei wirtschaftlichem Betrieb versprechen.

Wenn Software wichtiger wird als Stahl

Künstliche Intelligenz durchzieht die diesjährige InnoTrans wie ein roter Faden. Im eigens eingerichteten AI Mobility Lab bündeln Anbieter ihre Lösungen rund um KI, Robotik und Cybersicherheit. Erstmals findet zudem der Hackathon „AI on Track“ statt, bei dem 60 bis 80 Teilnehmer an konkreten Mobilitätsaufgaben tüfteln – gesponsert unter anderem von Alstom, Wabtec und Siemens Mobility.

Siemens selbst präsentiert mit der Vectron X eine softwaredefinierte Lokomotive, die digitale Dienste tief ins Fahrzeug integriert. Knorr-Bremse wiederum verspricht mit dem Fahrerassistenzsystem LEADER Flow durchschnittlich über zehn Prozent Energieeinsparung durch Echtzeit-Verkehrsdaten vorausfahrender Züge. Und system7 rail holding zeigt den weltweit ersten volldigitalisierten Stopfroboter mit Zweischwellenmodus – ein Beispiel dafür, wie Automatisierung zunehmend auch die Gleisbaustelle erreicht.

124 Milliarden Euro Sanierungsstau treffen auf volle Auftragsbücher

Die technischen Neuheiten der Messe landen in einer Realität, die weniger glänzt als die Exponate. Laut Allianz pro Schiene beläuft sich der Investitionsbedarf im deutschen Schienennetz auf 124 Milliarden Euro – allein 40 Milliarden davon für dringend notwendige Arbeiten an Gleisen und Bahnsteigen. Die Zahlen stützen sich auf den Zustandsbericht der DB InfraGO für 2025.

Für Hersteller bedeutet dieser Rückstau paradoxerweise gute Geschäfte. Der Branchenverband meldete für 2025 einen Umsatz von 15,6 Milliarden Euro, während der Auftragseingang mit 21,8 Milliarden Euro deutlich darüber lag. Das Infrastruktursegment der Messe wächst entsprechend: Knapp 600 Aussteller belegen über 32.000 Quadratmeter – fünf Prozent mehr als vor zwei Jahren.

Hochkarätige Eröffnung mit EU-Kommissar und Branchengrößen

Am Dienstagvormittag wird die Messe unter dem Motto „Mobility on a global scale, shaping projects and growth opportunities“ eröffnet. Auf dem Podium werden unter anderem EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas sowie die Konzernchefs von Alstom, Siemens Mobility und der Škoda Group erwartet. Auch der Leiter der kalifornischen Hochgeschwindigkeitsbehörde ist angekündigt.

Die Agenda spiegelt die drängendsten Fragen der Branche wider: Wie lassen sich überlastete Netze leistungsfähiger machen, Modernisierungszyklen beschleunigen und Lebenszykluskosten senken? Die Trennlinien zwischen klassischem Fahrzeugbau und IT-Branche verschwimmen dabei zusehends. Die spektakulärsten Züge mögen weiterhin die Kameras anziehen – über die Zukunft des Schienenverkehrs entscheidet zunehmend die Software dahinter.

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Felix Schneider

Felix Schneider ist seit November 2024 bei Unternehmer.de. Nach seinem Studium der Buch- und Medienwirtschaft in Leipzig und einem ersten Exkurs in den Onlinejournalismus beim PRINZ-Magazin entschied er sich, in der Messestadt zu bleiben. Heute ist er SEO & Autor für Unternehmer.de, News.de und Qiez.de. Hier schreibt er vor allem über neue Technologien wie KI und gibt Insights in die Perspektiven der Gen Z. Auch auf X und LinkedIn zu finden.

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