Angesichts der Rekordpreise an deutschen Tankstellen hat sich das Umweltbundesamt (UBA) gegen pauschale Entlastungsmaßnahmen ausgesprochen. UBA-Präsident Dirk Messner warnte vor kurzfristigen Instrumenten wie einem Tankrabatt. „Kurzfristige Maßnahmen wie ein Tankrabatt oder Steuerbefreiungen greifen zu kurz und sind teuer“, erklärte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Solche Maßnahmen kämen nach dem Gießkannenprinzip auch jenen zugute, die trotz gestiegener Kraftstoffkosten keine finanzielle Unterstützung benötigten. Statt die Preise künstlich zu drücken, plädiert Messner für eine beschleunigte Wende hin zur Elektromobilität. „Zudem müssen wir an die Ursachen des Problems gehen – je schneller wir den Umstieg auf Elektromobilität voranbringen, desto besser“, betonte der Behördenchef. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat zwar Entlastungen in Aussicht gestellt, über deren genaue Ausgestaltung ist jedoch noch nicht entschieden.
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Spritpreise auf historischem Höchststand
Der Hintergrund der Debatte: Die Kraftstoffkosten haben ein nie dagewesenes Niveau erreicht. Laut ADAC-Erhebungen lag der bundesweite Tagesdurchschnitt für Super E10 am 16. September 2026 bei 2,314 Euro pro Liter. Diesel war mit 2,453 Euro je Liter sogar noch teurer. Bei beiden Sorten handelt es sich um neue Rekordwerte in der Statistik des Automobilclubs.
Die Gründe für den jüngsten Preisanstieg sieht der ADAC unter anderem in gestiegenen Rohölnotierungen. Allerdings lasse sich das aktuelle Preisniveau an den Zapfsäulen laut dem Automobilclub nur zum Teil durch den Ölpreis und den Wechselkurs zwischen Euro und Dollar erklären. Das nährt den Verdacht, dass die Mineralölkonzerne zusätzlich an der Preisschraube drehen.
Zinsgünstige Kredite statt Gießkanne
Konkret schlägt das UBA vor, die seit Jahresbeginn geltende Kaufprämie für Elektrofahrzeuge durch weitere Förderinstrumente zu ergänzen. „Um den Übergang zur Elektromobilität zu verstärken, sollte die bestehende Kaufprämie ergänzt werden durch Instrumente wie zinsgünstige Kredite oder andere Finanzierungshilfen“, sagte Messner. Damit ließe sich die Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen verringern.
Besonders wichtig ist dem UBA-Chef dabei die soziale Komponente: Haushalte mit niedrigem Einkommen könnten sich den Kauf eines Elektroautos oft schlicht nicht leisten. Deshalb fordert Messner gezielte Direktzahlungen an finanzschwache Haushalte über einen speziellen Auszahlungsmechanismus. Das aktuelle Bundesprogramm fördert laut „Ecomento“ den Kauf elektrifizierter Neuwagen je nach Einkommen, Fahrzeugtyp und Familiengröße mit 1500 bis 6000 Euro. Bis 2029 stehen dafür insgesamt drei Milliarden Euro bereit.
ADAC und DGB drängen auf niedrigere Stromsteuern
Auch der ADAC setzt auf den Ausbau der Elektromobilität – und fordert dafür eine Senkung der Stromsteuer. Eine solche Maßnahme würde laut dem Automobilclub nicht nur sämtliche Verbraucher entlasten, sondern zugleich den Umstieg auf elektrische Antriebe attraktiver machen. Dennoch bleibe der hohe Anschaffungspreis neben fehlender Ladeinfrastruktur ein zentrales Hindernis für viele Kaufinteressenten, so eine ADAC-Sprecherin gegenüber der „Rheinischen Post“.
Unterstützung kommt vom Deutschen Gewerkschaftsbund. DGB-Chefin Yasmin Fahimi bezeichnete Deutschland als „absolutes Hochpreisland“ bei Energie und verlangte eine Absenkung der Energie- und Mineralölsteuern. Die Stromsteuer müsse „flächendeckend runter auf das europäische Mindestmaß“, so Fahimi. Der Staat dürfe an steigenden Energiekosten nicht mitverdienen.
Koalition uneins über den richtigen Weg
Innerhalb der Bundesregierung gehen die Vorstellungen über geeignete Entlastungen weit auseinander. Die SPD drängt auf einen Preisdeckel für Kraftstoffe. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) wirbt zudem für eine Übergewinnsteuer auf europäischer Ebene und will das Thema bei einem Treffen mit seinen EU-Amtskollegen in Dublin auf die Agenda setzen.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lehnt einen Preisdeckel hingegen ab und setzt stattdessen auf einen Steuerrabatt in Kombination mit Direktzahlungen an Geringverdiener. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann bezifferte eine mögliche Entlastung auf 21 bis 25 Cent pro Liter, erteilte der Übergewinnsteuer aber laut „Spiegel“ eine klare Absage.
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