Bislang blieben Arbeitnehmer in Deutschland verschont von KI-bedingtem Jobverlust – viele Unternehmen setzen die neue Technologie hierzulande nur punktuell ein. Das könnte sich ändern, wie die aktuelle Situation in China zeigt. Dort bekommen Arbeitnehmer die Auswirkungen der neuen Technologie deutlich zu spüren: Berichten des Guardian zufolge sind die Einkünfte von Menschen, die vorwiegend in auftragsbezogenen Verhältnissen arbeiten, durch den Einsatz von KI deutlich zurückgegangen. Betroffen sind unter anderem Taxifahrer, aber auch Freiberufler. Die Regierung plant nun Maßnahmen, die Betroffene schützen und finanziell entlasten sollen.

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Einkommen fast um die Hälfte gesunken

In China sind autonome Taxis längst Teil des Straßenverkehrs. Dennoch sorgt die Technologie mitunter für Probleme: So kam es im März in Wuhan zu einer massiven Systemstörung des Anbieters Apollo Go, infolge dessen mehrere Fahrzeuge auf den Straßen liegen blieben und die Fahrgäste teils stundenlang nicht aussteigen ließen. Die Taxis wurden im Anschluss für eine Untersuchung aus dem Verkehr gezogen. Für Taxifahrer waren die Ausfälle durchaus von Vorteil: Wie der Fahrer Yao Xinnong berichtete, war sein Einkommen seit Start des Dienstleisters Apollo Go um etwa 40 Prozent gesunken.

Laut The Guardian kam es 2024 in Wuhan zu massiven Protesten der Taxifahrer gegen die Fahrzeuge. Zwei Jahre später fruchtet die Kritik nun auch bei der Regierung: In einem Leitartikel der staatlichen Zeitung Worker’s Daily hieß es demnach, dass die Arbeitnehmerrechte durch die KI „vor neuen Herausforderungen“ stünden. Der Artikel warnte weiterhin, dass es zu einem „Zusammenprall zwischen traditionellen Beschäftigungsregeln und der Weiterentwicklung der KI-Technologie“ kommen könnte.

Chinesische Gerichte sprechen Betroffenen Schadensersatz zu

Selina Xu, Technologieanalystin mit Fokus auf China, erklärte gegenüber The Guardian, dass die Regierung selbst zunächst die KI-Entwicklung stark vorantrieb. Offenbar verlor man im KI-Wettrennen den Blick für die Arbeitnehmer. Seitdem habe es nun aber einen „großen Stimmungsumschwung“ gegeben – inzwischen werde mehr Wert auf einen „menschenorientierten Ansatz“ gelegt. Cheng Wanhui, ein Beamter der Pekinger Kommunalverwaltung, erklärte gegenüber The Guardian, dass die Behörden das Problem bereits erkannt hätten. Man würde „den sozialen Problemen, die KI mit sich bringt, sowie potenziellen ethischen Bedenken große Aufmerksamkeit schenken“.

Zudem haben chinesische Gerichte bereits entschieden, dass KI-bedingte Entlassungen nicht zulässig sind und Betroffenen Entschädigungen zugesprochen. Allerdings befürchten viele Arbeitnehmer, dass sie aufgrund von KI keinen Job mehr finden. Auch der Kameramann Tian Zemin berichtet, dass sein Honorar als Freiberufler mittlerweile nur noch bei etwa 40 Prozent seines vorherigen Verdienstes liege. Dabei betont er vor allem die schnelle Entwicklung der KI: Während die Modelle vor kurzer Zeit noch nur sehr minderwertige Avatare produzierten, können sie heute ganze Spielfilme mit Deepfakes besetzen. Der chinesische Konzern Bytedance stellte vor kurzem sein neues KI-Tool Seedance 2.5 vor, mit dem Nutzer extrem realistische KI-Videos erzeugen können.

Anteil KI-bedingter Kündigungen steigt in den USA

Die Analystin Xu schätzt, dass China die Folgen KI-bedingter Jobverluste sogar besser eindämmen könnte als andere Länder, da die Regierung noch immer den Privatsektor stark beeinflussen und beispielsweise Einstellungsquoten einführen könnte. Anders sieht es in den USA aus: Dort erhalten Arbeitnehmer, die aufgrund von KI ihren Job verloren haben, bislang keinen rechtlichen Schutz, wobei KI immer häufiger als Kündigungsgrund angegeben wird. So zeigte eine Analyse der Beratungsfirma Challenger, Gray& Christmas Ende vergangenen Jahres, dass der Anteil KI-bedingter Kündigungen bei unter einem Prozent lag. Im Juni stieg dieser Wert jedoch auf etwa 31 Prozent an.

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Felix Schneider

Felix Schneider ist seit November 2024 bei Unternehmer.de. Nach seinem Studium der Buch- und Medienwirtschaft in Leipzig und einem ersten Exkurs in den Onlinejournalismus beim PRINZ-Magazin entschied er sich, in der Messestadt zu bleiben. Heute ist er SEO & Autor für Unternehmer.de, News.de und Qiez.de. Hier schreibt er vor allem über neue Technologien wie KI und gibt Insights in die Perspektiven der Gen Z. Auch auf X und LinkedIn zu finden.

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