Der Facebook-Mutterkonzern Meta und sein Gründer Mark Zuckerberg sehen sich mit einer massiven Urheberrechtsklage konfrontiert. Fünf bedeutende US-Verlage – Hachette, Macmillan, McGraw Hill, Elsevier und Cengage – haben gemeinsam mit dem Bestseller-Autor Scott Turow („Aus Mangel an Beweisen“, 1987; „Die Bürde der Wahrheit“, 1990) am Dienstag eine Sammelklage bei einem Bundesgericht in Manhattan eingereicht. Die Kläger bezeichnen das Vorgehen des Tech-Giganten als „einen der massivsten Verstöße gegen das Urheberrecht der Geschichte“. Der Vorwurf wiegt schwer: Meta soll Millionen geschützter Bücher und wissenschaftlicher Artikel von bekannten Piraterieseiten heruntergeladen haben, um damit sein KI-Sprachmodell Llama zu trainieren. Besonders brisant: Die Klage richtet sich nicht nur gegen den Konzern, sondern auch gegen Zuckerberg persönlich. Dieser habe die Rechtsverletzungen eigenhändig genehmigt und aktiv vorangetrieben.
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Bewusste Entscheidung gegen legale Lizenzierung
Laut der „New York Times“ bedienten sich Metas Ingenieure gezielt bei berüchtigten Piraterieportalen wie „LibGen“, „Sci-Hub“ und „Anna’s Archive“. Über diese Plattformen luden sie Raubkopien von Büchern und Fachartikeln herunter, um verschiedene Versionen des Llama-Sprachmodells zu trainieren. Die Entscheidung für diesen Weg sei keineswegs zufällig gefallen. Meta habe zunächst Lizenzvereinbarungen mit großen Verlagen in Betracht gezogen, diese Strategie jedoch im April 2023 aufgegeben.
Die Frage, ob man künftig lizenzieren oder auf Raubkopien setzen solle, sei direkt an Zuckerberg herangetragen worden. Dieser habe den Darstellungen der Kläger nach sein Team angewiesen, die Lizenzbemühungen einzustellen. Zusätzlich soll der Konzern Urheberrechtshinweise von den Werken entfernt haben, um die Herkunft des Trainingsmaterials zu verschleiern.
Llama gibt Training mit geschützten Werken selbst zu
Die Klageschrift führt bemerkenswerte Belege an, die direkt vom KI-System stammen sollen. Als Llama aufgefordert wurde, einen Reiseführer im Stil der Autorin Becky Lomax zu verfassen, lieferte das Programm eine überzeugende Nachahmung ihrer charakteristischen Stimme. Auf die Nachfrage, woher diese Fähigkeit stamme, antwortete die KI laut Klage: „Ich wurde mit einer großen Menge an Textdaten trainiert, einschließlich ihrer veröffentlichten Werke.“
Auch bei Scott Turows Thriller „Presumed Innocent“ bestätigte Llama demnach, mit einer digitalen Version des Buches trainiert worden zu sein. Die Folgen für den Buchmarkt seien bereits spürbar: KI-generierte Werke würden Amazon regelrecht überfluten und von Menschen geschriebene Bücher verdrängen. Ein Nutzer habe mit einer einzigen Eingabe ein 100 Kapitel langes Buch erstellt. Die Kläger sprechen von einer handfesten Krise für die gesamte Branche.
Prominente Autoren unter den Betroffenen
Die Liste der mutmaßlich geschädigten Schriftsteller liest sich wie ein Who’s Who der amerikanischen Literaturszene. Neben Turow selbst nennt die Klageschrift unter anderem die Werke von James Patterson, Donna Tartt sowie den früheren US-Präsidenten Joe Biden. Auch zwei frisch gekürte Pulitzer-Preisträger – Yiyun Li und Amanda Vaill – gehören zu den betroffenen Autoren. Weitere in der Klage erwähnte Werke stammen von V.E. Schwab, N.K. Jemisin und Lemony Snicket.
Turow bezeichnete Metas Vorgehen gegenüber der „New York Times“ als „schamloses, schädigendes und ungerechtes Verhalten“. Er finde es bestürzend und empörend, dass einer der zehn reichsten Konzerne der Welt wissentlich Raubkopien seiner Bücher verwendet habe. Die Kläger verlangen Schadensersatz sowie eine gerichtliche Anordnung, die Meta zur Vernichtung sämtlicher illegal beschaffter Kopien verpflichtet. Zudem soll der Konzern alle rechtswidrigen Aktivitäten einstellen.
Meta setzt auf aggressive Verteidigung
Der Konzern kündigte an, sich entschlossen gegen die Vorwürfe zu wehren. Ein Sprecher erklärte gegenüber der „New York Times“, dass KI bahnbrechende Innovationen und Kreativität für Einzelpersonen und Unternehmen vorantreibe. Gerichte hätten bereits festgestellt, dass das Training von KI-Systemen mit urheberrechtlich geschütztem Material unter die Fair-Use-Doktrin fallen könne.
Für Meta ist die juristische Auseinandersetzung kein Neuland. Im Juni 2025 gewann der Konzern einen ähnlichen Prozess gegen 13 namhafte Autoren. Allerdings betonte der zuständige Richter damals ausdrücklich, dass dieser Sieg nicht bedeute, Metas Vorgehen sei rechtmäßig gewesen – die Kläger hätten lediglich nicht ausreichend Beweise für eine Marktschädigung vorgelegt. Im Herbst 2025 hatte der KI-Konkurrent Anthropic die bislang höchste Summe von 1,5 Milliarden Dollar an Autoren gezahlt.
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