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„Resist and Unsubscribe“ lautet die Kampagne, mit der Podcaster, Ökonom und Marketingprofessor Scott Galloway die Tech-Konzerne gegen Donald Trump aufbringen will. Der Plan ist simpel: Konsumenten werden dazu aufgerufen, ihre Abonnements bei Unternehmen wie Amazon, OpenAI oder Netflix zu kündigen. Diese, so Galloway, würden Trumps Politik bislang mittragen oder – schlimmer noch – die US-Einwanderungsbehörde ICE direkt durch ihre Infrastruktur unterstützen. Enthalten Konsumenten den Unternehmen gezielt ihr Geld vor, geraten diese unter Druck – und müssten sich zwangsläufig gegen Trump wenden. Soweit der Plan – doch was bringt ein Boykott tatsächlich? Wo wird noch protestiert und welchen Schaden können Konsumentenproteste bei den Unternehmen anrichten?

Mehr Infos rund um Finanzen, Wirtschaft und mehr findest du am Ende dieses Beitrags.

Worum geht es bei „Resist and Unsubscribe“?

Galloway geht es im Kern um die sogenannten „Magnificent Seven“. Gemeint sind die sieben Unternehmen, die aktuell allein ein Drittel des gesamten S&P500 ausmachen. Dieser ist der Index der 500 derzeit erfolgreichsten US-Unternehmen. In Galloways eigenen Worten: „Wenn Verbraucher ihre Ausgaben für Kosmetika reduzieren und dadurch der Umsatz von L’Oréal um 2 % sinkt, macht das keinen Unterschied. Wenn der Umsatz von OpenAI um 2 % sinkt, macht das einen Unterschied.“

Je mehr Menschen Services wie Netflix deabonnieren oder gar nicht erst neue Abos abschließen, desto schlechter wird der Kurs dieser Unternehmen an der Börse bewertet. Das sorgt nicht nur bei den Unternehmen selbst für Ärger, sondern auch bei Aktionären beziehungsweise Stakeholdern im Allgemeinen. So könnten die Unternehmen dann zu der Feststellung gelangen: Wer die radikal autoritäre Politik der aktuellen US-Regierung unterstützt, schadet sich wirtschaftlich selber.

Dollar Votes: Politische Macht der Konsumenten

Inwiefern können Bürger aber wirklich politische Macht über ihre ökonomischen Entscheidungen ausüben? Der neoliberale Wirtschaftstheoretiker Milton Friedman sagt dazu: In der Marktwirtschaft „stimmen“ Menschen tagtäglich ab – mit ihrem Geld. Jeder Kauf ist eine Entscheidung, jeder Nicht-Kauf ist eine Entscheidung. So beeinflussen Verbraucher mit ihrem „Dollar Vote“ direkt, was produziert wird und was verschwindet. Während Dollar Votes im Normalfall individuelle Entscheidungen sind, handelt es sich bei Boykotten um gebündelte Stimmen. Dabei bedarf es keiner Mehrheit, um wirtschaftlichen Schaden anzurichten, wodurch auch Minderheiten Einfluss nehmen können.

Kurzum: Eine kollektive Entscheidung zum Nicht-Kauf ist ein politisches Signal, mit dem Konsumenten Einfluss auf Unternehmensentscheidungen nehmen können. Es reicht Galloway zufolge nicht, allein auf direkte politische Akteure Einfluss zu nehmen. Denn: Beschlüsse und Richtlinien bringen wenig, insofern die Trump-Administration noch immer in der Verantwortung der Umsetzung dieser Richtlinien sei. Galloway will stattdessen den Mechanismus der „Marktabstimmung“ nutzen, um das politische Verhalten über wirtschaftliche Konsequenzen zu beeinflussen. Und die Konsequenzen könnten enorm sein. Laut Zahlen der Kampagne wurden bereits mehr als 215 Millionen Dollar Verlust an Marktkapitalisierung erzielt.

Welche Wirkung können Boykotte haben?

Die Wirksamkeit von Boykotten lässt sich auch am historischen Beispiel festmachen. 1955 kam es in den USA zum Busboykott von Montgomery, nachdem die schwarze Bürgerrechtlerin Rosa Parks sich geweigert hatte, für einen weißen Passagier ihren Platz zu räumen und in der Folge verhaftet wurde. Der Boykott dauerte mehr als ein Jahr an und führte dazu, dass die Segregation in Bussen für verfassungswidrig erklärt wurde. Die Entscheidung hatte durchaus einen ökonomischen Faktor.

Ein Blick auf aktuelle Boykotte zeigt allerdings auch, dass sich die Situation durchaus komplexer gestaltet als gedacht. Ein großes Problem: Unternehmen sind häufig für ihre großen Dachmarken bekannt – beispielsweise die Unternehmensgruppe Theo Müller, die vor allem für Milchprodukte der Marke „Müller“ bekannt ist. Wenn nun zum Boykott gegen Müller aufgerufen wird, wissen viele allerdings nicht, dass auch Marken wie Weihenstephan, Homann oder Landliebe zum Konzern gehören. Damit greifen viele Boykott-Teilnehmer bei der Suche nach Alternativen unwissentlich zu anderen Produkten des Konzerns.

Die Antwort nach der Frage „Was bringen Boykotte?“ ist also: Einiges – wenn sie richtig organisiert und Konsumenten ausreichend informiert sind. Allerdings sollten Verbraucher nicht vergessen, dass ihnen auch andere kollektive Werkzeuge für sozialen Umschwung zur Verfügung stehen. In Kombination mit Boykotten können diese den Effekt deutlich verstärken.

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