Der TikTok-Mutterkonzern ByteDance arbeitet derzeit an einem KI-Modell von enormem Ausmaß. Wie die „Financial Times“ berichtet, soll das System bis zu zehn Billionen Parameter umfassen – und damit eines der größten KI-Modelle weltweit werden. Zum Vergleich: Anthropics fortschrittlichstes Modell Mythos 5 wird von Branchenexperten auf etwa acht Billionen Parameter geschätzt. Das US-Unternehmen selbst veröffentlicht keine offiziellen Angaben zur Modellgröße. ByteDances neues System könnte Mythos 5 bei der Parameterzahl also nicht nur erreichen, sondern sogar übertreffen. Das Modell befindet sich laut dem Bericht noch in einer frühen Trainingsphase. Das sogenannte Pretraining dauert in der Regel zwischen drei und sechs Monaten. Anschließend würde das System feinabgestimmt und – sofern alles planmäßig verläuft – veröffentlicht. Die endgültige Größe steht noch nicht fest.
Mehr Beiträge zu künstlicher Intelligenz findest du am Ende dieses Artikels.
Dreimal größer als Chinas bisheriger Spitzenreiter
Mit zehn Billionen Parametern wäre ByteDances Modell mehr als dreimal so umfangreich wie das bislang größte chinesische KI-System. Diesen Titel hält derzeit Kimi K3 vom Pekinger Entwickler Moonshot mit 2,8 Billionen Parametern. Auch Alibabas jüngst vorgestelltes Modell Qwen3.8-Max liegt mit 2,4 Billionen Parametern deutlich darunter.
Branchenkenner gehen davon aus, dass mehrere chinesische Labore aktuell Modelle in der Größenordnung von Anthropics Fable 5 trainieren, das auf rund fünf Billionen Parameter geschätzt wird. ByteDance verfolgt dabei die ambitioniertesten Ziele. Allerdings ist die reine Parameterzahl kein verlässlicher Gradmesser für die tatsächliche Leistungsfähigkeit eines Modells. Ebenso entscheidend sind die Qualität der Trainingsdaten, die eingesetzten Trainingsmethoden sowie die Effizienz der zugrunde liegenden Architektur.
Zhang Yiming setzt auf Eigenständigkeit statt Abkürzungen
ByteDance verfolgt bei der Modellentwicklung einen bewusst unabhängigen Weg. Der Konzern verzichtet seit mehr als einem Jahr auf die sogenannte Modelldestillation – ein Verfahren, bei dem ein kleineres Modell trainiert wird, indem es das Wissen und die Ausgaben eines größeren Systems nachahmt. Einige Beobachter sehen darin einen Grund für das langsamere Entwicklungstempo im Vergleich zur Konkurrenz.
Gründer Zhang Yiming hält dennoch an dieser Strategie fest. Bei einem internen Treffen vor rund zwei Wochen forderte er sein Seed-Team laut „Financial Times“ dazu auf, langfristig „weltweit führende Modellfähigkeiten“ anzustreben, ohne sich von kurzfristigen Rückständen verunsichern zu lassen. Nach Überzeugung der ByteDance-Führung kann nur eine eigenständige Entwicklung ohne Anleihen bei anderen Laboren letztlich zu einem Modell führen, das die Konkurrenz übertrifft.
Kimi K3 fordert US-Labore mit offenem Modell heraus
Während ByteDance auf geschlossene Entwicklung setzt, geht der chinesische Konkurrent Moonshot den entgegengesetzten Weg. Dessen Modell Kimi K3 steht seit dieser Woche weltweit kostenlos zum Download bereit – bei einer Dateigröße von 1,56 Terabyte. Technisch wird es als vergleichbar leistungsfähig mit den Systemen von OpenAI und Anthropic eingestuft, soll dabei aber deutlich weniger Rechenleistung benötigen.
Auf der Benchmark-Plattform Artificial Analysis rangiert Kimi K3 im Intelligence Index direkt hinter den Spitzenmodellen von Anthropic und OpenAI. In bestimmten Bereichen liegt es nur knapp hinter Anthropics Fable 5 zurück. Für Unternehmen senkt die Kombination aus freier Verfügbarkeit und geringerem Ressourcenbedarf die Einstiegshürden erheblich. Statt auf proprietäre Schnittstellen angewiesen zu sein, können Teams das Modell direkt in eigene Systeme einbinden. Der Open-Source-Ansatz verschärft damit den Wettbewerbsdruck auf die etablierten US-Anbieter.
ByteDance investiert aggressiver als jeder andere chinesische Techkonzern
Hinter ByteDances KI-Offensive steht eine breit angelegte Strategie. In China betreibt der Konzern mit Doubao die meistgenutzte KI-Anwendung des Landes – monatlich greifen mehr als 324 Millionen Menschen darauf zu. Im Bereich Videogenerierung zählt das jüngste Modell Seedance 2.5 zu den fortschrittlichsten Systemen weltweit.
Das für die Modellentwicklung zuständige Seed-Team umfasst rund 2.000 Mitarbeiter in China und im Ausland. Geleitet wird es von Wu Yonghui, dem früheren Vizepräsidenten für Forschung bei Google DeepMind. Zum Team gehören neben Kernforschern auch Infrastrukturingenieure, Datenlabeler und Übersetzer.
In den vergangenen drei Jahren hat ByteDance laut „Financial Times“ mehr in künstliche Intelligenz investiert als jeder andere große chinesische Technologiekonzern. Der Ausbau der Rechenzentren wird vorangetrieben, zudem verfolgt das Unternehmen Pläne zur Entwicklung eigener KI-Chips.
Mehr zu ähnlichen Themen rund um KI findest du hier:
- KI-Manipulation: Wie Unternehmen mit Reddit-Kommentaren die KI-Suche gezielt manipulieren
- Nimmt der KI-Hype wieder ab? Darum ziehen jetzt Unternehmen die Reißleine
- Kompetenzen veralten durch KI: Warum Weiterbildungen immer wichtiger werden
- Verlage klagen: Meta soll Raubkopien für KI-Training genutzt haben
- KI-Agent Jadepuffer startet einen Ransomware-Angriff – und verliert prompt den Schlüssel





This actually ties in nicely with the idea of a seamless user experience—no downloads or sign-up walls. If you’re managing…
thanks for sharing
Glauben Sie, dass durch KI gestützte Phishing-Angriffe Online-Betrug schwerer erkennbar machen werden?