Seit etwa zwei Monaten erfasste Meta sämtliche Mausbewegungen und Tastatureingaben seiner Mitarbeiter – ursprünglich sollten die Daten für das Training der hauseigenen KI genutzt werden. Nun zeigt sich: Die Vorkehrungen zum Schutz der Daten scheinen mangelhaft gewesen zu sein. Verschiedenen Berichten zufolge sollen sensible Daten von Mitarbeitern auch für andere Mitarbeiter einsehbar gewesen sein. Meta bestätigte die Sicherheitslücke, versicherte aber: Ein unbefugter Zugriff durch Mitarbeiter habe nicht stattgefunden. Man gehe den Vorwürfen dennoch nach und habe das Tracking in der Zwischenzeit wieder auf Eis gelegt.
unternehmer.de zu Google hinzufügenBei den offengelegten Daten soll es sich neben den reinen Eingaben der Mitarbeiter auch um private Unterhaltungen, Leistungsbewertungen und Transkripte der Angestellten gehandelt haben. Intern wurde der Vorfall als „SEV 2“ klassifiziert – auf einer Skala von eins bis fünf entspricht dies dem zweitschwersten Schweregrad.
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Überwachungssoftware seit April im Einsatz
Das Tracking-Programm hatte Meta im April dieses Jahres eingeführt. Die Software erfasste sämtliche Mausbewegungen, Klicks und Tastatureingaben auf den Rechnern der US-Mitarbeiter. Diese Daten sollten dazu dienen, die KI-Modelle des Konzerns zu verbessern, indem sie menschliches Verhalten erlernten. Für den Großteil der Belegschaft war die Teilnahme an dem Programm verpflichtend. Das sorgte bereits vor dem Datenleck für erheblichen Unmut unter den Beschäftigten.
Viele fühlten sich unwohl dabei, dass ihre Aktivitäten am Arbeitsplatz aufgezeichnet wurden. Nach wochenlangen Protesten hatte Meta Anfang Juni Anpassungen vorgenommen. Die Tracking-Software wurde für mehr Datenschutz überarbeitet, zudem erhielten Mitarbeiter die Möglichkeit, die Datenerfassung für jeweils 30 Minuten zu pausieren.
Meta bestreitet unbefugten Datenzugriff
Unternehmenssprecherin Tracy Clayton bestätigte die laufende Untersuchung des Vorfalls gegenüber dem Tech-Magazin „Wired„. „Wir haben dieses Programm sorgfältig unter Berücksichtigung von Datenschutzvorkehrungen konzipiert“, erklärte sie. Obwohl dem Konzern derzeit keine Hinweise auf unrechtmäßigen Zugriff durch Mitarbeiter vorlägen, werde das Programm vorübergehend ausgesetzt.
Die Abschaltung erfolgt allerdings nicht sofort. Laut Clayton wird die Aussetzung schrittweise umgesetzt und benötige einige Zeit, bis sie für alle Nutzer greife. Eine Quelle berichtete gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass das Tool am Montagnachmittag noch immer Daten aufzeichnete. Wie lange das Tracking-Programm pausiert bleibt, ließ Meta offen. Der Konzern betonte lediglich, dass nur wenige Ingenieure aufgrund strenger Zugriffskontrollen Zugang zu den Rohdaten hätten – eine Darstellung, die interne Dokumente jedoch in Frage stellen.
Nicht die erste Sicherheitslücke bei Meta
Die Belegschaft zeigt sich verärgert über den mangelhaften Schutz ihrer Daten. „Ich bin stinksauer“, schrieb ein Angestellter am Montag in einer internen Diskussionsgruppe. Besonders frustrierend sei, dass die Absicherung nicht den ursprünglichen Zusagen entsprochen habe. Ein weiterer Mitarbeiter wies darauf hin, über seinen Arbeitsrechner auch persönliche Steuer- und Gesundheitsdaten abgerufen zu haben. Man habe ihm versichert, diese Informationen würden geschützt und nur nach strenger Filterung für legitime Geschäftszwecke verwendet.
Der Vorfall ist nicht der erste Sicherheitsvorfall beim Konzern in jüngster Zeit. Erst im vergangenen Monat ermöglichte eine Schwachstelle im KI-Chatbot die Übernahme mehrerer Instagram-Konten. Im März hatte zudem ein außer Kontrolle geratener KI-Agent einen schwerwiegenden Zwischenfall verursacht, bei dem sowohl interne Daten als auch Daten von Nutzern für mehr als zwei Stunden für unautorisierte Mitarbeiter offenstanden.
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