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Das jahrzehntelang gültige Versprechen, dass sich Leistung auszahlt, verliert seine Gültigkeit. Viele Menschen erleben, dass Einsatz, Disziplin und Verantwortung kaum noch zu Wohlstand führen. Gleichzeitig hat sich auf der anderen Seite das Verständnis verfestigt, dass man auch ohne Einsatz weiterkommt. Die Folge ist eine kollektive Entwertung von Arbeit, Verlässlichkeit und Verantwortung. Die Leistungsgesellschaft verliert ihre Basis, und mit ihr gerät ein zentrales Fundament unserer wirtschaftlichen Ordnung ins Wanken.

Die Entkopplung von Erfolg und Verantwortung

Die Entkopplung von Leistung und Gegenwert ist kein abstraktes gesellschaftliches Phänomen. Es manifestiert sich direkt in den Unternehmenskulturen und destabilisiert die Führungsebenen. Dieser Bruch mündet unweigerlich in einer Führungskrise.

Ein Blick auf die Realität zeigt: Viele Führungskräfte sind in der heutigen Geschäftswelt orientierungslos. Die heutige Wirklichkeit mit ihren Unwägbarkeiten, die in immer schnellerer Taktung auf die Führung einprasseln, hat nichts mehr mit der planbaren Welt zu tun, in der sie ihre ersten Erfahrungen gesammelt haben. Wachstum wird nicht mehr verwaltet oder errechnet. Es ist ein hartes Geschäft in umkämpften Märkten, angetrieben von der Geschwindigkeit, mit der Künstliche Intelligenz (KI) unsere Welt disruptiert.

Die Gallup-Studie von 2023 bestätigt diese Schieflage. Ein großer Teil der Führungskräfte ist für die aktuellen Herausforderungen nicht geeignet.

Der Konflikt der Mindsets

Gleichzeitig kollidiert diese verlorene Orientierung der Führung mit einem radikal geänderten Mindset der Mitarbeiter. Der gesellschaftliche Gesamttrend folgt einer ich-bezogenen Selbstverwirklichung und sucht den persönlichen Wohlfühl-Kokon. Die Bereitschaft zur Mehrleistung sinkt, denn die Mitarbeiter erleben, dass sich Leistung nicht mehr zwingend auszahlt . genau das nährt die kollektive Entwertung von Arbeit.

Führung muss darauf mit hohem und breitem Fachwissen reagieren. Sie braucht echte Skills in der Menschenführung, Rückgrat, Haltung, Planungs- und Umsetzungsskills sowie, um auch das überbeanspruchte Modewort zu bedienen, wahre Resilienz. Das hat nicht jeder. Vor allem nicht jeder, der unter leichten Grundkonditionen erfolgreich war.

Müdigkeit als Unternehmensrisiko

Diese neue Müdigkeit verändert die Unternehmenskultur nachhaltig. Für die übergeordnete Führung – seien es Vorgesetzte, Inhaber oder Stakeholder – ist es hochwichtig, die Müdigkeit schnell zu erfassen, einzuordnen und entsprechend zu handeln. Warten löst die Situation nicht auf. Ein müder Kapitän ist sicherlich nicht die ideale Besetzung auf der Kommandobrücke.

In der Zusammenarbeit mit Führungskräften und Teams zahlt sich ein Mix aus bilateraler Offenheit, Klarheit und Konsequenz positiv aus. Mit gegenseitiger Offenheit und aktivem Zuhören, auch über die direkten Führungsebenen hinaus, wird ein klares Bild der Situation gewonnen. So können Standpunkte transparent kommuniziert werden. Klare Anforderungen und Maßnahmen machen die Ansprüche des Unternehmens und an die jeweiligen Rollen messbar.

Was nun folgen muss, ist die Umsetzung echter Führung, von Change- und People-Management. Die hier erforderlichen feinen Antennen kann nachträglich nachrüsten.

Souveränität ist die Kernaufgabe

Wirtschaftlicher Druck und ständige Veränderungsprozesse gehören inzwischen zum Alltag. Mehr noch, sie nehmen an Geschwindigkeit zu. So hart es klingt: Eine Führungskraft muss damit umgehen können. Das schnelle Adaptieren an neue Situationen ist eine Kernkompetenz.

Mitarbeiter sind selbst mit dem wirtschaftlichen Druck und Ängsten vor Veränderungen konfrontiert. Sie müssen erwarten können, dass etwas passiert, was ihre Rolle erfordert: klare Führung. Die Kernaufgabe der Manager ist die Umsetzung von “Manus Agere” . an die Hand nehmen und leiten. Führungskräfte müssen diesem Druck gewachsen sein, um führen zu können.

Um Motivation und Verantwortungsbereitschaft wieder zu stärken, hilft nur eine Maßnahme: Souveränität an den Tag legen, Entscheiden und Umsetzen. Wie sähe es denn aus, wenn die Mannschaft mitten im Sturm fragend den sichtlich nervösen Kapitän ansieht und er sagt, er wisse nicht, was zu tun sei. Gerade in Krisensituationen braucht es Führung, die mit Souveränität beginnt.

Es ist notwendig, sich vom Schwarz-Weiß-Modell der richtigen oder falschen Entscheidungen zu trennen. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen zweckmäßig und unzweckmäßig, schnell oder weniger schnell umsetzbar, mehr oder weniger sicher zielführend. Steht das Team in unbekanntem Gelände und eine Lawine rast auf es zu, ist es unzweckmäßig, einfach stehen zu bleiben. Bevor Angst und Panik aufkommen, braucht es eine souveräne Stimme, die schnell und klar eine Richtung vorgibt . beispielsweise ein Sprung nach rechts.

Renaissance der starken Führung

Es sind weniger neue Führungsmodelle gefragt, sondern eine Renaissance klassischer Modelle mit moderner Adaption. Gerade jetzt braucht es starke Führung – nicht patriarchalisch, sondern mitnehmend, aber klar, offen, direkt und konsequent.

Besonders in Zeiten schnellen Wandels braucht es schnelle Entscheidungen durch die Führung – aber nicht autokratisch, sondern in schneller, eng geführter und auf das Ziel ausgerichteter Kommunikation und Prozessen. Ein schnelles Umfeld braucht schnelle Reaktionen. Es braucht den Mut zu raschen Entscheidungen, Mut zum Risiko und den Mut, weniger zweckmäßige Entscheidungen schnell einzufangen und zu korrigieren.

Das wiederum braucht eine effiziente, durchlässige Kommunikation, damit Learnings schnell transportiert, Ideen entwickelt und umgesetzt werden können. Es geht um Haltung und Handeln.

Hartwig Görtler

Hartwig Görtler ist ein international erfahrener Executive Interim Manager mit über 30 Jahren Berufserfahrung, spezialisiert auf Turnaround, Restrukturierung und Wachstum im Mittelstand. Seine Zeit als Offizier der Fallschirmjägertruppe und als Leistungssportler prägte seinen klaren, direkten Führungsstil: schnelles Erfassen, strategisches Handeln und kompromisslose Umsetzung. Als passionierter Jäger und Falkner setzt er sich aktiv für Artenvielfalt ein und wurde für sein Engagement mehrfach ausgezeichnet. BVMid Top Interim Manager 2024, Mitglied im Wirtschaftsbeirat Bayern und Experte im Club AMERITUM. Seine Credos: „Machen ist wie wollen. Nur krasser.“, „Probleme erkennen, Lösungen erarbeiten – und Platz für nachhaltige Entwicklung machen.“

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