Der deutsche Online-Glücksspielmarkt ist groß und weiterhin in Bewegung. Im zweiten Quartal 2026 wurden bei den von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) erfassten länderübergreifenden Glücksspielarten online 3,112 Milliarden Euro eingesetzt. Damit liegt das Volumen weiterhin auf einem hohen Niveau. Für ein Unternehmen, das neu in den deutschen Markt eintreten möchte, stellt sich deshalb eine konkrete Frage: Wie viel Raum ist dort tatsächlich noch vorhanden?

Wo das Geld tatsächlich eingesetzt wird

Die Spieleinsätze konzentrieren sich auf wenige Kategorien. Im zweiten Quartal 2026 entfielen 1,711 Milliarden Euro auf Online-Sportwetten und 1,214 Milliarden Euro auf virtuelle Automatenspiele. Zusammen machen diese beiden Bereiche den weit überwiegenden Teil der von der GGL erfassten Online-Spieleinsätze aus. Online-Poker und Pferdewetten im Internet liegen deutlich darunter.

Auch die Entwicklung ist nicht in allen Kategorien gleich. Während Sportwetten und virtuelle Automatenspiele das Marktvolumen prägen, fallen Poker und Internet-Pferdewetten deutlich kleiner aus. Für die Gründungsfrage ist deshalb zunächst festzuhalten: Online-Glücksspiel bezeichnet keinesfalls einen einheitlichen Markt, sondern mehrere Segmente mit unterschiedlichen Größenordnungen und Rahmenbedingungen.

Der regulierte Markt ist inzwischen der größere Teil

Wie groß der regulierte Teil des Online-Geschäfts ist, lässt sich anhand einer im März 2026 veröffentlichten Studie der GGL einordnen. Für die untersuchte Marktsituation des Jahres 2024 ermittelte die Untersuchung einen Anteil von 77,03 Prozent für regulierte beziehungsweise legale Angebote. Auf nicht regulierte Online-Glücksspiele entfielen 22,97 Prozent.

Die Untersuchung zeigt, dass legale Angebote inzwischen den deutlich größeren Teil des Online-Glücksspiels ausmachen. Ein relevanter nicht regulierter Bereich besteht dennoch weiter. Wer ein Online Casino in Deutschland gründen möchte, trifft also auf zahlreiche Anbieter, die bereits am Markt aktiv sind.

Eine aktuelle Momentaufnahme des regulierten Angebots liefert die amtliche Whitelist der GGL. Sie führt Veranstalter und Vermittler auf, die über eine Erlaubnis oder Konzession nach dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 verfügen. Erfasst werden unter anderem Sportwetten, virtuelle Automatenspiele, Online-Poker und Internet-Pferdewetten. Die Whitelist gibt einen Überblick über den regulierten Anbietermarkt. Sie umfasst Veranstalter und Vermittler verschiedener Glücksspielarten und wird regelmäßig aktualisiert. Die Marktanteile der einzelnen Unternehmen weist sie nicht aus. 

Die Regulierung bestimmt das Geschäftsmodell

Wer in Deutschland öffentliches Glücksspiel veranstalten oder vermitteln möchte, braucht dafür eine entsprechende Erlaubnis. Für Online-Poker und virtuelle Automatenspiele ist seit 2023 die GGL zuständig. Sie übernimmt sowohl die Erlaubniserteilung als auch die laufende Aufsicht. Für die einzelnen Glücksspielarten gelten eigene Antrags- und Nachweisverfahren. 

Auch der laufende Betrieb ist an konkrete Vorgaben gebunden. Online-Anbieter müssen unter anderem persönliche Spielkonten führen, die Identität ihrer Kunden überprüfen, sich an LUGAS anschließen und die gesetzlich vorgesehenen Spielerschutzmaßnahmen umsetzen. Dazu gehören ein anbieterübergreifendes Einzahlungslimit, der Abgleich mit OASIS und ein automatisiertes System zur Früherkennung gefährdeten Spielverhaltens. Für die Erlaubniserteilung sind zudem unter anderem IT-, Vertriebs-, Geldwäsche-, Wirtschaftlichkeits- und Zahlungsabwicklungskonzepte vorzulegen.

Für eine Neugründung ist damit von Beginn an ein umfangreicher regulatorischer Rahmen zu berücksichtigen.

Gegen wen würde ein Newcomer antreten?

Die aktuelle Whitelist zeigt neben kleineren Gesellschaften auch bekannte internationale Marken. Unterschiede gibt es dabei nicht nur bei Größe und Marktpräsenz, sondern auch bei den Konditionen. Im BingBong Online Casino sind Einzahlungen zum Beispiel ab 1 € möglich, während der Branchendurchschnitt bei 10 € bis 20 € liegt. Hierdurch sind die Konditionen anfängerfreundlich.

Ein Blick auf einzelne Unternehmen macht zudem deutlich, dass ein neuer Anbieter auf Akteure mit langjähriger Marktpräsenz treffen würde. Darunter sind Unternehmen, die bereits seit den 2000er-Jahren im deutschen Sportwetten- und Online-Gaming-Geschäft aktiv sind und neben ihren Online-Angeboten auch ein umfangreiches stationäres Vertriebsnetz betreiben. 

Daneben sind international tätige Glücksspielgruppen auf dem deutschen Markt vertreten. Einer der großen europäischen Konzerne weist beispielsweise mehr als 35 Marken und Aktivitäten in 30 Märkten aus. Solche Unternehmensgruppen verbinden den deutschen Markt mit weiteren regulierten Glücksspielmärkten und verfügen über entsprechend breit aufgestellte Geschäftsstrukturen.

Damit zeigt sich eine Anbieterlandschaft, in der neben kleineren Gesellschaften auch Unternehmen mit langjähriger Erfahrung, zahlreichen Marken und internationaler Präsenz vertreten sind.

Internationale Lizenzstandorte

Der deutsche Markt ist zugleich in eine international geprägte Glücksspielbranche eingebettet. In der aktuellen GGL-Whitelist finden sich zahlreiche Anbieter mit Sitz in Malta – darunter auch Unternehmen, die in Deutschland über eine deutsche Erlaubnis verfügen. Ein Sitz oder eine Lizenz in Malta bedeutet dabei nicht automatisch eine Erlaubnis für den deutschen Markt; maßgeblich ist die deutsche glücksspielrechtliche Erlaubnis.

Malta bleibt auch 2026 ein wichtiger Standort für die internationale Online-Glücksspielbranche. Die Malta Gaming Authority meldete für 2025 17 genehmigte neue Glücksspiellizenzen und zehn genehmigte Verlängerungen. Für 2026 hat die Behörde ihre Aufsichtsschwerpunkte unter anderem auf Compliance, Spielerschutz und die Integrität von Sportwetten gelegt.

Auch Curaçao hat sein Lizenzsystem inzwischen grundlegend neu geordnet. Die dortige neue Glücksspielgesetzgebung LOK ist seit Dezember 2024 in Kraft und sieht ein eigenes Lizenzsystem für Online-Glücksspiel vor. Damit ist Curaçao weiterhin ein internationaler Lizenzstandort, aber unter einem reformierten regulatorischen Rahmen.

Was lässt sich daraus über die Sättigung sagen?

Die verfügbaren Daten ergeben kein eindeutiges Bild eines ausgeschöpften Marktes. Die Online-Spieleinsätze liegen weiterhin auf hohem Niveau, zugleich trifft ein neues Unternehmen auf einen regulierten Markt mit zahlreichen erlaubten Angeboten, verbindlichen technischen und organisatorischen Vorgaben sowie langjährig tätigen Anbietern. Hinzu kommt ein internationales Umfeld mit unterschiedlichen Lizenz- und Regulierungssystemen.

Von einer vollständigen Marktsättigung lässt sich daraus ebenso wenig sprechen wie von einem einfachen Markteintritt. Die Daten zeigen vielmehr einen großen, regulierten Markt mit bestehender Nachfrage und zahlreichen aktiven Anbietern.

Was bedeutet das für eine Neugründung?

Der deutsche Online-Glücksspielmarkt ist 2026 weder ein unbesetztes Feld noch ein Markt ohne Bewegung. Das Volumen ist groß, die wichtigsten Segmente werden intensiv genutzt, und die Regulierung hat einen eigenständigen legalen Markt geschaffen. Zugleich stehen neue Anbieter einem Umfeld gegenüber, in dem bereits zahlreiche Unternehmen aktiv sind.

Von einer vollständigen Sättigung kann deshalb kaum die Rede sein. Treffender ist das Bild eines reifen Marktes: Geschäftsmöglichkeiten bestehen weiterhin, doch ein neuer Anbieter muss sich in einen bereits regulierten und wettbewerbsintensiven Markt einfügen. Für eine Neugründung bedeutet das: Der Markt ist vorhanden – der Einstieg mit einem weiteren Standardangebot dürfte jedoch nicht leicht sein.

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