Als Existenzgründer hast du kein Geld zu verschenken – jeden Euro brauchst du für den Aufbau deines Business. Doch viele Gründer verschleudern Kapital, indem sie zu viele oder schlicht die falschen Policen abschließen. Schlimmstenfalls stellen sie im Ernstfall fest, dass sie trotz hoher Beiträge unterversichert sind. Es lohnt sich daher, genau zu vergleichen und Angebote einzuholen, die exakt auf dein Geschäftsmodell zugeschnitten sind. So trennst du die Spreu vom Weizen.

1. Krankenversicherung

Die Krankenversicherung ist in Deutschland Pflicht. Als Selbstständiger hast du jedoch die Wahl zwischen der gesetzlichen (GKV) und der privaten Krankenkasse (PKW).

  • Gesetzliche Kasse (GKV): Die Beiträge richten sich nach deinem tatsächlichen Einkommen (Gewinn). Für Gründer mit geringem Einkommen gibt es einen reduzierten Mindestbeitrag. Die GKV ist oft die bessere Wahl, wenn du Familie hast, da Kinder und nicht berufstätige Ehepartner meist kostenlos familienversichert sind.
  • Private Kasse (PKV): Hier hängen die Beiträge von deinem Alter und deinem Gesundheitszustand bei Eintritt ab, nicht vom Einkommen. Gerade für junge, gesunde Gründer ist das oft sehr günstig. Aber Achtung: Die Beiträge steigen im Alter. Ein Wechsel zurück in die gesetzliche Kasse ist extrem hürdenreich und ab dem 55. Lebensjahr so gut wie unmöglich.

Sonderfall: Wenn du dein Business erst einmal nebenberuflich gründest, kannst du oft über deinen Hauptjob krankenversichert bleiben. Das spart in der Startphase enorm viel Geld.

2. Altersvorsorge & Gesetzliche Rentenversicherung

Die gesetzliche Rentenversicherung ist nur für bestimmte Selbstständige Pflicht. Dazu gehören unter anderem Handwerker (in der Handwerksrolle), Hebammen, Künstler und Publizisten (über die KSK) sowie sogenannte „arbeitnehmerähnliche Selbstständige“, die im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind und selbst keine Mitarbeiter beschäftigen. Der aktuelle Beitragssatz liegt bei 18,6 % des Gewinns.

Alle anderen Gründer können freiwillig einzahlen oder die Altersvorsorge komplett privat organisieren. Da klassische, teure Rentenversicherungen oft magere Renditen abwerfen und hohe Gebühren verschlingen, setzen moderne Unternehmer heute verstärkt auf kostengünstige, breit gestreute ETF- und Fondssparpläne. Zwar trägst du hier ein gewisses Marktrisiko, langfristig ist die Renditechance jedoch deutlich höher.

3. Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gehört zu den wichtigsten privaten Absicherungen überhaupt. Wer als Selbstständiger wegen Krankheit oder Unfall nicht mehr arbeiten kann, bekommt vom Staat so gut wie keine Hilfe – die staatliche Erwerbsminderungsrente reicht hinten und vorne nicht.

Achte beim Abschluss unbedingt darauf, dass die Versicherung auf die sogenannte „abstrakte Verweisung“ verzichtet. Nur dann ist garantiert, dass du deine Leistung bekommst, wenn du deinen spezifischen Job nicht mehr ausüben kannst (und nicht darauf verwiesen wirst, dass du theoretisch noch als Pförtner arbeiten könntest).

Tipp bei Vorerkrankungen: Wenn dir eine BU wegen gesundheitlicher Vorrisiken verwehrt bleibt, schau dir Alternativen wie eine Grundfähigkeitenversicherung oder eine Dread-Disease-Versicherung (schützt gegen schwere Krankheiten wie Krebs oder Schlaganfall) an.

4. Freiwillige Arbeitslosenversicherung & Unfallschutz

Eine private Unfallversicherung ist zwar günstig und gilt weltweit, sie leistet aber eben nur bei Unfällen. Statistisch gesehen führen jedoch Krankheiten viel häufiger zur Berufsaufgabe. Sinnvoller kann eine freiwillige Mitgliedschaft in der für dich zuständigen Berufsgenossenschaft (BG) sein, die auch bei Berufskrankheiten einspringt.

Gründer-Bonus: Wenn du vor deiner Selbstständigkeit pflichtversichert warst (z. B. als Angestellter), kannst du dich innerhalb der ersten drei Monate nach der Gründung freiwillig in der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung weiterversichern. Der monatliche Beitrag ist überschaubar und sichert dir ein finanzielles Auffangnetz, falls das Business scheitert.

5. Betriebliche Haftpflichtversicherungen (Das absolute Must-have)

Eine Haftpflichtversicherung ist für jeden Unternehmer existenzsichernd. Je nach Branche brauchst du unterschiedliche Bausteine:

  • Betriebshaftpflicht: Sie deckt Personen- und Sachschäden ab. Also den klassischen Fall, dass ein Kunde in deinen Geschäftsräumen über ein Kabel stolpert und sich verletzt.
  • Vermögensschadenhaftpflicht (Berufshaftpflicht): Ein absolutes Muss für alle Berater, IT-Dienstleister, Agenturen oder Freiberufler. Wenn du einen Fehler machst (z. B. eine Frist versäumst, falsche Daten lieferst) und deinem Kunden dadurch ein echter finanzieller Schaden entsteht, schützt dich diese Versicherung vor dem Ruin. In einigen Berufen (wie bei Anwälten oder Steuerberatern) ist sie sogar gesetzlich vorgeschrieben.

6. Cyber-Versicherung (Hacker-Schutz)

Was früher die Rechtsschutzversicherung war, ist heute die Cyber-Versicherung. In einer digitalisierten Welt sind Cyber-Angriffe, Ransomware (Erpressungssoftware) und Datendiebstahl zu einer der größten Bedrohungen für den Mittelstand geworden. Eine gute Cyber-Versicherung fängt dich auf, wenn dein System lahmgelegt wird: Sie übernimmt die Kosten für IT-Forensiker, die Wiederherstellung von Daten, die Rechtsberatung bei DSGVO-Verstößen und im schlimmsten Fall auch den Ertragsausfall, während dein Business stillsteht.

7. Gewerbliche Sach- und Inhaltsversicherungen

Ob sich Policen wie eine Inhaltsversicherung (für Maschinen, Büroeinrichtung und Lagerware) oder eine Betriebsunterbrechungsversicherung lohnen, hängt ganz von deiner Ausstattung ab:

  • Als Dienstleister im Homeoffice reicht oft eine Erweiterung deiner privaten Hausratversicherung für den geschäftlichen Laptop.
  • Mit eigenem Lager, Werkstatt oder Ladenlokal solltest du dein Inventar gegen Feuer, Leitungswasser und Einbruchdiebstahl absichern.

Vermeide teure Spezial-Einzelpolicen (wie separate Glasbruch- oder Sturmversicherungen) und setze stattdessen auf modulare All-Risk-Gewerbepolicen, die die wahrscheinlichsten Risiken gebündelt und kostengünstig abdecken.

Simone Janson

Simone Janson ist Expertin für HR-Kommunikation und betreibt das Top-500-Blog http://www.berufebilder.de. Sie schreibt & schrieb u.a. für ZEIT, WELT, Wirtschaftswoche, t3n sowie W&V und war mehrfach in ARD-Sendungen u.a. als Expertin zum Thema Fachkräftemangel zu sehen. Seit anderthalb Jahrzehnten berät sie Unternehmen & Hochschulen in Öffentlichkeitsarbeit und zum Wandel der Arbeitswelt.

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5 Kommentare

  • DoTo² e. K., Inh. Ulrich Kiefer sagt:

    FTD, kompetent und salient.

  • Hermann Schuldt sagt:

    Danke für diesen Beitrag und für die Anregung! Viele Unternehmer vergessen Ihre Altersvorsorge (meist die Jungunternehmer ;-), aber das Alter kommt und ist unausweichlich (Thema: Altersarmut). Hier könnte ich allen Unternehmern ein tolles Konzept vorstellen, 100% rabattiert, d. h. es werden die monatlichen Beträge an jedem Monatsende erstattet, in dieser Zeitspanne werden die Gewinne erarbeitet…
    Dieses konzept ist einmalig in Europa (Mehr unter Tel.0228/5348585)

  • Winfried Kaune Dipl.-Kaufmann sagt:

    Die Betriebshaftpflichtversicherung ist zu unscheinbar dargestellt! Jeder haftet für „seine“ Schäden unbegrenzt, unabhängig vom EInkommen/Umsatz! Immer wichtiger ist die in vernünftigen BetrHaftVers beinhaltete Umwelt(schaden)Haftpflichtversicherung!
    Weiterhin muß der persönliche Verdienstausfall in Form einesKrankentagegeldes abgesicert werden!

  • Veronika Wedekind sagt:

    Sehr guter Beitrag.
    Ferner bietet sich die Möglichkeit als Existenzgründer diverse Rabatte auszuhandeln.
    Diverse Versicherungen bieten ein Existenzgründungspaket an.
    MFG
    V.O.M.A Office Management
    Tel. 04236.9430340

  • Manfred Biffar sagt:

    Sehr gut recherchiert, oft gibt es aber auch Komplettangebote die von der
    Umsatz oder Lohnsumme abhängig sind und die wesentlichen Firmen- Risiken abdecken.

    Für die GmbH oder AG macht es u.U Sinn für die Geschäftsführung eine Keyman – Absicherung abzuschliessen.

    Bei den Krankenversicherungen kann man an Beiträgen sparen wenn man eine möglichst hohe Selbstbeteiligung mit einschließt und die eingesparten Beiträge auf ein Tagesgeldkonto anlegt um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein.

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