Auch heute noch unterziehen sich viele Gründer einem knochenharten Ritus: 70-Stunden-Woche, endlos viele Meetings bis spät in die Nacht, ständige Erreichbarkeit. Die Startup-Szene romantisiert diese totale Selbstausbeutung nichtsdestotrotz. Wer nicht „hustlet“, der brennt offenbar nicht für seine Sache. Das Ergebnis: Ein Großteil derjenigen, die einst aus voller Überzeugung diese Anstrengungen auf sich genommen haben, endet beim Exit – oder auf dem Therapeutensofa. Während sie zwar beeindruckende KPIs aufweisen können, gehen sie innerlich auf dem Zahnfleisch. Höchste Zeit für ein Kontrastprogramm: Was wäre, wenn der beste Business-Rat nicht lautet, mehr, sondern radikal weniger zu tun? Auch mal „nein“ zu sagen und die eigenen Kapazitäten realistisch einzuschätzen? Wir stellen dir fünf Bücher vor, die zeigen, dass unternehmerischer Erfolg nicht von der perfekten To-Do-Liste abhängt, sondern von echter Resilienz.

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Mehr rund ums Thema Stressbewältigung findest du am Ende dieses Beitrags.

Oliver Burkeman: „4.000 Wochen“

4.000 Wochen – so viel Zeit hat ein Mensch, wenn er um die achtzig wird. Es ist also wenig verwunderlich, dass wir versuchen, diese Zeit so gut es geht zu nutzen und möglichst viel zu erledigen. Dabei kann es schnell passieren, dass wir aus den Augen verlieren, was wirklich wichtig ist und was uns glücklich macht. Autor Oliver Burkeman rechnet gnadenlos mit dem Drang ab, die To-Do-Liste unseres Lebens abarbeiten zu wollen. Er erinnert daran, dass es manchmal wichtiger sein kann, bestimmte Dinge eben nicht zu erledigen anstatt alles so effizient wie möglich zu erledigen. 4.000 Wochen zeigt: Niemand dankt dir die 70-Stunden-Woche. Lerne, das Unfertige auszuhalten.

Oliver Burkeman: 4.000 Wochen – Das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement; ISBN 978-3-492-05816-2

Jenny Odell: „Nichts tun“

Fakt ist: Wir leben in einer Aufmerksamkeitsökonomie, die Sinne und Geist verkümmern lässt. Zwischen Social Media, Nachrichten und der Arbeit bleibt wenig von unserer Aufmerksamkeit für die Dinge über, die eigentlich wichtig sind. Mit Nichts tun ruft Autorin Jenny Odell genau dazu auf: Radikal innezuhalten und unsere kostbare Freizeit nicht mehr einfach an die Verlockungen der Aufmerksamkeitsökonomie verschwenden. Stattdessen müssen wir schrittweise erlernen, über bewusste Formen des Nichtstuns wieder zu uns selbst zu finden.

Besonders für Gründer, die stets getrieben sind, kann das Buch als gesunder Realitätscheck verstanden werden. Echte Innovationen und kluge strategische Entscheidungen entstehen nicht im Dauereifer, sondern in Momenten der echten, ungestörten Ruhe und Konzentration.

Jenny Odell: Nichts tun – Die Kunst, sich der Aufmerksamkeitsökonomie zu entziehen; ISBN 978-3-406-76831-6

Brad Stulberg: „Master of Change“

Wandel ist unausweichlich – im Leben wie auf dem Markt. Autor Brad Stulberg stellt die Frage: Lässt du dich von dieser Realität überrumpeln oder machst du sie zu deiner Stärke? Mit Master of Change schlägt Stulberg statt starrer Ziele ein flexibleres Konzept vor: Robustheit versus Flexibilität. Er zeigt, wie man innere Stabilität aufbaut, während sich außen alles im Chaos befindet. Statt toxischem „Go big or go home“ lernst du hier, mit Anpassungsfähigkeit resilienter zu werden.

Egal ob soziale Disruptoren wie Rezessionen, Pandemien und neuen Technologien wie KI oder individuelle über persönliche Veränderungen im Leben wie eine Scheidung – nichts kann dich mehr aus der Fassung bringen. Wer als Gründer starr an einem Masterplan festhält, zerbricht daran. Wahre Stärke liegt in der Anpassungsfähigkeit – auch auf Kosten der eigenen Agenda.

Brad Stulberg: Master of Change – The Case for Rugged Flexibility; ISBN 9780063253179

Cal Newport: „Slow Productivity“

Produktives und nachhaltiges Arbeiten – ganz ohne Überlastung, Hektik und Burnout. Das verspricht Bestsellerautor Cal Newport (Deep Work) in seinem Buch „Slow Productivity“. Dabei analysiert er die Arbeitsgewohnheiten berühmter Denker wie Galileo, Isaac Newton, Jane Austen oder Georgia O’Keefe, um eine neue Denkweise der „langsamen Produktivität“ herauszuarbeiten.

Newport entlarvt die moderne „Pseudoproduktivität“ (ständige Mails, Slack-Nachrichten, Meetings) als Brandbeschleuniger für Erschöpfung. Als Gegenmittel schlägt er vor, wie in früheren Zeiten zwar langsamer, dafür aber tiefgreifender um im Rhythmus der eigenen Energie zu arbeiten.

Cal Newport: Slow Productivity – Effizienz ohne Überlastung; ISBN 978-3-86881-953-3

Dave Eggers: „Der Circle“

Zugegebenermaßen ein ungewöhnlicher Titel für diese Liste, aber kein bisschen weniger wichtig: Im Psycho-Horror Der Circle mutiert die Startup-Kultur des Silicon Valley zu einer waschechten Dystopie. Die Protagonistin Mae beginnt voller Enthusiasmus einen Job beim einflussreichen Tech-Giganten „Circle“ (Meta sieht dagegen wie ein kleines Startup aus!). Doch was als Traumjob beginnt, wird schnell zum Albtraum. Das Unternehmen prädigt radikale Offenheit und Transparenz. Mit Botschaften wie „Geheimnisse sind Lügen“ und „Teilen ist Heilen“ werden die Angestellten auf absolute Ehrlichkeit getrimmt. Dabei weicht der anfängliche Idealismus mehr und mehr sozialem Druck, ständiger Überwachung und der Forderung nach totaler Hingabe.

Der Circle ist die ultimative Warnung davor, was passiert, wenn die Startup-Mission zur Religion wird. Eggers zeigt den „Horror“ einer Kultur, in der die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verwischen und deren Einfluss auf das eigene Leben, die eigene Identität immer weiter wächst.

Dave Eggers: Der Circle; ISBN 9783462048544

Hier kannst du mehr zum Thema Stressbewältigung lesen:

Felix Schneider

Felix Schneider ist seit November 2024 bei Unternehmer.de. Nach seinem Studium der Buch- und Medienwirtschaft in Leipzig und einem ersten Exkurs in den Onlinejournalismus beim PRINZ-Magazin entschied er sich, in der Messestadt zu bleiben. Heute ist er SEO & Autor für Unternehmer.de, News.de und Qiez.de. Hier schreibt er vor allem über neue Technologien wie KI und gibt Insights in die Perspektiven der Gen Z. Auch auf X und LinkedIn zu finden.

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