„Generation Young“: Wie sie denkt und arbeitet [Rezension]

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Man sagt ihr nach, sie lebe im Luxus, habe schlechte Manieren, kenne keinen Respekt vor Autoritäten und diskutiere viel lieber als zu arbeiten. Die Rede ist – man wird es sich denken können – von der Jugend. Was sich anhört wie ein Klagelied aus unserer heutigen Zeit, entstammt tatsächlich einem Zitat von Sokrates. Offenbar hat die Jugend ihren Ruf über Jahrtausende hinweg hartnäckig bewahrt. Darauf macht auch Michael Lorenz in seinem neuen Buch „Generation Young“ aufmerksam, indem er seinen eigenen Beobachtungen zunächst Zitate von griechischen Philosophen der Antike voranstellt.

Natürlich: Damals wurde noch auf Stein oder Papyrus und nicht auf Tastatur oder Touchscreen geschrieben, aber das Gejammer über die nachfolgende Generation ist schlussendlich doch das gleiche geblieben. Vielleicht blickt der Autor gerade deshalb, wie er mehrmals betont, positiv in die Zukunft: Die Orientierungslosigkeit in der Jugend sei schließlich ganz normal, man müsse nur richtig damit umgehen. Damit spricht er insbesondere Führungskräfte ab etwa Mitte 30 an, die mit den Generationen X, Y und Z zusammenarbeiten (werden).

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Inhalt: Der uralte Generationenkonflikt

Wie es der Titel verspricht, handelt Lorenz‘ Buch von der Jugend. Es zielt darauf ab, deren Sichtweise auf Regeln, Hierarchien und Werte für den Leser begreiflich zu machen. Allerdings rät der Autor gleich im Vorwort davon ab, sein Buch zu lesen, wenn man selbst zu dieser Gruppe zählt. Seiner Einschätzung nach würden viele der angebrachten Beispiele jüngeren Menschen vermutlich „total strange“ erscheinen.

Allen Führungskräften und Arbeitgebern hingegen, die über Mitte 30 sind und die gelegentlich an den nachfolgenden Generationen verzweifeln, will das Buch eine gewisse Empathie entgegenbringen – und vor allem die notwendige Kompetenz im Umgang vermitteln. Es werden vor allem Fragen beantwortet wie:

  • Wer sind die Generationen X, Y und Z eigentlich?
  • Wie tickt die junge Generation?
  • Was erwarten sie von Arbeitgebern?
  • Wie bringt man sie an die Arbeit?

Provokativ stellt Lorenz aber zunächst die Frage in den Raum: Warum sollte ich mich als erfahrene Führungskraft überhaupt damit beschäftigen, was jüngere Menschen von Unternehmen erwarten? Ist es nicht so, dass sich der Bewerber nach den Vorstellungen des Arbeitgebers zu richten hat? Die Antwort des Autors lautet ganz klar: „Diese Zeiten sind vorbei“. Damit macht er auf eine grundverschiedene Auffassung von Arbeit aufmerksam, die im Sinne einer harmonischen und konstruktiven Zusammenarbeit zwischen den Generationen eines tieferen Verständnisses bedarf.

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Wichtig ist dem Autor nämlich vor allem, nicht nur die Gedankenwelt der jungen Generationen zu skizzieren, sondern auch die Hintergründe zu erklären, unter denen sie sozialisiert wurden und die sie zu denen gemacht haben, die sie heute sind. Gespickt mit Beobachtungen aus seinem eigenen Leben, die stellenweise sehr humorvoll formuliert sind, versucht sich Lorenz somit an einem Querschnitt, der aus seinen persönlichen Erfahrungen heraus eine allgemeinere Gültigkeit beansprucht. Freunde, Bekannte, Geschäftspartner und Familienangehörige kommen dafür anonym zu Wort, während über alldem Lorenz‘ Optimismus schwebt:

„Es ist nicht schlimm. Nur anders. lernen wir, miteinander zu arbeiten.“

Aufbau: Beobachtungen, Einflussfaktoren & Auswirkungen

Das Buch ist in insgesamt 11 Kapitel untergliedert. Nach einer kurzen Info über den Autor und einem sehr persönlichen Vorwort folgen die ersten Beobachtungen, in denen Lorenz seine eigene Jugend reflektiert. In den vier nachfolgenden Kapiteln werden die zentralen Einflussfaktoren „Erziehung“, „Umwelt“ und „Schule“ genauer beleuchtet. Der Leser soll anhand mehrerer Erfahrungsberichte verstehen, was die Jugend von heute prägt und welche Auswirkungen sich daraus ergeben.

Das sechste Kapitel widmet sich dann der Frage, wer diese Generationen X, Y und Z sind, worin sie sich konkret unterscheiden und ob eine Einteilung nach Generationen überhaupt sinnvoll ist. Im siebten Kapitel beschreibt der Autor, was junge Menschen heutzutage und künftig von ihrer beruflichen Tätigkeit erwarten. Mit diesem Wissen gewappnet, werden in den Kapiteln 8 und 9 die Auswirkungen dieses Wandels praxisnah analysiert – sowohl für Organisationen, als auch für das Führungsverhalten des Einzelnen. Nach einem Schlusswort und der abschließenden Empfehlung: „Always look on the bright side“ endet das Buch mit einem Literatur- und Quellenverzeichnis.

Preis & Information

Generation Young: Wie sie denkt. Wie sie arbeitet

Taschenbuch: 204 Seiten
Verlag: BusinessVillage, 19. März 2019
Preis: 19,95 €

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Über den Auor

Michael Lorenz ist Managementberater, Trainer und Coach bei der grow.up. Managementberatung GmbH. Seit 1988 berät er nationale und internationale Kunden in Fragen der Strategie, der Personalentwicklung und der Management-Diagnostik. Schwerpunkte seiner Arbeit liegen in der Begleitung und Moderation von strategischen Neuausrichtungs- und Umstrukturierungsprozessen sowie in der Ausrichtung von internen Servicebereichen.

Fazit: Humor und Ernst

Mit einem überschaubaren Umfang und knappen Kapiteln, die nie länger als 3 bis 4 Seiten lang sind, ist das Buch schnell und einfach gelesen. Inmitten der authentischen Erfahrungsberichte fühlt man sich als Leser der Thematik sehr nahe. Regelmäßig eingestreute Grafiken und Tabellen sowie groß gedruckte Zitate, die einen immer wieder schmunzeln lassen, sorgen zudem für eine angenehme Auflockerung.

„Ich bin unzufrieden mit dem Job. Es gibt immer noch keinen Eistee. Obwohl ich schon zweimal gesagt habe, ich möchte Eistee.“

Eine Praktikantin

Das Bucht besticht vor allem durch seine gelungene Mischung aus Humor und fundierter Analyse. Stets hat man das Gefühl, dass Lorenz uns mit einem Augenzwinkern durch seine Berichte führt und dass sich der ach so gefürchtete Generationenkonflikt bereits mit einer gesunden Portion Gelassenheit entschärfen lässt. Bei einem Buch, das für den Brückenschlag zwischen den Generationen plädiert, wäre es allenfalls noch wünschenswert gewesen, die ein oder andere Sichtweise aus den Reihen der jüngeren Generationen zu vernehmen. Es erzählt der Vater, der Lehrer, der Projektleiter. Doch diejenigen, um die es geht, kommen kaum zu Wort.

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