Mehr Umweltbewusstsein, Pflicht zur Recyclingfähigkeit von Verpackungen und generell weniger Verpackungsmüll – die neuen EU-Verpackungsregeln sollen das nun umsetzen. Doch der Preis für die Nachhaltigkeit könnte höher sein, als bislang angenommen. Denn: Für Händler bringen die neuen Regeln eine gewaltige Bürokratie- und Kostenwelle mit sich. Viele haben bereits angekündigt, ihren Versand ins EU-Ausland zu stoppen. Zu den neuen Regeln der Verpackungsverordnung EU 2025/40 gehören nämlich neben dem Fokus auf Nachhaltigkeit bei der Wahl der Verpackungen auch die Pflichten der erweiterten Herstellerverantwortung. Dazu gehört unter anderem auch, in jedem belieferten EU-Mitgliedsstaat einen dort ansässigen Bevollmächtigten zu benennen, der die EPR-Pflichten („Extended Producer Responsibility“, deutsch: erweiterte Herstellerverantwortung) gegenüber Behörden und Entsorgungssystemen wahren soll. Eine Mindestgrenze an Lieferungen gibt es nicht – schon wenige Lieferungen können also dazu führen, dass ein bevollmächtigter Repräsentant vorhanden sein muss.

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Händler müssen in jedem EU-Land Müll anmelden

Nicht ohne Grund ziehen immer mehr Händler beim grenzüberschreitenden Versand nun die Reißleine. Wer verpackte Waren direkt an Endkunden in andere EU-Länder verschickt, gilt im Zielland rechtlich als Erzeuger/Innenverkehrbringer dieser Verpackung. Ein zentrales EU-Register gibt es nicht – obwohl es sich um einheitliches EU-Recht handelt, bleiben die Registrierungs- und Lizensierungssysteme für Verpackungsmüll national. Bedeutet: Händler müssen ihre Verpackungen nicht nur im eigenen Land, sondern theoretisch in allen 27 EU-Ländern einzeln registrieren, melden und Gebühren zahlen. Damit kommen jede Menge bürokratischer Aufwand und hohe Kosten auf die Händler zu.

Hohe Kosten und zu viel Bürokratie

Der größte Knackpunkt für viele Beschäftigte dürfte allerdings ein anderer sein: Die Vorgabe, in jedem Zielland einen lokalen Bevollmächtigten zu ernennen. Dieser muss sich für die Einhaltung der Verpackungspflichten vor Ort verantwortlich zeigen. Diese Regelung gilt bereits ab dem ersten Paket – für Kleinst- oder Mikrobetriebe gibt es keine Ausnahme. Betroffen sind also sowohl der große Kleiderhändler als auch die Künstlerin, die ihre Werke online verkaufen möchte. Auch in den sozialen Medien sorgt diese Regelung daher für Aufregung.

Ein Vertreter kostet pro Zielland oftmals mehrere hundert Euro im Jahr – selbst, wenn es sich um einen kleinen Shop handelt, der pro Jahr nur wenige Pakete ins das jeweilige Land versendet. Versendet dieser Händler zudem gleich in fünf oder sechs EU-Länder, können schnell fixe Zusatzkosten von mehreren tausend Euro entstehen.

Umweltverbände finden die Verordnung nicht streng genug

Wer die Registrierungs- und Meldepflichten im jeweiligen EU-Ausland nicht akkurat erfüllen kann, der riskiert empfindliche Bußgelder und kostenintensive Abmahnungen durch Verbände oder Mitbewerber. Für viele kleine Unternehmen wie Manufakturen, Nischen-Shops oder Spezialitätengeschäfte ist der Aufwand damit unrentabel geworden. Die notgedrungene Lösung: Sie beschränken ihren Versand vorerst auf den Heimatmarkt.

Große Konzerne können diese Fixkosten und die juristische Beratung problemlos zentral stemmen. Händlerverbände kritisieren daher, dass die Verordnung den freien Binnenmarkt für KMU faktisch einschränkt und Großkonzerne bevorzugt. Für Unternehmen wie Amazon, Zalando und Co. entstehe damit ein unfairer Wettbewerbsvorteil.

Interessant: Während Händler bemängeln, dass die neuen Richtlinien unnötigen Mehraufwand und Kosten verursachen würden, kritisieren Umweltverbände, dass viele Einweg-Verpackungen – etwa aus Pappe und Papier – weiterhin erlaubt bleiben, obwohl auch deren Herstellung ressourcen- und energieintensiv ist. Durch Lobbying seien zudem Ausnahmen für bestimmte Branchen und Materialien geschaffen worden, was aus ökologischer Sicht die Wirkung der Verordnung schwäche.

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Felix Schneider

Felix Schneider ist seit November 2024 bei Unternehmer.de. Nach seinem Studium der Buch- und Medienwirtschaft in Leipzig und einem ersten Exkurs in den Onlinejournalismus beim PRINZ-Magazin entschied er sich, in der Messestadt zu bleiben. Heute ist er SEO & Autor für Unternehmer.de, News.de und Qiez.de. Hier schreibt er vor allem über neue Technologien wie KI und gibt Insights in die Perspektiven der Gen Z. Auch auf X und LinkedIn zu finden.

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