Ob bei Gesundheitsfragen, der Entscheidung, zu welchem Restaurant man gehen soll oder bei beruflichen E-Mails: Junge Menschen nutzen KI für immer mehr Aufgaben in Ihrem Alltag. „Sie treffen keine wichtigen Lebensentscheidungen mehr, ohne ChatGPT vorher um Rat zu fragen, was sie tun sollen“, erklärte OpenAI-Chef Sam Altman jüngst. „Das Tool hat den vollen Kontext über jede Person in ihrem Leben und worüber sie gesprochen haben.“ Das hat gravierende Auswirkungen auf ihre emotionale Intelligenz – und damit auch auf ihre Fähigkeit, miteinander zu kommunizieren. Leena Rinne, Vizepräsidentin für Leadership, Business, und Coaching bei der Tech-Plattform Skillsoft berichtet gegenüber „Fortune“ von einem Fall, in dem eine junge Angestellte kryptische Nachrichten von ihrem Managers erhielt. Da sie eine KI hinter der Nachricht vermutete, ließ sie diese mithilfe eines Chatbots entziffern. Prompt schlug die KI eine automatisierte Antwort vor. Wenig später realisierte die Angestellte, dass sie ihre KI gerade mit der ihres Chefs kommunizieren ließ.
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Emotionale Intelligenz verkümmert wegen Social Offloading
Unter Experten ist dieser Trend auch als „Social Offloading“ bekannt. Während „Cognitive Offloading“ das Delegieren von mental anstrengenden Aufgaben an Maschinen und automatisierte Abläufe meint, werden beim Social Offloading menschliches Urteilsvermögen, Courage und Empathie an die KI abgeladen. Dies, so erklärt Rinne, könnte potenziell die Entwicklung junger Führungskräfte einschränken. Im Fall der jungen Frau, die Rinne von ihrem Fall erzählte, kommunizierten plötzlich nur noch zwei KIs miteinander. Was macht das mit der emotionalen Intelligenz?
„Wenn ich die KI ständig frage, wie ich meinem Chef antworten soll, lerne ich nicht wirklich, wie ich mit meinem Chef umgehen kann. Ich lerne nicht, wie ich eine Beziehung zu meinem Chef aufbaue“, so Rinne. Nicht, dass die KI schlechte Ratschläge gebe. Das eigentliche Risiko dabei sei, dass Menschen so nicht lernen können, selbst mit emotionaler Intelligenz umzugehen. Gleichzeitig sorgt der Abbau mittlerer Führungsebenen dafür, dass Coachings und Mentoring ausbleiben. Die Folge: Wir verlernen, wie wir unsere Kommunikation auf der Arbeit gestalten.
Menschliche Fähigkeiten sind gefragt
Laut Rinne würden Unternehmen den Wert von Unterstützung bei der beruflichen Entwicklung junger Menschen deutlich unterschätzen. „Ich glaube, es herrscht die Annahme, dass sie als ‚digitale Kinder‘ für das Tempo des Wandels gewappnet sind oder sich bereits gut zurechtfinden können“, erklärt die Expertin. Dadurch würden Junior-Mitarbeiter nur selten ausreichend geschult werden – und entwickeln weniger häufig ein gutes Urteilsvermögen. Das würde wiederum den Wettbewerbsvorteil junger Mitarbeiter schmälern. Gerade in Zeiten von KI seien menschenzentrierte Kompetenzen ein entscheidend.
Eine Studie des World Economic Forums, basierend auf Daten der Lernplattform Coursera, zeigt: Kurse zu typischen menschlichen Fähigkeiten wie kreatives Denken, Resilienz, Empathie und Neugier befinden sich im Wachstum. Kompetenzfelder wie Mathematik oder Sprachen hingegen schwächeln. Während menschliche Fähigkeiten lange als „Soft Skills“ nur wenig Förderung erhielten, werden sie nun zur Grundlage für beruflichen Erfolg.
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