So gut wie jeder hat wahrscheinlich schon mindestens einmal im Arbeitsleben mit jemanden zu tun gehabt, der für seine Karriere wirklich alles tut – ohne Rücksicht auf Verluste. In der Psychologie werden Menschen, die sich etwa im Job durch solch skrupelloses Verhalten auszeichnen, auch „Machiavellisten“ genannt. Der Begriff entstammt dem italienischen Philosophen Niccolo Machiavelli, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein „Handbuch“ für Fürsten verfasste, das diesen zeigen sollte, wie sie ihre Macht sichern und ausbauen können. Heute müssen Machiavellisten nicht zwingend Fürsten sein – auch der Kollege, der sich etwa eine bessere Position sichern möchte, kann sich machiavellistisch verhalten. Ein Forscherteam der Universität Trier hat diese Art Menschen näher untersucht und dabei festgestellt, dass ihr Verhalten oftmals einen Aufstieg in Führungspositionen begünstigt.
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Rücksichtslosigkeit zahlt sich oftmals aus
Die beim wissenschaftlichen Fachverlag Sage Journals veröffentlichte Analyse zeigt: Machiavellistische Persönlichkeitszüge können die Wahrscheinlichkeit, ins Management aufzusteigen, im Vergleich zu Menschen ohne diese Charaktereigenschaften um 31 Prozent erhöhen. „Beförderungen basieren oft nicht nur auf produktiver Leistung, sondern sind ein Wettbewerb unter Kollegen. Sabotage oder die Verweigerung von Kooperation können die eigenen Chancen also verbessern“, so Uwe Jirjahn, einer der Autoren der Studie.
Laut den Forschern sei das allerdings nicht zwangsläufig ein Indikator dafür, dass schlechte Charakterzüge grundsätzlich hilfreich dabei sind, die Karriereleiter zu erklimmen. So steigern etwa Narzissmus und Psychopathie, die anderen zwei Drittel der sogenannten „Dunklen Triade“ der Persönlichkeitspsychologie, die Karrierechancen nicht. „Narzissten und Psychopathen handeln impulsiver, denken kurzfristiger und verschleiern ihr unethisches Verhalten schlechter“, erklärt Co-Autor Mehrzad Baktash.
Für Unternehmen können solche Führungskräfte schädlich sein
Gleichzeitig mahnen die Autoren, dass die Ergebnisse keine Rückschlüsse darauf erlauben, ob Menschen in Führungspositionen pauschal als Machiavellisten einzuordnen sind. Den Autoren zufolge könnten auch Merkmale wie Extrovertiertheit, Bildung und Geschlecht die Chancen für einen Aufstieg begünstigen. Dennoch ist der Charaktertyp des Machiavellisten in allen Führungsebenen weit verbreitet. „Der Machiavellismus-Score bei Managern ist 14,5 Prozent größer als bei Nicht-Managern“, so Jirjahn. „Dabei können wir ausschließen, dass es der Posten ist, der die Menschen erst machiavellistisch werden lässt.“
Für Unternehmen sind solche Führungskräfte allerdings ein ernstzunehmendes Problem, warnen die Autoren. Denn: Sie brechen oftmals Versprechen, nutzen Angestellte aus und halten ethische Standards nur ein, insofern diese ihren persönlichen Zwecken dienen. Das schade der Zufriedenheit der Angestellten – und damit letztlich auch dem Unternehmen. Gegenmaßnahmen könnten den Forschern zufolge unter anderem ein Abbau exzessiver Belohnungskultur sein, mehr Mitbestimmung der Belegschaft durch Vorgesetztenbeurteilungen und Betriebsräte. Zudem sollte der Wettbewerb bei Beförderungen deutlich verringert werden, um ein Klima zu verhindern, in dem es vorteilhaft wirkt, nur auf sich zu achten.
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