Geschwister und Job: Prägt uns die Beziehung noch im Berufsleben?

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Geschwister und Job: Prägt uns die Beziehung noch im Berufsleben?
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Geschwister und Job – wie hängt das zusammen? Die Beziehung zu Bruder oder Schwester ist wohl eine der längsten Verbindungen, die wir im Leben eingehen können. Geschwister lösen intensive Gefühle in uns aus: Sie beschützen uns, nerven uns und stehen uns in schlechten Zeiten bei. In der Kindheit lernen Geschwister unheimlich viel voneinander: Wie man miteinander teilt und Kämpfe ausfechtet zum Beispiel. Oder wie es ist, sich die Aufmerksamkeit der Eltern teilen zu müssen.

Doch wusstest du, dass die Beziehung zu den Geschwistern uns nicht nur in der Kindheit stark beeinflusst? Die Verbindung zu unseren Geschwistern prägt uns ein Leben lang: Sie hat Auswirkungen auf unsere Persönlichkeit und nicht zuletzt auf unser Berufsleben und unseren individuellen Karriereweg.

In diesem Ratgeber stelle ich dir 3 Gründe vor, warum die Beziehung zu Geschwistern einen gewissen Einfluss auf das Berufsleben hat.

Konkurrenzdenken unter Geschwistern

Geschwister sind Schicksalsgemeinschaft und Reibungsfläche zugleich. Psychologen haben bereits vor vielen Jahren herausgefunden, dass das Verhältnis zu unseren Geschwistern Einfluss darauf hat, wie wir uns im Berufsleben verhalten und welchen Job wir überhaupt ergreifen.

Doch was ist der Grund dafür? Konkurrenzdenken erlernen wir bereits in der Kindheit, durch bestimmte Verhaltensmuster, die wir mit unseren Geschwistern „einüben“. Im Berufsleben greifen wir auf diese einstudierten Verhaltensmuster ganz unbewusst zurück.

Der Hamburger Kinderpsychiater Michael Schulte-Markwort bestätigt das ebenfalls. Er geht davon aus, dass bereits als Kind durch unsere Geschwisterbeziehungen festgelegt wird, wie wir später im Beruf mit anderen rivalisieren. Das Konkurrenzdenken ist vor allem bei gleichgeschlechtlichen Geschwistern und Kindern mit einem sehr geringen Altersunterschied stark ausgeprägt. Geschwister sind also zunächst einmal unsere Rivalen.

Zwar ist das Verhältnis zu Bruder und Schwester in der Kindheit oftmals von Rivalität und Konkurrenzkampf geprägt, allerdings helfen uns Geschwister auch, wertvolle soziale Kompetenzen herauszubilden. Geschwisterbeziehungen stärken die eigene Konfliktfähigkeit und den Zusammenhalt untereinander. Bruder und Schwester müssen häufig bereits früh lernen – oft schon vor dem Kindergarten – wie sie sich mit einer anderen Person arrangieren.

Geschwister erwerben in der Kindheit häufig Fähigkeiten, die auch später im Berufsleben von Bedeutung sind, wie:

  • Kompromissfähigkeit
  • Solidarität
  • Loyalität
  • Durchsetzungsvermögen

Mit all diesen Fähigkeiten im Gepäck, genießt man im Berufsleben zahlreiche Vorteile. Wer bereits in der Kindheit gelernt hat, Streitigkeiten beizulegen, ist als Arbeitnehmer vermutlich deutlich konfliktfähiger. Was natürlich nicht bedeuten soll, dass Einzelkinder nicht ebenfalls konfliktfähig sein können bzw. diese Fähigkeit nicht auch erlernen können.

War die Beziehung zu den Geschwistern von starken Konkurrenzkämpfen geprägt, zum Beispiel weil der Altersunterschied weniger als 18 Monate beträgt, kann dies natürlich auch Spuren im Berufsleben hinterlassen: So suche ich mir in der Arbeit vielleicht gezielt Menschen, mit denen ich konkurrieren kann. War die Beziehung hingegen harmonischer, werde ich auch im Berufsleben viel dafür tun, damit das Arbeitsklima harmonisch bleibt.

„Die Nischentheorie“ oder die Abgrenzung zu unseren Geschwistern

Doch wie lernen wir nun, uns gegen unsere Geschwister erfolgreich durchzusetzen? Viele Kinder legen da eine ganz gute Strategie an den Tag: Sie suchen sich unbewusst eine Nische.

Wenn also die große Schwester gerne liest und Geschichten schreibt, wird sich die kleine Schwester eher nicht dafür interessieren und sich etwas suchen, das die große Schwester noch nicht besetzt hat – wie etwa Tanzen oder Malen.

Geschwister grenzen sich also klar voneinander ab, um sich besser durchsetzen zu können. Kinder sichern sich so, einen eigenen Platz bei den Eltern – diese Vorgehensweise ist taktisch sehr schlau.

Doch bestimmte Talente laufen so auch Gefahr, unterzugehen: Häufig entscheiden sich zum Beispiel musikalische Kinder nicht dafür, ein Instrument zu erlernen, weil der große Bruder bereits eines spielt. Diese Talente werden dann häufig erst im Erwachsenenalter entdeckt, wenn bereits eine bestimmte Berufswahl getroffen wurde.

Die Abgrenzung zu unseren Geschwistern wirkt sich also entscheidend auf unsere Berufswahl aus. Wir wollen uns abgrenzen und suchen höchstwahrscheinlich auch einen komplett anderen Job als die Geschwister.

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Frühe Verantwortung

Eine besonders beliebte Theorie geht auf den Psychologen Frank Sulloway zurück: Er sagt, dass ältere Geschwister häufig einen konservativen Beruf ergreifen, während jüngere Geschwister eher einen kreativen Beruf wählen.

Erstgeborene seien tendenziell konservativer und wollen sich dem Rollenbild, das die Eltern vorgeben, anpassen. Das jüngere Kind ist oft rebellischer und kreativer. Doch ganz so einfach ist es nicht: Nur weil jemand Erstgeborener ist, wird er nicht automatisch einen konservativen Beruf ergreifen. Und nur weil jemand das jüngste Geschwisterkind ist, heißt das noch lange nicht, dass es einen kreativen Beruf ausüben wird. Was hier nicht außer Acht gelassen werden darf, ist wie Geschwister diese Geburtenfolge selbst erleben. Der Platz in der Geburtenfolge ist nicht alleinig ausschlaggebend.

Kennst du das selbst noch? Deine Eltern wollten, dass du deinen kleinen Bruder mit zu Freunden nimmst? Oder solltest du auf das kleine Geschwisterchen aufpassen, während die Eltern weg sind? Viele Eltern geben die Verantwortung für das jüngere Geschwisterkind bereits früh an den/die Erstgeborene/n ab. Jetzt stellt sich die Frage, wie sich deine Eltern dabei verhalten haben und wie du diese Verantwortung erlebt hast.

Wer sich als Ältester/Älteste häufig gezwungen fühlte, auf die kleinen Geschwister aufzupassen, hat vermutlich einen Job mit weniger Verantwortung gewählt. Wer hingegen stolz auf die jüngeren Geschwister aufgepasst und es geliebt hat, sich um diese zu kümmern, hat vielleicht sogar einen Job mit Personalverantwortung gewählt oder strebt eine Führungsposition an.

Das Fazit

In dem einen Moment kümmern sie sich liebevoll umeinander und im anderen Moment sind sie sich spinnefeind: Geschwister. Einerseits lernen wir unheimlich viel von ihnen und andererseits möchten wir uns unbedingt von ihnen abgrenzen.

Die Beziehung zu unseren Geschwistern ist in der Regel die am längsten andauernde Beziehung in unserem Leben und prägt uns wie keine andere. Sie hat nicht nur Einfluss auf unsere Persönlichkeit, sondern auch auf unsere Berufswahl und wie wir uns im Job verhalten. Wer die Beziehung zum eigenen Bruder / zur eigenen Schwester in der Kindheit näher beleuchtet, wird schnell Parallelen zum jetzigen Berufsleben ziehen können.

Corina Schomaker
Corina Schomaker ist Kauffrau in der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft und Diplom-Freizeitwissenschaftlerin. Sie ist Mentorin und Expertin für Working Moms mit Kleinkindern. Sie unterstützt andere Frauen in die Sichtbarkeit durch PR zu gelangen, um den Traum von Familie, Kind und Business hin zu mehr ME und WE Quality time zu leben.

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