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SaaS-Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind nicht gerade offen, wenn es um wichtige Angaben wie Serverwahl, -Standort und Cloud-Sicherheit geht. Das ist eine zentrale Kernaussage aus einer kürzlich erstellten Studie des Cloud- und Green-IT-Spezialisten Yorizon. Demnach informierten lediglich 6 Prozent der 163 untersuchten Unternehmen vollumfänglich. Selbst, wer nicht ebenfalls in diesem Segment operiert, sollte durch derartige Zahlen hellhörig werden. Denn mangelnde Transparenz ist ein Problem vieler Branchen – und kann deshalb zu einem massiven Markenvorteil werden, wenn man es richtig und vor allem konsequent angeht.

Zwischen Phrasen und Halbwahrheiten

Sämtliche Märkte sind heutzutage umkämpft. Selbst wer das Glück hat, einen echten Blue Ocean zu entdecken, bleibt in der Regel nicht lange konkurrenzlos.

Die untersuchten Firmen zeigen ein klares Beispiel dafür, wo das Grundproblem in der heutigen Kommunikation liegt:

  1. Von allen Unternehmen nutzen gerade einmal 7 Prozent Transparenzdaten als prominentes Trust-Signal. Beim großen Rest bleibt es Interessenten überlassen, auf eigene Faust mehr oder weniger umfangreich zu recherchieren.
  2. Die Angaben sind in den meisten Fällen wenig detailliert, wodurch sich der Informationsgehalt deutlich reduziert. Zudem machen viele informierende Häuser nur Dinge transparent, die sie selbst in einem vorteilhaften Licht erscheinen lassen.

Die harten Zahlen mögen zwar nur für die DACH-SaaS-Branche gelten. Was aber die generellen Defizite anbelangt, fallen viele andere Branchen ebenso darunter – selbst weit jenseits der IT.

Das zeigt sich immer wieder in Umfragen und Untersuchungen. Viele Kunden (B2B und B2C gleichermaßen) und potenzielle Partner beklagen eine Schieflage: Zu viele reine Marketing-Phrasen und unglaubwürdige Versprechungen, zu wenige harte Fakten und offene Informationspolitiken. Ein umfangreiches Problem – das allerdings für viele Unternehmer eine große Chance sein kann, wenn sie es geschickt nutzen.

Wie Transparenz beim Gegenüber wirkt

Manche Führungskräfte denken beim Thema Transparenz automatisch daran, wie Konkurrenten diese Offenheit ausnutzen könnten. Andere nehmen vielleicht an, ein allzu weit offenes „Visier“ könne eigene Marketingbestrebungen ungewollt entlarven.

Derartigen Denkmustern seien zunächst zwei Dinge entgegengestellt:

  1. Transparente Informationen  Öffentliche Betriebsgeheimnisse: Es geht stets nur darum, Dinge sichtbar zu machen, die für Kunden (und ggf. Bewerber) von Interesse sind und welche diese sowieso erhalten. Informationen also, die nichts mit echten Betriebsgeheimnissen zu tun haben.
  2. Wenn Marketing die Wahrheit verzerrt, ist es schlechtes Marketing. Eine offene Informationspolitik ist nichts anderes als Werbung mit belastbaren, verifizierbaren Daten. Der einzige echte Unterschied: Hier wird nichts geschönt oder für eine bessere Eigendarstellung weggelassen.

Es geht um nicht weniger als die Verwendung von Transparenz, um sein Haus gegenüber weniger informativen Konkurrenten positiv hervorzuheben. Genauer:

  1. Die Offenheit sorgt für Glaubwürdigkeit. Glaubwürdigkeit wiederum ist eine unverzichtbare Voraussetzung für Vertrauen. Was mitunter sehr teure Werbebudgets und komplexe Strategien erfordert, lässt sich durch die Offenlegung relevanter Daten erheblich einfacher, wahrscheinlich günstiger und stärker straighforward erzielen.
  2. Vertrauen bedeutet Sicherheit. Sicherheit wiederum steht kunden- und partnerseitig für einen Abbau von Hemmnissen, die einer Kooperation im Weg stehen könnten. Besonders wichtig für Neukunden, da diese noch keine Chance hatten, das Unternehmen in der Praxis kennenzulernen. Ferner sorgt das Vertrauen für mehr Resilienz und „Readiness“ gegenüber zukünftig verschärften Transparenzvorgaben.
  3. Die Märkte sind gesättigt. Jeder einzelne Teilnehmer versucht, sich und sein Produkt als die beste Lösung darzustellen. Diese Reizüberflutung an Marketing-Slang hat ebenfalls viele Menschen übersättigt. Viele wünschen sich Unternehmen, die „weniger reden“, sondern harte Daten darlegen – ohne Schönfärberei.

Das Thema Alleinstellungsmerkmal rückt in den Vordergrund. Denn wo branchenübergreifend viele Unternehmen nach wie vor informative Zurückhaltung üben und Marketing-Phrasen verwenden, kann derjenige, der es radikal anders macht, aus der breiten Masse positiv hervorstechen.

Transparenz praktisch umsetzen

Transparenter zu werden, ist keinesfalls nur eine Marketing-Masche. Es kann in vielen Häusern bedeuten, generell eine deutlich veränderte Politik zu betreiben – angefangen in der Führungsetage. Schematisch betrachtet lassen sich die Schritte folgendermaßen visualisieren:

  1. Informationen eruieren: Man kann zwar vieles offenlegen, aber nicht alles ist für Kunden und Partner von Interessen. Daher wird festgelegt, welche Fakten transparent gemacht werden müssen. Ziel sollte es sein, möglichst viel zu informieren, ohne jedoch durch eine zu hohe Informationsdichte den Überblick zu verschleiern.
  2. Klare Sprache statt Buzzwords nutzen: Worte wie „innovativ“, „marktführend“ oder „nachhaltig“ sind längst austauschbar und beliebig. Transparenz setzt deshalb auf nüchterne Fakten: „35 Prozent Energie einem Jahr eingespart“, „seit 2023 vollständig in Deutschland produzierend“. Merke: Alles muss nachprüfbar sein.
  3. Fehler eingestehen, korrigieren und Ziele setzen: „Nobody is perfect“. Doch nur transparente Unternehmen zeigen ehrlich, wo sie realistisch stehen, wo sie Nachholbedarf haben – und signalisieren durch klare Ziele, dass sie stets besser werden möchten.
  4. Zahlen und Fakten aufbereiten: Niemandem nützen seitenlange Tabellen etwas; besonders nicht potenziellen Kunden, die einige klare Facts suchen. Transparenz bedeutet ebenso, mit seinen Informationen starke Signale auf Startseite und Co. zu setzen – und die wichtigsten Daten attraktiv visualisiert und schnell erfassbar bereitzustellen.
  5. Das Thema zur Chef- und Firmensache machen: Offene Informationen dürfen nicht nur nach außen so aussehen. Sie müssen auch innerhalb des Hauses durch Zuständige, Schulungen und regelmäßige Audits in der Firmenphilosophie verankert werden.
  6. Kunden und Partner einbinden: Das bedeutet das Einbeziehen für Entwicklungen und Entscheidungsprozesse. Außerdem ein stets erschöpfendes und ehrliches Beantworten von Fragen und Rückfragen. Immer bedenken: Schnelle, umfassende und konkrete Informationen stehen in sämtlichen Kulturkreisen für Kompetenz.

Mit anderen Worten: Transparenz darf kein Selbstzweck sein. Sie muss vielmehr ein strategisches Instrument sein, das eine ganze unternehmerische Grundhaltung ausdrückt. Tenor: „Unsere Konkurrenten reden nur, wir liefern Fakten!

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