Wenn du als Werbetreibender wissen willst, in welchen Regionen Deutschlands deine Marke Nachholbedarf hat – und dort direkt eine Kampagne starten möchtest – liefert Amazon ab sofort ein neues Marketing-Tool dafür. Das Tool Geographic Insights and Activation (GIA) ist seit Kurzem auch hierzulande verfügbar und verbindet regionale Marktanalyse mit unmittelbarer Kampagnensteuerung. Konkret siehst du auf einer interaktiven Karte, wie deine Marke in verschiedenen Gebieten im Vergleich zur jeweiligen Produktkategorie abschneidet. Regionen mit schwacher Marktdurchdringung lassen sich anschließend direkt als Zielgebiete für Werbekampagnen über Amazons Demand-Side-Plattform (DSP) aktivieren. Deutschland reiht sich damit in eine Liste von neun Märkten ein – darunter die USA, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien, Kanada, Australien und Japan.

unternehmer.de zu Google hinzufügen

Mehr News und Tipps rund um Marketing findest du am Ende dieses Beitrags.

So funktioniert GIA: Von der Karte zur Kampagne

Die Grundlage bilden Amazons eigene Handelsdaten, die mit geografischen Informationen der Werbetreibenden verknüpft werden. In der Kartenansicht vergleichst du die Performance deiner Marke mit Kategorie-Benchmarks und erkennst so, wo Wachstumspotenzial besteht. Gebiete mit niedriger Marktdurchdringung lassen sich zu sogenannten intelligenten Standortgruppen zusammenfassen. Auf dieser Basis passt die Amazon DSP die Kampagnengebote automatisch an – Werbebudget fließt also verstärkt dorthin, wo die Daten ungenutztes Potenzial signalisieren.

Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichem Geo-Targeting: Analyse und Kampagnenaktivierung sind direkt miteinander verzahnt. Du musst Erkenntnisse nicht erst manuell in eine separate Planung überführen. Wer darüber hinaus die Amazon Marketing Cloud (AMC) einsetzt, kann zusätzlich eigene Daten einbringen – etwa regionale Verkaufszahlen oder Vertriebsgebiete – und die Aussteuerung noch stärker an den eigenen Geschäftszielen ausrichten.

Erste Ergebnisse: Was L’Oréal und Purina berichten

Dass das Konzept in der Praxis funktionieren kann, zeigen zwei Referenzfälle, die Amazon zum Start präsentiert. L’Oréal hat GIA bereits in Deutschland für die Marke Kérastase eingesetzt und Displayanzeigen gezielt in Regionen mit bislang schwacher Präsenz geschaltet. Laut Amazon lagen die Kosten pro Verkauf dabei 38 Prozent unter dem Niveau einer vergleichbaren, dauerhaft laufenden Kampagne. Bei Neukunden fiel die Ersparnis mit elf Prozent geringer, aber immer noch messbar aus. In den USA testete Purina das Tool ebenfalls: Dort stiegen die Produktdetailseitenaufrufe durch Neukunden laut Amazon um mehr als 300 Prozent, während die Kosten pro Aufruf um über 85 Prozent sanken. Allerdings nennt Amazon weder konkrete Kampagnenbudgets noch Details zur Größe der untersuchten Regionen – die Zahlen lassen sich daher nur eingeschränkt verallgemeinern.

Regionalisierte Werbung auf Prime Video: Eine Kampagne, viele Botschaften

Ergänzend zu GIA erweitert Amazon auch die Werbemöglichkeiten auf Prime Video um eine regionale Komponente. Mit standortbezogenen interaktiven Videoanzeigen kannst du künftig eine einzige landesweite Kampagne ausspielen, die je nach Standort der Zuschauer unterschiedliche Inhalte zeigt – etwa abweichende Preise, Angebote oder Hinweise auf lokale Geschäfte. Bisher war dafür eine separate Kampagne pro Region nötig. So lässt sich beispielsweise in Hamburg ein anderes Angebot einblenden als in München, ohne die bundesweite Reichweite aufzugeben.

Zusätzlich stehen interaktive Elemente wie „Ans Handy senden“ oder „Jetzt anmelden“ zur Verfügung, über die Zuschauer direkt aus dem Werbespot heraus reagieren können. Die Basis dafür ist beachtlich: Nach Unternehmensangaben erreicht Prime Video in Deutschland monatlich durchschnittlich über 17 Millionen Nutzer mit werbefinanzierten Inhalten.

Amazon baut seine Werbeplattform systematisch aus – bis hin zu ChatGPT

GIA und die regionalisierten Prime-Video-Anzeigen sind Teil einer breiteren Strategie. Erst am 10. September wurde bekannt, dass Amazon seine DSP auch für Werbung in OpenAIs ChatGPT öffnet. Ausgewählte US-Werbekunden können seitdem Kampagnen über Amazon Ads direkt in der KI-Konversation ausspielen – zu den ersten Testkunden gehört Delta Vacations. Daniel Knapp, Chef-Volkswirt des IAB Europe, bezeichnete die Kooperation gegenüber „Meedia“ als „ein sehr gutes Beispiel für die pragmatische Kooperationsbereitschaft zwischen BigTech-Unternehmen, selbst wenn sie in anderen Bereichen in Wettbewerb zueinander stehen“.

Damit positioniert sich Amazons DSP zunehmend als zentrale Einkaufsplattform für digitale Werbung weit über den eigenen Marktplatz hinaus. Laut „Meedia“ zählen inzwischen auch Netflix, Spotify, Disney, Roku und ESPN zum verfügbaren Inventar.

Was das für deine Werbestrategie bedeutet

GIA, regionalisierte Prime-Video-Spots und die ChatGPT-Integration ergeben zusammen eine durchgehende Kette: Zuerst identifizierst du Regionen mit Wachstumspotenzial, dann erreichst du die Zielgruppe dort über Display-, Video- und KI-gestützte Kanäle – alles aus einer Plattform heraus. Für Werbetreibende, die ohnehin Amazons DSP und Marketing Cloud nutzen, verkürzt das den Weg von der Erkenntnis zur Kampagne erheblich.

Gleichzeitig solltest du dir bewusst sein, was das in der Praxis bedeutet: Wer diese Möglichkeiten ausschöpft, bindet sich noch enger an Amazons Ökosystem. Der Konzern vereint Handelsdaten, Werbeausspielung und die Reichweite eigener Medienangebote in einer Hand. Bevor du dein Budget verstärkt in diese Richtung lenkst, lohnt sich eine nüchterne Abwägung, wie stark du dich von einem einzelnen Anbieter als Datenanbieter, Mediaeinkäufer und Inventarverkäufer zugleich abhängig machen willst.

Hier kannst du mehr zum Thema Marketing lesen:

Felix Schneider

Felix Schneider ist seit November 2024 bei Unternehmer.de. Nach seinem Studium der Buch- und Medienwirtschaft in Leipzig und einem ersten Exkurs in den Onlinejournalismus beim PRINZ-Magazin entschied er sich, in der Messestadt zu bleiben. Heute ist er SEO & Autor für Unternehmer.de, News.de und Qiez.de. Hier schreibt er vor allem über neue Technologien wie KI und gibt Insights in die Perspektiven der Gen Z. Auch auf X und LinkedIn zu finden.

Der Artikel hat dir gefallen? Gib uns einen Kaffee aus!