KI-generierter Content ist schnell, günstig und mittlerweile nahezu überall. Doch ab August 2026 musst du diesen kennzeichnen, und genau das kann Vertrauen kosten. Wann sich KI-Content lohnt und wann es deiner Marke schadet.

KI-Content ist das neue „Normal“

Das Label „KI“ ist mittlerweile so inflationär wie „Protein“. In jedem Tool, Software oder Programm wird eine KI-Funktion hinzugefügt. So lässt sich innerhalb weniger Klicks und Prompts viel Content erstellen, wo es vorher Tage oder Wochen gedauert hatte.
Für viele Unternehmen klingt die Rechnung simpel: KI-Content kostet weniger und performt schon irgendwie. Das Problem dabei ist: Mehr Content bedeutet nicht mehr Wirkung. KundInnen und GeschäftspartnerInnen werden mit „technisch sauberem“, aber austauschbarem Material geflutet (KI-Slop), das gut aussieht aber herrlich wenig sagt.

Ab August 2026 wird die KI-Kennzeichnung Pflicht

Am 2. August 2026 tritt Artikel 50 des EU AI Act in Kraft, die erste verbindliche Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Inhalte. Wer realistische, KI-erzeugte Bilder und Texte im Marketing einsetzt, muss das künftig offenlegen. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Das Problem dabei: Die Kennzeichnung kostet paradoxerweise Vertrauen. In einer aktuelle Studie mit dem Titel „The transparency dilemma: How AI disclosure erodes trust“ stellten Forscher in 13 Experimenten fest: Wer seine KI-Nutzung offenlegt, dem wird weniger vertraut. Das Nürnberger Institut für Marktentscheidungen hat einen Effekt beschrieben, den es „Trust Penalty“ nennt: Sobald Menschen auch nur ahnen, dass Content von KI erstellt wurde, sinken Vertrauen, Engagement und Aufmerksamkeit, selbst wenn der Inhalt technisch einwandfrei wirkt.

Warum „fällt nicht auf“ nicht „ist unbedenklich“ heißt

Oft hört man: KI-Content sei längst nicht mehr erkennbar, also sei die Kennzeichnung egal. Tatsächlich erkennen Menschen echte und künstliche Gesichter in aktuellen Studien nur noch in rund 62 Prozent der Fälle korrekt. Das berüchtigte unheimliche Tal („Uncanny Valley“), in dem fast menschliche Darstellungen Unbehagen auslösen, hat KI beim einzelnen Standbild weitgehend verlassen.

Verschwunden ist das Unbehagen aber nicht, es hat sich verlagert: zu leeren Augen, zu perfekter Symmetrie, zu Brüchen in Bewegung und Kontext. Ein ruhiges Einzelbild fällt heute kaum auf. Schwierig wird es immer noch im Bereich Video.

Wann KI hilft und wann sie schadet

Nun steht die Frage im Raum: Was tun? Wird KI-Content durch die KI-Kennzeichnung dann nutzlos? Es kommt auf den Kontext an:

  • Ein negatives Beispiel bietet hier Coca-Cola mit dem vollständig KI-generierten Weihnachtsspot aus dem Jahre 2024. Das Feedback war hart: Es sei seelenlos und voller Fehler gewesen.
  • Ein gutes Beispiel ist die „Wrap Battle“ Kampagne von Popeyes aus dem Jahr 2025. Im Juli 2025 brachte McDonald’s seinen Snack Wrap auf den Markt, genau einen Tag nach dem Launch des Chicken Wraps von Popeyes. Daraufhin produzierte Popeyes innerhalb 3 Tagen ein KI-generiertes Video, welches sofort viral ging. Das es KI-generiert wurde, war offensichtlich, doch bei dem Fall ging es um die Geschwindigkeit. Eine reaktive Kampagne in einem engen Internet-meme-kulturellen Zeitfenster, klassisch produziert hätte das Wochen gedauert. Hier spielte KI ihre echte Stärke aus.

Checkliste: Wann sollte KI-Content genutzt werden und wann eher nicht?

Do:

  • … für abstrakte Illustrationen, Hintergründe oder dekorative Visuals ohne Wahrheitsanspruch.
  • … für schnelle Entwürfe, Moodboards und Brainstorming, bevor echt produziert wird.
  • … für reaktive, schnelle Formate, bei denen Tempo zählt und die Optik nicht echt sein muss.
  • …. wenn der Content bewusst und erkennbar künstlich ist, etwa zur Provokation oder Überzeichnung.

Don’t:

  • … nutzen für die Darstellung von echten Menschen. Zum Beispiel das eigene Team, GeschäftsführerInnen oder MitarbeiterInnen. Zu einem Gesicht, das niemandem gehört, baut niemand Vertrauen auf.
  • … um eine reale Situation zu belegen (Event, Arbeitsprozess, Produkt im Einsatz). KI kann Realität nur erahnen, nicht beweisen.
  • … wenn Emotion und Markenbindung im Zentrum stehen.
  • … ungekennzeichnet als echt ausgeben. (Ab August 2026 ist das nicht nur unglaubwürdig, sondern bußgeldpflichtig.)

Fazit

Die eigentliche Frage ist nicht, ob man durch KI-Content Zeit und Geld spart, sondern wie man damit sinnvoll umgeht. Genau deshalb lautet die Frage für UnternehmerInnen nicht „Sieht man den Unterschied?“, sondern „Was passiert mit dem Vertrauen, wenn doch?“. Spätestens mit der Kennzeichnungspflicht ist die Entscheidung für oder gegen KI-Bilder keine Stilfrage mehr, sondern Teil deiner Geschäftsstrategie. In einer Welt, in der alles künstlich sein könnte, wird nachweislich Echtes zum Wettbewerbsvorteil.

Elisabeth Boves

Elisabeth Boves ist Fotografin, Videografin und Inhaberin von Schwarzekreide Media (Düsseldorf). Für B2B-Unternehmen produziert sie hochwertige Event-Reportagen, Immobilien-& Messefotos und Testimonial-Videos. Als IHK-geprüfte Online Marketing Managerin verbindet sie visuelles Handwerk mit einem strategischen Blick für den unternehmerischen Nutzen.

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