Ich scrolle durch meinen Feed und sehe es immer wieder: Selbstständige, die hervorragende Arbeit leisten – und trotzdem nicht die Kunden bekommen, die sie verdienen. Sie haben ihre Website optimiert, ihre Preise angepasst, neue Angebote entwickelt. Aber das eigentliche Problem liegt woanders: in der Art, wie sie kommunizieren.

Nach über einem Jahrzehnt in der Kommunikations- und Marketingwelt und der Arbeit mit Tausenden von Kunden sehe ich ein Muster, das sich immer wiederholt: Fachliche Exzellenz allein reicht nicht. Wer nicht klar kommuniziert, was er tut, für wen und mit welchem Ergebnis, verliert Kunden – nicht weil das Angebot schlecht ist, sondern weil es nicht verstanden wird.

Kommunikation ist kein Soft Skill – sie ist ein Umsatzfaktor

Der Markt ist anspruchsvoller geworden. Kunden – ob Geschäftsführer, Gründer oder Entscheider – haben heute ein feines Gespür dafür, ob jemand wirklich Substanz hat oder nur gut klingt. Wer kommuniziert wie alle anderen, wird auch wie alle anderen wahrgenommen: austauschbar.

Drei typische Folgen schlechter Kommunikation im Business:

  • Niedrigere Abschlussquoten: Wer sein Angebot nicht klar auf das Ergebnis des Kunden ausrichtet, überzeugt seltener.
  • Mehr Missverständnisse im Projektverlauf: Unklare Kommunikation am Anfang kostet Zeit und Nerven auf beiden Seiten.
  • Schwache Positionierung: Wer nicht präzise benennt, was ihn unterscheidet, wird austauschbar.

Drei Praxisbeispiele: Gleiche Leistung, andere Sprache – andere Ergebnisse

Das Wirksamste, was ich in meiner Arbeit erlebe, ist die Kraft der Umformulierung. Nicht das Angebot ändert sich – nur die Art, wie es kommuniziert wird.

Beispiel 1: Die Steuerberaterin.

Eine Kundin beschrieb ihr Angebot jahrelang so: „Ich mache die Buchhaltung und Steuererklärung.“ Ihr Umsatz stagnierte. Als sie begann zu sagen: „Ich sorge dafür, dass du am Jahresende keine bösen Überraschungen erlebst und genau weißt, wo dein Geld hingeht“, stiegen ihre Anfragen spürbar. Gleiche Leistung, andere Sprache.

Beispiel 2: Der Unternehmensberater.

Ein Berater eröffnete jedes Erstgespräch mit einer ausführlichen Erklärung seiner Methoden. Kunden stiegen gedanklich aus, bevor er zum Punkt kam. Als er stattdessen mit der Frage begann: „Was wäre für dein Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten der größte Gewinn?“, änderte sich die Dynamik komplett. Er sprach nicht mehr über sich – sondern über das Ergebnis des Kunden.

Beispiel 3: Die Designerin.

Eine Grafikdesignerin hatte Schwierigkeiten, ihren Preis zu verteidigen. Sie sagte:

„Das Design kostet 1.500 Euro.“ Kunden verhandelten regelmäßig. Als sie sagte:

„Das Design ist darauf ausgelegt, deine Konversionsrate zu erhöhen und deine Marke klar zu positionieren – der Preis dafür ist 1.500 Euro“, wurden Preisdiskussionen deutlich seltener.

Das „Anstatt zu sagen“-Prinzip: Einfach und direkt anwendbar

Ein konkretes Werkzeug, das ich seit Jahren einsetze, ist die bewusste Umformulierung von Standardantworten. Echte Expertise zeigt sich darin, dass man komplizierte Dinge einfach macht – nicht umgekehrt.

  • Anstatt: „Ich kann das leider nicht so schnell umsetzen.“ – Besser: „Ich möchte das sorgfältig für dich umsetzen, daher brauche ich X Tage.“
  • Anstatt: „Ich weiß noch nicht genau …“ – Besser: „Lass mich das prüfen und mich morgen mit einer konkreten Antwort melden.“

Der Unterschied: Du wirkst nicht defensiv, sondern kompetent. Nicht unsicher, sondern strukturiert. Gerade in Dienstleistungsunternehmen entscheidet dieser Eindruck oft darüber, ob Vertrauen entsteht – und ob aus einem Gespräch ein Auftrag wird.

Drei Maßnahmen, die du sofort umsetzen kannst

  • Formuliere dein Angebot auf das Ergebnis um: Beschreibe nicht nur, was du tust, sondern welchen Nutzen dein Kunde davon hat. Teste deine Formulierung laut – klingt sie nach Leistungsbeschreibung oder nach Ergebnis?
  • Prüfe deinen Content auf Substanz: Wenn man deinen Namen und dein Logo wegnimmt – könnte das auch von jedem anderen kommen? Wenn ja, ist es Zeit für mehr Tiefe und persönliche Perspektive.
  • Führe ein Feedback-Ritual ein: Frage am Ende jeder Zusammenarbeit: „Was hat dir besonders geholfen?“ und „Was hätte dir noch mehr geholfen?“ Die Antworten zeigen präzise, wo deine Kommunikation noch schärfer werden kann.

Fazit

Kommunikation ist eine der wenigen Wachstumsstrategien, die kein zusätzliches Budget erfordern. Sie erfordert Übung, Bewusstsein und die Bereitschaft, die eigene Sprache kritisch zu betrachten. Wer das tut, gewinnt mehr Kunden, höhere Abschlussquoten und eine klarere Positionierung – ohne sein Angebot zu verändern.

Mia Pejic

Mia Pejic ist Gründerin von MyMiaPage, Kommunikationsexpertin und Autorin des Buches „Anstatt zu sagen“ (mvg Verlag, 2023). Mit ihren Programmen, Trainings und digitalen Angeboten erreicht sie ein Publikum von mehr als 18.000 Frauen. Vielen Menschen ist sie durch ihre „Anstatt zu sagen“-Videos sowie durch Auftritte bei VOX, ProSieben/taff und SWR1 bekannt.

Der Artikel hat dir gefallen? Gib uns einen Kaffee aus!

Kommentar hinterlassen