10 Fragen und Antworten zum Thema Burn-out

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Burn-out. Das Schlagwort taucht immer dann in den Medien auf, wenn Prominente wie der Fußballprofi Sebastian Deisler sich öffentlich outen. Aber die Diagnose trifft nicht nur die Berühmten und Mega-Erfolgreichen.

Auch Lehrer, Ingenieure und Geschäftsführer von kleinen Unternehmen kann es treffen. Laut einer Studie sind neun Millionen Menschen betroffen. Demnach wäre jeder vierte Arbeitnehmer ausgebrannt.

Unternehmer.de hat die zehn wichtigsten Fragen zum Thema Burn-out zusammengetragen und sie mit Hilfe von Experten und neuesten Studien beantwortet.

Von Unternehmer.de-Reporter Uwe Wüllner

1. Was ist Burn-out eigentlich genau?

„Der Begriff Burn-out bezeichnet sowohl den Prozess des Ausbrennens – er kann sich über Monate oder gar Jahre hinziehen – als auch den Endzustand totaler Erschöpfung“, sagt der Psychotherapeut Uwe Böschemeyer. Meistens wird darunter der Zustand einer arbeitsbedingten Erschöpfung beschrieben, der sich durch Entfremdung von sich selbst, Zynismus und verringerter Leistungsfähigkeit zeigt.

2. Wie gefährlich ist Burn-out für Fachkräfte?

Ein Burn-out kann existenzbedrohend werden. Der Popsänger Peter Schilling („Major Tom“) berichtete in einem Interview: „Ich sage Ihnen: Das ist keine Grippe! Das ist eine richtig schwere Krankheit.“ In den schlimmsten Fällen entwickelt sich Burn-out zu einer Depression und kann zu Selbstmord führen.

3. Burn-out war lange als „Manager-Krankheit“ für Börsenmakler und Broker bekannt. Kommt er auch im Mittelstand vor?

Burn-out ist immer dann ein Thema, wenn es viel beschäftigte Leistungsträger trifft wie Michael Schumachers ehemaligen Manager Willi Weber, den Skispringer Sven Hannawald oder den Country-Sänger Gunter Gabriel. Aber die Gefahr lauert überall da, wo viel gearbeitet wird – in großen genauso wie in kleinen Betrieben. Immer dann, wenn das Verhältnis von Arbeit und Erholung aus der Waage gerät. „Die Zunahme von Burn-out-Fällen ist bezeichnend für unsere Leistungsgesellschaft“, sagt Sylvia Fritz, die als Coach arbeitet.

4. Wen trifft es am ehesten?

Es trifft oft die Fleißigen. Mitarbeiter, die stets alles richtig machen möchten, schwer Nein sagen können. Sie brennen aus, wenn sie ihre eigenen hohen Erwartungen an sich selbst nicht mehr erfüllen können. Das sind in der Firma meist gute Leute, die schwer zu ersetzen sind.

5. Warum ist das so ein Problem für Unternehmen?

Für ein Unternehmen hat der Burn-out von Mitarbeitern negative Folgen, sagt Veit Hannemann von innGema, dem Berliner Netzwerk für innovatives Gesundheitsmanagement: “Ein kranker Mitarbeiter ist für ein Unternehmen immer teurer als die präventive Investition in seine Gesundheit.“ Ein Mitarbeiter, der krankheitsbedingt ausfällt, kostet bis zu 400 Euro am Tag. Auch ineffektives Arbeiten über einen längeren Zeitraum durch Burn-out kostet Unternehmen bares Geld.

6. Was sind die häufigsten Ursachen für Burn-out bei Fach- und Führungskräften?

Meist sind überzogener Ehrgeiz und selbst erzeugter Druck Gründe für das Ausbrennen. Häufig kommen diese Charaktereigenschaften ungünstig mit einem Gefühl zusammen, dass man im Job ausgebremst wird: Verschlechterte Arbeitsbedingungen, Zeitdruck, ein schlechtes Betriebsklima oder ein mangelnder Einfluss auf Arbeitsorganisation können die Tendenz zum Burn-out noch unterstützen. Aber auch das Gefühl in Planungen und Entscheidung nicht mit einbezogen zu werden, aber bei Misserfolgen dafür verantwortlich gemacht zu werden und die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust können aus anfälligen Personen Burn-out-Gefährdete machen. Ein klassisches Beispiel: Wer hart für eine Beförderung arbeitet und sie dennoch nicht bekommt, kann dadurch in ein tiefes Loch fallen.

7. Was tun Unternehmen dagegen?

Große und mittelständische Unternehmen versuchen vermehrt psychische Erkrankungen frühzeitig bei ihren Mitarbeitern zu erkennen und darauf einzugehen. Die TUI AG bietet neuerdings beispielsweise Präventionsangebote für psychische Gesundheit an. In einem Pilotprojekt wurde allen Mitarbeitern der Konzernzentrale in Hannover ein Gesundheitscoaching angeboten. „Wir haben bewusst nicht von Therapie oder Beratung gesprochen, um die Schwelle so niedrig wie möglich zu halten“, sagt Lars Kutsche, Projektleiter für Gesundheit bei TUI. Über eine externe E-Mail-Adresse konnten Interessierte ein Gespräch mit einer Psychologin vereinbaren. Die Resonanz war so groß, dass das Projekt weiter läuft. Außerdem sollen sich Betroffene bald bei einem Kompetenzteam über Beratungs- oder Therapiemöglichkeiten informieren können. Und Führungskräfte werden in Workshops geschult, um Anzeichen für Burn-out zu erkennen.

8. Ist das auch ein Konzept für kleinere und mittelständische Unternehmen?

Eher nicht, meint Veit Hannemann vom Forschungsprojekt innoGema: „Bei kleinen Unternehmen können sich die Rahmenbedingungen von einen Tag auf den nächsten zu schnell ändern.“ Wenn eine Firma, innerhalb kürzester Zeit zwei Großaufträge bekommt und die Mitarbeiterzahl plötzlich verdoppeln muss, ist Gesundheitsmanagement erst einmal zweitrangig. In erster Linie geht es dann darum, die Aufträge zu erfüllen. Dabei haben aber Mitarbeiter gerade in solchen Zeiten einen Bedarf an Ausgleich durch Sportkurse oder Stressseminare. Hannemann erforscht darum gerade, wie kleinere Unternehmen das Thema Gesundheit in ihren Alltag integrieren können.

9. Was können Unternehmer tun, um Burn-out vorzubeugen?

Die beste Prophylaxe ist ein gutes Arbeitsklima. Wichtig ist dabei eine Arbeitsorganisation: Die Mitarbeiter dürfen weder unter- noch überfordert sein. Dafür ist der Chef zuständig. „Burn-out wird gefördert, wenn Mitarbeiter keine Anerkennung erfahren. Sie stecken ihre ganze Kraft in den Job und bekommen nur wenig zurück“, sagt Susanne Roscher, Beraterin für Arbeits- und Gesundheitspsychologie der gesetzlichen Unfallversicherung VBG in Hamburg. Dabei spiele das Geld weniger eine Rolle als vielmehr ehrliche Wertschätzung. Chefs sollten ihren Mitarbeitern auch Sicherheit geben. Einmal, indem sie Vorbild sind und zum anderen ihren Untergebenen signalisieren: Sie dürfen auch mal Fehler machen.

10. Woran kann ich erkennen, ob ich selbst oder meine Mitarbeiter gefährdet sind?

Die Betroffenen reagieren auf ihre Überforderung mit übertriebenem Arbeitseinsatz, ziehen sich von Freunden und Kollegen zurück und vernachlässigen ihre Freizeitaktivitäten. Auch empfinden sie Kritik als Abwertung ihrer Person, reagieren feindselig auf ihr soziales Umfeld, sind gereizt und aggressiv gegenüber Kollegen und Kunden. Typisch sind auch erhöhter Konsum von Nikotin, Alkohol und Rauschmitteln oder der Missbrauch von Beruhigungs- und Aufputschmitteln. Auch der Körper sendet Warnzeichen: Häufig berichten Betroffene von Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Muskelverspannungen. Auch Magen-Darm-Störungen, erhöhter Blutdruck, Herzrasen, Schweißausbrüche, Tinnitus und Hörsturz können körperliche Symptome auftreten.

Das Burn-out Special auf Unternehmer.de:
Burn-out: Ein Mann auf der Suche nach sich selbst

(Bild: © hati – Fotolia.com)

5 Kommentare

  1. Ich kann aus meiner Praxis bestätigen, dass viele Leistungsträger – und gerade die, die sich besonders einsetzen und eine sehr hohe Identifikation mit ihren Aufgaben haben – oft starke Tendenz zur Überforderung zeigen. Da sich die äußeren Rahmenbedingungen meist nicht ändern lassen, ist es wichtig, dass diese Leute individuelle Strategien kennen lernen, wie sie besser mit sich und den hohen Anforderungen umgehen können. Ein paar Tipps, wie das gelingen kann, habe ich kürzlich auf meinem Leistungsträger-Blog veröffentlicht:
    Wider den Arbeitswahnsinn

  2. Selbstverantwortung, das ist meiner Meinung nach das Stichwort.
    Klar will jeder erfolgsorientierte Mensch „nach oben“. Die Motive dafür sind breitgefächert. Und es macht ja auch Spaß, Vollgas zu gegen. Aber es sollte jedem klar sein: ohne Ent-Spannung kein Erfolg. Selbst wenn das große Ziel erreicht wurde, egal was es auch ist, was habe ich davon, wenn ich es nicht genießen kann, weil ich ausgebrannt bin.
    Als ehemaliger Betroffener erlaube ich mir folgenden Appell an alle, die das hier lesen abzugeben: öfter mal Handy aus und 20 Minuten Waldspaziergang, alleine und ohne zu hetzen. Am besten täglich. Das schlechte Gewissen kann man sich abtrainieren. Und wer die 20 Minuten am Tag für sich selbst nicht mehr hat, der oder die sollte sowieso aufwachen…

    Grüße W. Paterok

  3. Burnout ist in der Regel so schwerwiegend, dass Mitarbeiter und Führungskräfte länger ausfallen, wenn es sie erwischt hat. Mir gefällt der Präventionsgedanke sehr gut. Aber dass Unternehmen darauf achten, dass die Führungskräfte und Mitarbeiter nicht ausbrennen wird wohl nur in den seltensten Fällen so sein. Zur Zeit wächst wohl eher noch der Druck.

    Schuld daran, dass es die, wie oben benannten, Fleißigsten trifft, sind deren bewussten und noch mehr unbewussten Muster und Programme, die sie bis zum Umfallen arbeiten lassen. Unbewusste Schuldgefühle, Gefühle nicht gut genug zu sein, Angst enttarnt zu werden, Angst vor sozialem Absturz usw. Damit ist der (Selbst-)ausbeutung Tür und Tor geöffnet.

    Da die meisten Führungskräfte und Mitarbeiter sich selbst nicht als burnoutgefährdet und therapiereif erkennen und die Prävention auch wünschenswerter ist, wäre ein Coaching von ihnen eher zu akzeptieren.

    Mit energetischem Coaching (MatrixCoaching/CQM) werden die unbewussten und bewussten Programme auf der Ebene ihrer Ursachen gefunden und aufgelöst. Damit setzt automatisch Veränderung ein, die ein befreiteres, entspannteres Leben wieder möglich machen.

    Dazu muss nicht einmal ein Aufwand an Zeit und Wegen kalkuliert werden, denn energetisches Coaching erfolgt oft über das Telefon, bequem von zuhause aus. Langwierige Gespräche und Herumkramen im „Drama“ entfallen. Genau das empfinden Viele als sehr angenehm.

  4. Burnout trifft hauptsächlich die Fleißigen, die hochmotivierten Leistungsträger und kann dafür sorgen, dass die besten Mitarbeiter eines Unternehmens quasi über Nacht nicht zur Verfügung stehen. Weil sie einfach nicht mehr können.

    Diese Menschen haben einen besonders hohen Anspruch an sich selbst und wenden sich meist zu spät oder nie nach außen um Hilfe.

    Um so wichtiger ist es, in Unternehmen das Bewusstsein für Burnout zu schärfen und die beste Maßnahme gegen Burnout viel intensiver einzusetzen: Prävention!

    Gerade beim Thema Burnout gibt es für die Unternehmen wie für die Betroffene selbst keine besseren Weg als den der Prävention.

    Leider wird allerdings immer noch viel zu häufig zu lange gewartet und die Aufforderung zu Prävention mit Kostenargumenten abgelehnt, getreu dem Motto, „noch funktioniert der/die MitarbeiterIn ja“.

    Dass Krankheitskosten, Fehlzeiten, Maßnahmen zur Wiedereingliederung und womöglich dauerhaft verminderte Belastbarkeit ein Vielfaches kosten, wird dabei gründlich verdrängt!

    Vielen Dank deshalb für diesen, wie für jeden Artikel, der Burnout mehr in das Bewusstsein insbesondere auch der Unternehmen rückt!

    Dr. Matthias H.W. Braun

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