Demütigungen, Bevorzugung anderer Angestellter, Kontrollzwang – was einen schlechten Chef ausmacht, das ist mittlerweile weitgehend bekannt. Schon seit Jahren untersuchen Forscher, welche Folgen miese Führungskräfte für das Unternehmensklima haben. Unzählige Beiträge in Forschung und Presse später scheinen es die meisten Unternehmen jedoch noch immer nicht verstanden zu haben, wie eine aktuelle Umfrage der Plattform LiveCareer zeigt. Der „Bad Bosses Report“ zeigt einen „systemischen Mangel an Verantwortlichkeit, bei dem schlechtes Management oft toleriert oder sogar belohnt wird“. Die Inkompetenz der Führungskräfte führt dabei schließlich zur Abwanderung von Talenten. Etwa 60 Prozent der befragten Arbeitnehmer sagten, dass sie wegen schlechter Vorgesetzter entweder gekündigt oder ernsthaft über einen Wechsel in ein anderes Unternehmen nachgedacht haben. Zudem glauben rund drei Viertel der Mitarbeiter, dass schlechte Führungskräfte heute weit verbreitet oder sogar unvermeidbar sind. Das Problem: Eine toxische Führungskultur schadet der Karriere der Führungskräfte nicht. Trotz mangelnder Führungsqualitäten wird knapp jede zweite toxische Führungskraft befördert oder in ihrer Position belassen.
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Die Chefs lernen einfach nicht dazu
Das wirklich Erstaunliche dabei: Wie lernresistent Führungskräfte oftmals sind. Laut der Umfrage ändern nur etwa sechs Prozent nach Coachings ihre Führungskultur. 66 Prozent der Angestellten denken laut der Umfrage, dass Unternehmen einen toxischen, dafür aber leistungsstarken Vorgesetzten trotzdem tolerieren. Solange diese gute Zahlen liefern, dürften sie ihre Angestellten schlecht behandeln.
Dass sich daran etwas ändern wird, erscheint zunächst unwahrscheinlich. 54 Prozent der Mitarbeiter trauen sich überhaupt nicht, Probleme mit der Personalabteilung zu besprechen. Oftmals befürchten sie, mit Beschwerden ihre Karriere zu gefährden.
Wie schlechte Führungskräfte Mitarbeiter drangsalieren
Die Umfrage erhob unter anderem auch, welche weiteren Probleme neben einer schlichten Inkompetenz es den Angestellten schwer machen. Dabei kamen heraus, dass die Chefs oftmals…
- Lieblinge bevorzugen (36 Prozent),
- Erfolge anderer für sich beanspruchen (30 Prozent),
- Erwartungen mitten im Prozess ändern (26 Prozent),
- Verantwortung ausweichen (20 Prozent),
- alles bis ins kleinste Detail kontrollieren (19 Prozent),
- Burnout ignorieren (19 Prozent),
- Angestellte vor anderen demütigen (18 Prozent),
- inkompetent sind (18 Prozent)
- alles als Priorität behandeln (16 Prozent)
- für eine feindselige Atmosphäre sorgen (15 Prozent).
Dabei bleibt eine Wirkung auf die Mitarbeiter nicht aus: Die Verhaltensweisen schlechter Chefs lösen „eine Kettenreaktion aus, die die Teamdynamik und die Geschäftsergebnisse nach und nach beeinträchtigt. Was als Konflikt im Team beginnt, kann zu Desinteresse, Burnout und schließlich zum Verfehlen von Zielen führen“, so die Studie.
Das Fazit: „Schlechtes Management ist nicht mehr nur ein zwischenmenschliches Problem, sondern ein gravierendes Versagen auf betrieblicher Ebene“, so Jasmine Escalera, Karriereexpertin bei LiveCareer. Tolerieren Unternehmen derartige Verhaltensweisen, „entscheiden sie sich aktiv dafür, die psychische Gesundheit, das Vertrauen und die langfristige Bindung ihrer Mitarbeiter zu opfern.“
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