Immer wieder hört man, die Generation Z sei faul, habe zu hohe Ansprüche und wolle im Gegenzug zu wenig Leistung bringen. Historisch gesehen ist das natürlich ein alter Hut. Schon vor 2.400 Jahren ärgerte sich Sokrates: „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität.“ So ziemlich jede Generation sieht die nachfolgende Generation kritisch, weil sich Werte und Arbeitsstile verändern. Dass der Gen Z heute dasselbe nachgesagt wird, muss also überhaupt nichts heißen. Allerdings zeigt eine aktuelle Umfrage, dass die junge Generation scheinbar deutlich vehementer auf ihren Grenzen bestehen bleibt, als es andere Generationen vor ihr taten. Die wiederum kritisieren das Verhalten ihrer jüngeren Kollegen – dabei könnten ältere Beschäftigte von ihnen lernen.
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Überstunden machen? Nein danke
Der Untersuchung der niederländischen Karriereplattform Intermediair in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut Motivaction zufolge unterscheiden sich die Generationen in ihrer Arbeitsweise deutlich. Insgesamt wurden mehr als 5.500 Niederländer befragt. Rund 47 Prozent der 18- bis 35-Jährigen unter den Befragten gaben an, nur noch Aufgaben erledigen zu wollen, die tatsächlich zu ihrer Stellenbeschreibung gehören.
Damit stimmten allerdings nur 25 Prozent der 36- bis 45-Jährigen überein. Noch weniger waren es in der ältesten Gruppe zwischen 46 und 67 Jahren: Hier erklärten nur 19 Prozent, Grenzen setzen zu wollen. Ähnlich sieht es bei den Überstunden aus. Während 44 Prozent der Jüngeren Überstunden eher meiden, bestanden nur 22 Prozent der älteren Mitarbeiter auf ihre vertraglich festgelegten Arbeitszeiten.
Für ihre Leistungen will die Gen Z auch Gegenleistungen
Was die junge Arbeitnehmer damit sagen wollen, ist: Das ist der Vertrag und daran haben sich alle zu halten. Allerdings lehnen sie es nicht grundsätzlich ab, Überstunden und Aufgaben außerhalb ihrer eigentlichen Zuständigkeiten hinzunehmen. Dafür stellen sie jedoch Bedingungen auf – es muss sich also lohnen, auf die Freizeit zu verzichten. Wie die Untersuchung zeigt, wäre fast die Hälfte der jüngsten Gruppe bereit, Überstunden zu machen, wenn sich dadurch ihre Karrierechancen erhöhen. Bei den älteren Gruppen sind dies nur 30 (36- bis 45-Jährige) beziehungsweise 19 Prozent (46- bis 67-Jährige).
Die Ergebnisse der Untersuchung decken sich auch mit denen deutscher Studien. So zeigen etwa Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dass die jüngere Generation zwar viel fordert, dafür aber auch eine historisch hohe Erwerbsbeteiligung liefert. Demnach ist die Gen Z durchaus leistungsbereit, achtet jedoch stärker als vorherige Generationen auf Rahmenbedingungen und faire Gegenleistungen.
Ältere stören sich nicht am Gehalt, dafür an der Arbeit selbst
Auch wenn ältere Arbeitnehmer in der Regel zufriedener als jüngere sind, könnten gerade die „Boomer“ noch etwas von der Gen Z lernen: Besonders in den letzten Jahren vor dem Ruhestand kommt es laut Untersuchungen des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) häufig noch zu einem letzten „Knick“ der Arbeitszufriedenheit – unter anderem deshalb, weil die Betriebe ihre Aufgaben und Rahmenbedingungen für die Beschäftigten nicht altersgerecht anpassen.
Zudem fühlen sich ältere Mitarbeiter bei Restrukturierungen oder der Einführung neuer Software/KI-Tools von den Führungskräften oft abgehängt oder nicht ausreichend mitgenommen. Während das Gehalt bei älteren also deutlich seltener noch eine Rolle spielt, sind es oftmals die Umstände der Arbeit, die Arbeitgeber gerechter gestalten könnten – was die Beschäftigten jedoch wiederum zunächst einfordern müssen.
Am Ende zeigt sich: Die Gen Z erfindet das Rad nicht neu, aber sie bricht mit dem Dogma der unbezahlten Aufopferung. Wo ältere Generationen Frust und Überlastung bis in die Jahre vor ihrem Ruhestand oft stillschweigend hingenommen haben, fordern die Jüngeren klare Spielregeln ein. Davon können letztlich alle Altersgruppen profitieren.
Wenn Unternehmen lernen, Arbeitsbedingungen flexibler, transparenter und altersgerechter zu gestalten, gewinnen am Ende nicht nur die unzufriedenen Boomer vor der Rente, sondern das gesamte Betriebsklima. Grenzen zu setzen ist eben keine Faulheit – sondern gesunder Eigenschutz, von dem sich jede Generation eine Scheibe abschneiden kann.
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