Man kann sich Marco Steiner gut so vorstellen: vor zwei geöffneten Bildschirmen, den Rucksack griffbereit neben der Tür. Auf dem einen Bildschirm laufen Grafiken, Trends, Daten, Märkte und Signale, die sich fast im Minutentakt verändern. Auf dem anderen ein Text, der noch nicht fertig ist, weil ihm noch Urteilskraft fehlt. Geboren in Graz und mit einem Wirtschaftsstudium an der WU Wien, hat Steiner ein Profil als Journalist, Business-Analyst, Senior-Redakteur und Beobachter digitaler Fachsprachen und neuer Kommunikationsformen aufgebaut. Seine Arbeit verbindet Finanzen, Krypto, Blockchain, Fintech und Schreiben mit der Überzeugung, dass Content nur dann funktioniert, wenn er denjenigen, die ihn lesen, wirklich hilft.
Qualität beginnt nicht beim Schreiben, sondern davor
Wenn man ihn nach dem ersten großen Erfolgsfaktor im Content-Management fragt, spricht Steiner nicht zuerst über Stil, SEO-Optimierung oder Redaktionsplanung. Kurz gesagt, seine Antwort setzt früher an: Vor dem Schreiben muss man verstehen.
Für ihn entsteht Qualität in der Vorarbeit: Man muss wissen, was man erklären möchte, zu wem man spricht, welche Zweifel diese Person hat und welches Maß an Tiefe sie braucht. In seiner beruflichen Selbstbeschreibung betont er, redaktionelle Tiefe mit einem analytischen Blick zu verbinden – eine Kombination, die seine Arbeitsweise ziemlich gut kennzeichnet.
Laut Steiner kann ein Text gut geschrieben sein und trotzdem scheitern. Er kann klare Sätze, eine schöne Struktur und einen starken Titel haben, aber wenn er kein echtes Bedürfnis aufgreift, bleibt er unzureichend. Deshalb verteidigt er eine Qualität, die nicht nur an grammatikalischer Korrektheit oder an der Länge gemessen wird, sondern am Nutzen. Mit anderen Worten: dass der Leser den Beitrag beendet und etwas weiß, das er vorher nicht wusste, eine Entscheidung besser versteht oder ein komplexes Thema klarer einordnen kann.
Er betont auch, dass Qualität Geduld erfordert. Nicht die romantische Geduld mit langem Kaffee am verregneten Fenster, sondern professionelle Geduld: Quellen prüfen, Daten überprüfen, Ideen ordnen und nicht einfach veröffentlichen, nur um eine Lücke im Redaktionsplan zu füllen.
Relevanz: Zur richtigen Zeit erscheinen und wirklich etwas zu sagen haben
Steiner unterstreicht auch die Bedeutung der Relevanz. In seinem beruflichen Profil erscheint sie mit der Fähigkeit verbunden, Inhalte zu liefern, die im richtigen Moment die relevanten Fragen beantworten.
Diese Idee ist besonders wichtig in den Branchen, in denen er arbeitet. Finanzen, Investitionen, Forex, Krypto, Blockchain und Fintech sind Bereiche, die sich schnell verändern, laufend neue Schlagzeilen produzieren und dazu zwingen, Ansätze häufig zu aktualisieren. Deshalb hängt Relevanz in Steiners Sicht nicht nur davon ab, ein attraktives Thema auszuwählen, sondern davon, zu verstehen, warum dieses Thema gerade jetzt relevant ist.
„Eine Marke, ein Medium oder ein Redaktionsteam können Dutzende von Stücken produzieren und trotzdem niemanden wirklich erreichen, wenn sie kein echtes Bedürfnis lösen. Relevanz entsteht, wenn Content, Kontext und Leserinteresse zusammenkommen“, erklärt Steiner.
Transparenz heißt erklären, ohne zu beschönigen
Eine weitere Säule, die Steiner hervorhebt, ist Transparenz. Auf seiner Website definiert er sie als die Praxis, Informationen zu überprüfen, Zahlen einzuordnen und komplexe Prozesse verständlich zu erklären, ohne Schlussfolgerungen künstlich aufzuhübschen.
Dies ist eine der stärksten Ideen seines Ansatzes. Bei Fachinhalten, besonders wenn es um Märkte, Technologie oder digitale Modelle geht, ist es leicht, sich hinter komplizierten Worten zu verstecken. Steiner vertritt offenbar den gegenteiligen Ansatz: Je komplexer ein Thema ist, je komplexer die Angelegenheit ist, desto klarer muss die Erklärung sein.
Außerdem besteht er darauf, dass „der Leser merkt, wann jemand klar mit ihm spricht. Er merkt auch, wann ihm etwas vorgemacht wird, wann Schlussfolgerungen erzwungen werden und wann ein Text eher beeindrucken als helfen will.“ Deshalb ist Transparenz für ihn eine Grundlage von Vertrauen.
Nützlicher Content hat Persönlichkeit, aber kein Ego
Wenn es um Stil geht, plädiert Steiner nicht für nüchternes, distanziertes Schreiben. Im Gegenteil. Er glaubt, dass Inhalte Stimme, Rhythmus und eine erkennbare Persönlichkeit haben müssen. Aber diese Persönlichkeit darf sich nicht vor den Leser drängen.
„Ein Text kann Charakter haben, ohne zu einem Monolog des Autors zu werden“, betont er. Der Satz passt gut zu seiner Idee, dass Content kein Schaufenster ist, auf der eine Marke oder ein Experte glänzt, sondern eine Brücke. Wenn die Brücke voller Verzierungen ist, aber niemand sie überqueren kann, erfüllt sie ihren Zweck nicht. Deshalb ist für Steiner der Ton sehr wichtig. Das Gleichgewicht liegt darin, die Intelligenz des Lesers zu respektieren und ihm gleichzeitig den Weg zu erleichtern.
Er weist auch darauf hin, dass die Marken und Medien, die ihre Inhalte besonders erfolgreich steuern, normalerweise eine klare Identität haben. Sie wechseln nicht jede Woche die Stimme. Sie wechseln nicht ständig ihre Botschaften. Sie bauen Vertrauen durch Verlässlichkeit auf, das heißt, sie erklären gut, erfüllen das, was sie ankündigen, und halten eine kohärente Linie.
Daten ja, aber mit menschlichem Urteil
Angesichts seines Profils als Analyst könnte man vermuten, dass Marco Steiner sich ausschließlich auf Daten stützt. Aber sein Ansatz ist nuancierter. Daten sind grundlegend, ja, aber sie ersetzen nicht das redaktionelle Urteil.
Metriken helfen dabei zu erkennen, was interessiert, wie lange ein Leser bleibt, welche Themen Gespräche erzeugen oder welche Formate besonders gut funktionieren. Steiner warnt jedoch, dass der Blick nur auf die Zahlen zu schlechten Entscheidungen führen kann. „Daten sagen dir, was passiert; das redaktionelle Urteil hilft dir zu verstehen, warum es wichtig ist“, erklärt er.
In seiner Art, Content-Management zu verstehen, sind Daten ein Kompass, aber nicht das Ziel. Sie helfen dabei, Orientierung zu geben, zu korrigieren und Prioritäten zu setzen, aber die endgültige Entscheidung muss durch eine redaktionelle Frage gehen: Bringt das echten Wert?
Hier kommt die Erfahrung ins Spiel. Zu entscheiden, wann man ein Thema ausbauen, verdichten, wann man einen Leitfaden aktualisieren oder wann man einen älteren Beitragzurückziehen sollte, erfordert mehr als ein Metrik-Dashboard. Es erfordert Gespür, Kontext und Verantwortung.
Steiner warnt auch vor der Versuchung, ausschließlich für Algorithmen zu schreiben. Er erkennt an, dass Positionierung wichtig ist und dass eine gute Strategie berücksichtigen muss, wie Informationen gesucht werden, aber er besteht darauf, dass SEO nicht zum einzigen Taktgeber der Redaktion werden darf. „Wenn du nur für eine Maschine schreibst, merkt man früher oder später, dass du den Leser vergessen hast“, kommentiert er.
Weniger Füllmaterial, mehr Absicht
Am Ende des Interviews bleibt eine einfache, aber nachdrückliche Idee in der Luft: Die Zukunft des Content-Managements liegt darin, nicht mehr, sondern besser zu veröffentlichen.
Für Marco Steiner lassen sich die Erfolgsfaktoren in einer Kombination aus Qualität, Relevanz, Transparenz, analytischem Urteil und Konsistenz zusammenfassen. Keiner dieser Faktoren funktioniert für sich allein. Qualität ohne Relevanz kann elegant, aber unsichtbar sein. Relevanz ohne Qualität kann Aufmerksamkeit erzeugen, aber kein Vertrauen halten. Daten ohne Urteil können dazu verleiten, nur Moden hinterherzulaufen.
Wie er selbst zusammenfasst: „Guter Content sollte die Aufmerksamkeit verdienen, die er bekommt.“. In Zeiten der Informationssättigung ist es relativ leicht, einen Klick zu bekommen. Das Vertrauen des Lesers zu gewinnen, erfordert dagegen deutlich mehr.





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