1. Herr Kreeft, die aktuelle Umfrage von Faire zeigt: Vier von zehn kleinen Einzelhändler:innen nutzen bereits täglich KI. Und dabei sagt man gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen oft nach, dass sie bei der Digitalisierung hinterher hinken würden. Hat Sie dieses Ergebnis also überrascht?
Ehrlich gesagt: nicht wirklich. Was wir bei Faire beobachten, ist, dass gerade kleine unabhängige Händler:innen sehr pragmatisch mit neuen Technologien umgehen – vor allem, wenn sie einen klaren Nutzen und eine konkrete Effizienzverbesserung erkennen. Die Zeiten, in denen Digitalisierung gleichbedeutend mit teuren und komplizierten IT-Projekten war, sind vorbei. Heute gibt es zahlreiche leicht zugängliche KI-Tools, die schnelle Ergebnisse liefern – zum Beispiel für das Verfassen von Produktbeschreibungen oder das Bearbeiten von Bildern, die wir bei Faire ebenfalls anbieten. Auch für Newsletter-Kampagnen oder das Bestandsmanagement finden KI-Tools bereits eine großflächige Verwendung. Viele Ladenbesitzer:innen nutzen diese Tools bereits, ohne es überhaupt als ‚digitale Transformation‘ zu bezeichnen.
2. Dennoch zeigt sich auch: Zahlreiche Einzelhändler:innen stehen der KI-Technologie noch skeptisch gegenüber. Was würden Sie jenen raten, die noch ganz am Anfang stehen – womit fängt man am besten an?
Am besten dort, wo man sofort Entlastung spürt. Ich empfehle, mit einfachen, kostenlosen Tools wie ChatGPT oder Canva zu starten, für die man sich keine spezielle Expertise aneignen muss – z. B. um Produktbeschreibungen zu erstellen oder Social-Media-Posts vorzubereiten. Wichtig ist: nicht nach dem einen perfekten Tool suchen, sondern schauen, was sich in den eigenen Arbeitsalltag integrieren lässt. Ich empfehle sich als Neuling auf diesem Gebiet auch ganz bewusst eine Trial-&-Error-Phase einzuräumen, in der es nicht sofort um zählbare Ergebnisse, sondern darum geht, sich mit dieser neuen Technologie vertraut zu machen. Kleine Erfolgserlebnisse nehmen schnell die Skepsis – und steigern die Motivation, tiefer in die Materie einzusteigen.
3. Welche KI-Tools sehen Sie derzeit als besonders hilfreich für den Einzelhandel – und warum?
Besonders hilfreich sind Tools, die repetitive Aufgaben übernehmen – also dort, wo Zeit verloren geht, ohne dass es kreative Energie braucht. Dazu gehören z. B. ChatGPT für Texte, Canva für Design, oder Tools wie Klaviyo für automatisiertes E-Mail-Marketing. Auch KI-gestützte Lagerverwaltung oder Nachfrageprognosen werden immer relevanter. Die besten Tools für den Einstieg sind meist die, die man ohne lange Schulung sofort einsetzen kann.
4. Wie gelingt es, KI sinnvoll in bestehende Prozesse zu integrieren, ohne dabei die persönliche Handschrift des Geschäfts zu verlieren?
KI soll nicht die Persönlichkeit eines Geschäfts ersetzen – sie soll vielmehr Freiräume schaffen, um das eigene Profil weiter schärfen zu können. Die persönliche Beratung, das liebevoll kuratierte Sortiment, das Gespräch mit Stammkund:innen: All das bleibt von zentraler Bedeutung. Wenn KI z. B. im Hintergrund hilft, den Lagerbestand zu optimieren oder Produkttexte zu formulieren, bleibt mehr Zeit für die Dinge, die ein Geschäft einzigartig machen. Wichtig ist, sich bewusst zu entscheiden, wo man KI einsetzt – und wo nicht.
5. Ein wichtiges Thema ist auch die Einbindung der Mitarbeitenden. Wie können Teams erfolgreich und ohne Überforderung an KI herangeführt werden?
Transparenz und Beteiligung sind hier entscheidend. KI sollte nicht als Top-down-Initiative eingeführt werden, sondern als gemeinsames Lernfeld. Mein Tipp: Im Team ausprobieren, offen über Erfahrungen sprechen, Fragen zulassen. Wenn Mitarbeitende selbst erleben, wie KI den Alltag erleichtern kann, entsteht ganz automatisch Neugier statt Ablehnung. Besonders hilfreich sind Pilotprojekte, bei denen einzelne Teammitglieder Verantwortung übernehmen. Außerdem sollte dem Team kommuniziert werden, dass die KI nicht mit dem Ziel, Mitarbeitende zu ersetzen, eingeführt wird, sondern um deren Arbeitsalltag zu optimieren.
6. Die Umfrage nennt ein Einsparpotenzial von rund 30.000 Euro pro Jahr bei „Heavy Usern“. In welchen Bereichen entstehen diese Einsparungen konkret?
Die größten Einsparungen entstehen durch Zeitgewinn – zum Beispiel bei der Erstellung von Marketingmaterialien, bei der Analyse von Verkaufsdaten oder bei der Automatisierung von Standardaufgaben wie Terminplanung oder Lagerkontrolle. Auch externe Dienstleister werden teilweise ersetzt. Das alles summiert sich. Für viele kleine Läden bedeutet das: weniger Stress, mehr Fokus auf das Kerngeschäft. Ich persönlich bin überzeugt, dass Händler:innen in Zukunft sogar deutlich mehr als 30.000 Euro pro Jahr einsparen können – denn KI entwickelt sich rasant weiter.
7. Welche Fehler sehen Sie aktuell beim Einsatz von KI im Einzelhandel – und wie lassen sie sich vermeiden?
Ein häufiger Fehler ist, zu viel auf einmal zu wollen. Wer gleich versucht, den ganzen Betrieb mit KI umzukrempeln, läuft schnell gegen Wände – technisch wie menschlich. Besser ist es, klein anzufangen, messbare Ziele zu setzen und schrittweise zu skalieren. Ein weiterer Fehler ist, Tools unkritisch zu übernehmen, ohne zu prüfen, ob sie zum eigenen Bedarf passen. KI ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug.
8. Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Welche Rolle wird KI in fünf Jahren für den lokalen Einzelhandel spielen – und wie können sich Händler:innen schon heute darauf vorbereiten?
Ich bin überzeugt, dass KI in fünf Jahren ein ganz selbstverständlicher Teil des Einzelhandels sein wird – ähnlich wie heute ein Kassensystem oder ein Online-Shop. Händler:innen, die sich heute offen, aber reflektiert mit dem Thema beschäftigen, werden morgen klar im Vorteil sein. Mein Rat: neugierig bleiben, gezielt testen, Erfahrungen sammeln – und immer wieder prüfen, wie neue Tools konkret helfen können, das eigene Geschäft besser zu machen.





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