Krisen fallen nicht vom Himmel. Teilweise bauen sie sich über Jahre und Jahrzehnte auf. Es bilden sich Blasen, zum Beispiel am Immobilien- oder am Aktienmarkt und alle wollen an der „Rallye“, wie es dann heißt, noch teilhaben. Immer spielen in solchen Endphasen vor Krisen riesige Geldmengen, überbordete Staatsverschuldung, Inflation, Deflation und Stagflation eine Rolle und werden oft begleitet durch Insolvenzwellen und innen- oder außenpolitische Eskalationen. Die Gefahr liegt in der Situation selbst und der historischen Unkenntnis dieser verschiedenen Krisenphasen. Bis dahin sieht nämlich alles gut und völlig normal aus. Selbst Märkte, die nach logischen Kriterien nicht steigen dürften, steigen weiter.
An einem früheren Punkt in meinem Leben war ich Kampfjet-Pilot. Es gibt in der Fliegerei ein Manöver, was diese Wirtschaftssituation gut widerspiegelt. Es heißt „Stall-Turn“. Man fliegt mit maximalem Schub, mehr geht also nicht und gewinnt immer mehr Höhe. Das Flugzeug wird immer langsamer, aber wir wollen ja noch mehr Höhe. Beim Flugzeug geht es um die Höhe, an den Wirtschafts- und Finanzmärkten um die Gewinne und die Renditen.
Irgendwann reicht auch der stärkste und beste Motor nicht mehr und die Strömung reißt ab. Das Flugzeug kippt ab und fällt bestenfalls in einen steilen Sturzflug oder im unglücklichen Fall ins Trudeln und hat hoffentlich genug Höhe, um nicht am Boden zu zerschellen.
Der Wirtschaftsmotor Europas heißt Deutschland und das Flugzeug heißt KMU. Alles zerrt an Deutschland, jeder bedroht den Mittelstand.
In diesen Phasen steigt das Risiko, dass aufgebaute Vermögenswerte an Wert verlieren, enorm. Denn das Verlustrisiko verdoppelt sich quasi „über Nacht“ plötzlich. Für die Masse der Anleger überraschend stürzen die Märkte ab, wie Flugzeuge beim Strömungsabriss und dann greift auch noch der Staat regulierend ein.
Staaten und Regierungen haben, anders als man denkt, viel aus den Krisen der Vergangenheit gelernt. Oft greift der Staat aufgrund drohender geopolitischer und wirtschaftlicher Krisen viel zeitiger und energisch regulierend ein, um diese zu bewältigen und die wirtschaftliche Stabilität zu sichern. Eben wie ein Pilot, der den Strömungsabriss verhindern möchte. Die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg und der Krieg in Nah-Ost haben gezeigt, dass staatliche Entscheidungen schnell und massiv erfolgen und tiefgreifende Einschnitte mit sich bringen können.
Aus staatlicher Sicht sind diese regulatorischen Eingriffe notwendig und als Schutzmechanismus gedacht.
Für vermögende Privatpersonen, Unternehmerinnen und Unternehmer schränken solche Maßnahmen aber nicht nur die Entscheidungsfreiheit stark ein, sie haben oft direkte oder indirekte Folgen für das Vermögen. Als ehemaliger Kampfpilot im Überschalljet und mittlerweile über 15 Jahren Krisenanalytiker und Vermögensschutzexperte kenne ich beide Welten und entwickeln Strategien, die Unternehmer zum Schutz ihrer Vermögenswerte nutzen können. Denn: gesetzlichen Zugriffe können besonders für Unternehmerinnen und Unternehmer teuer werden.
Krisen als Ursache für politische Eingriffe: Wie Pandemien und Kriege zur Gefahr für das Vermögen werden
Lassen Sie uns bitte zuerst festhalten, dass wir aktuell in Deutschland keine Krisenzeiten haben. Große Krisen wie die Hyperinflation 1922/23 oder die Weltwirtschaftskrise 1929 oder auch die Währungsreform 1948 haben Milliardenschäden bei Unternehmerinnen und Unternehmern verursacht und über 90 Prozent der vermögenden Menschen ruiniert. Diese Zeiten liegen weit hinter uns und die Generationen, die die Härten von richtigen Krisen erleben mussten, sind nahezu ausgestorben. Wir alle haben deshalb heute weder Krisenerfahrungen noch ein Krisenbewusstsein. Wir reden über Krisen und realisieren nicht, dass selbst die Corona-Pandemie oder die Auswirkungen des Ukraine-Krieges hier in Deutschland wie eine zarte Ostseewelle am Strand von Warnemünde wirken, während eine richtige Krise eher dem Tsunami von 2004 in Thailand gleichzusetzen ist. Einer Welle, die alles wegreißt. Das will keiner erleben!
Deshalb ist es grundsätzlich richtig, dass der Staat in wirtschaftliche Prozesse eingreifen und auf private Vermögenswerte zugreifen kann, wenn große Gefahren abgewendet werden müssen. Wenn zum Beispiel eine schwere Rezession, eine galoppierende Inflation, eine Hyperinflation oder eine Finanz- oder Weltwirtschaftskrise droht.
Die Sanktionen gegen Russland haben zu starken Lieferengpässen geführt. Besonders betroffen waren die Rohstoff- und Energieversorgung, was letztendlich zu Preiserhöhungen führte. Die umstrittenen Lockdowns während der Coronazeit haben zu massiven Umsatzeinbußen und Betriebsschließungen geführt, vor allem im gastronomischen und touristischen Bereich.
Das in Berlin auf den Weg gebrachte Vergesellschaftungsrahmengesetz, welches eine Enteignung von privaten Wohnungsbauunternehmen zulässt, hat nichts mit der Abwendung einer Weltwirtschafts- oder Finanzkrise zu tun, sondern ist eine (gern zu diskutierende) ganz klar ideologisch getriebene Idee der sozialistischen Umverteilung von Vermögenswerten.
Insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten versucht der Staat, einem konjunkturellen Abwärtstrend mit regulatorischen Mechanismen entgegenzuwirken. Um stabilisierend einzugreifen, führt er zum Beispiel Sonderabgaben, Fördermaßnahmen und Rettungspakete ein. Diese sollen bei der Abfederung finanzieller Einbußen helfen und die Konjunktur stärken. Leider sind diese Maßnahmen oft nicht zielführend und selten zu Ende gedacht, siehe E-Autoförderung, Heizungsgesetz oder Klimaschutzverträge mit großen Unternehmen in der Chemie- oder Stahlindustrie (um nur einige zu nennen). Solche Maßnahmen sind immer mit einer weiteren Staatsverschuldung verbunden, die der Staat beispielsweise durch höhere Steuereinnahmen dann wieder auszugleichen versucht.
Im Spannungs- oder Notfall kann der Staat zudem auf private Vermögenswerte zugreifen. Selbst Enteignungen sind dann denkbar. Systemrelevante Unternehmen werden dann gerettet und erhalten.
Der Staat hat sich durch Gesetze abgesichert, diese staatlichen Zugriffe juristisch zulässig und korrekt durchführen zu können. Hier seien nur beispielhaft einige Gesetze der letzten 15 Jahre genannt, die diese Eingriffe legitimieren. Da wären das Schuldverschreibungsgesetz §5, das Versicherungsaufsichtsgesetz §314, das Einlagensicherungsgesetz §6, das Sanierungs- und Abwicklungsgesetz für Finanzinstitute §89 oder das neu geschaffene Lastenausgleichsgesetz. Für Unternehmen können dann noch das Energiesicherungsgesetz (EnSiG), die Treuhandverwaltung (§ 17 EnSiG) oder sogar Enteignung (§ 19 EnSiG) bedrohlich werden, oder weitere Gesetze wie das Verkehrssicherstellungsgesetz (VerkSiG), das Wirtschaftssicherstellungsgesetz (WiSiG) oder für Lebensmittelbetriebe: das Ernährungssicherstellungs- und Vorsorgesetz (ESVG).
Über allem steht die Verfassung. Artikel 14, Abs. 3 Grundgesetz erlaubt Enteignungen nur „zum Wohle der Allgemeinheit“.
Gefahr für Vermögenswerte: So greift der Staat das Ersparte an
Die Geschichte hat bereits mehrfach gezeigt, dass der Staat in Krisenzeiten auf private Vermögenswerte zugreifen kann und es auch tut. Er verfügt über eine Vielzahl gesetzlicher Instrumente. Aktuell so viele wie nie zuvor.
So führte er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg einen sogenannten Lastenausgleich ein, um Vermögensverluste auszugleichen. Vermögende mussten eine Sonderabgabe von 50% auf ihr Vermögen leisten, um Kriegsopfer und Vertriebene zu unterstützen und den Wiederaufbau zu finanzieren. Der Lastenausgleich war damals auf das private Vermögen ausgerichtet, vor allem auf Immobilien-, Betriebs- und Geldvermögen.
Während der Corona-Krise wurde der Lastenausgleich erneut diskutiert, um Vermögensabgaben gezielt zur Krisenfinanzierung einzusetzen. Selbst Sonderabgaben (Solidaritätszuschläge) und Steuererhöhungen wie die Körperschafts- und Kapitalertragssteuer, die Erbschaftssteuer, eine geplante „Reichensteuer“, eine „Übergewinnsteuer“ oder die sogenannte „Wegzugsteuer“, die im Außensteuergesetz (§ 6 AStG) geregelt ist, können das Vermögen schmälern.
Unter bestimmten Umständen kann der Staat direkt auf Eigentum zugreifen, beispielsweise durch Enteignungen für den Bau von Stromtrassen und Windparks. In Krisensituationen ist es üblich, dass Unternehmen ganz oder teilweise vom Staat übernommen werden. Ein Beispiel hierfür ist die Verstaatlichung der Großbank Hypo Real Estate im Jahr 2010. Viele Aktionäre mussten damals herbe Verluste hinnehmen und wurden gegen eine Abfindung aus dem Unternehmen gedrängt. Viele von ihnen verklagten den deutschen Staat auf Schadensersatz. Der Rechtsstreit zog sich bis 2022 hin und endete mit einem Vergleich. Dieser lag jedoch deutlich unter der geforderten Summe.
Regulatorische Eingriffe wirken sich indirekt auf die Vermögenswerte aus
Eine weitere Gefahr für das Vermögen sind regulatorische Eingriffe. Diese wirken sich zwar indirekt, aber spürbar auf Vermögenswerte aus. So können strengere Umweltauflagen beispielsweise den Wert von Immobilien senken. Unternehmer sind dann gezwungen, in neue Technologien sowie in Sicherheits- und Umweltstandards zu investieren. Entsprechen diese nicht mehr dem aktuellen Standard, verlieren sie an Wert und eignen sich daher nicht mehr als sichere Kapitalanlage.
Auch können Mietpreisbremsen und zusätzliche Auflagen zur eingeschränkten Nutzung von Vermögenswerten beitragen. Sie schmälern den Barwert des Vermögens, haben Einfluss auf die Veräußerbarkeit, und wirken sich somit negativ auf dessen Wert und Rendite aus.
Börsennotierte Unternehmen sind davon häufiger betroffen. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, dass viele Anleger aufgrund bereits vollzogener Gesetzesänderungen vorsichtiger bei Investitionen geworden sind. Für sie stellen diese regulatorischen Eingriffe ein hohes Risiko dar, da sie die Rendite dämpfen und zu einem unausgewogenen Kosten-Nutzen-Verhältnis beitragen. Gleichzeitig steigen aktuell überall die Lohn-, die Material-, die Transport-, die Lager- und Verwaltungskosten. Die Kosten treiben die Preise und die Preise die Inflation. Diese wiederum entwertet die Kaufkraft der geschaffenen Vermögenswerte. Der einzige Profiteur ist der Staat, dessen Steuereinnahmen ohne wirklichen Produktivzuwachs steigen und gleichzeitig seine Schulden entwertet. Es entsteht ein verzerrtes BIP und eine falsche Wahrnehmung für die Situation. Viel zu spät erkennen Anleger, wie kurz ein Staat, eine Wirtschaft schon vorm „Strömungsabriss“ stehen. Und immer wieder wird dabei auf die Größe angespielt, die Sicherheit bedeuten soll. Die Größe ist in dieser Betrachtung unwesentlich. Es geht ausschließlich um die „Fluglage“. Eine große Wirtschaftsnation kann genauso in Schwierigkeiten gerate wie eine kleine.
Innen- und außenpolitische Krisen als Risiko für das Vermögen
Ähnlich wie regulatorische Eingriffe können sich auch innen- und außenpolitische Risiken negativ auf das Vermögen auswirken. Wertanlagen können in Zeiten politischer Unsicherheiten und Regierungswechsel bedroht sein, beispielsweise durch höhere Unternehmenssteuern und strenge Regulierungen oder nicht zu Ende gedachter Subventionen oder Abschaltungen, wie der Kernkraftenergie ausschließlich in Deutschland. Wenn zudem politische Programme greifen, die eine Umverteilung finanzieller Lasten auf einkommensstarke Menschen und Unternehmen zum Ziel haben, sehen sich vermögende Privatanleger mit zusätzlichen finanziellen Belastungen konfrontiert.
Außenpolitische Krisen können sich nicht zuletzt auch auf das Vermögen von Kapitalanlegern auswirken. Großmächte wie die USA, Russland und China, können geopolitische Spannungen aufbauen, die zu Problemen in den Lieferketten und Sanktionen führen. Global agierende Unternehmen sind von den Folgen direkt betroffen. Internationale Krisen und militärische Auseinandersetzungen verstärken die Unsicherheit an den Finanzmärkten massiv. Viele Kapitalanleger sind daher zunehmend verunsichert. Nehmen sie nur die durch die USA herbeigeführten Zoll-Eskalationen, deren Auswirkungen auf Finanzanlagen erst in einigen Monaten sicht- und spürbar werden.
So können Unternehmer ihr Vermögen in unsicheren Zeiten schützen
In Zeiten innen- und außenpolitisch gestiegener Risiken ist es wichtiger denn je, das Vermögen vor
allem zu sichern, was eintreten kann, eben auch vor staatlichen Eingriffen. Anleger sollten dabei nichts dem Zufall überlassen und die Krisenfestigkeit ihrer Vermögenswerte prüfen. Mit dem von mir mitentwickelten Stresstest haben wir ein Verfahren geschaffen, mit dem sich die Krisenfestigkeit von Vermögenswerten und finanziellen Rücklagen testen lässt.
Dabei beziehen wir realistische Krisenszenarien mit ein, um die Sicherheit finanzieller Anlagen bereits im Vorfeld zu überprüfen. Neben Inflation, Enteignung, Goldverbot, Kriegen und Währungsreformen können auch Kapitalverkehrskontrollen und ein nachlassendes Vertrauen in das Bankensystem messbare Auswirkungen auf das Vermögen haben. Mit Folgen für die langfristige Sicherheit von Vermögenswerten.





Guter Überblick, danke dafür. Gerade Handwerksbetriebe haben das Thema oft gar nicht auf dem Schirm, obwohl sie längst digital arbeiten…
Vorsorgeuntersuchungen sind heute wichtiger denn je, weil viele Beschwerden lange unbemerkt bleiben. Wer früh checkt, kann Risiken erkennen, bevor sie…
Ein absolut wichtiger Impuls! Das Onboarding-Paket ist oft der erste physische Kontaktpunkt mit der neuen Unternehmenskultur. Aber Hand aufs Herz:…