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Mitarbeiter zu halten ist nicht immer leicht – vor allem während der vergangenen Jahre trendete das sogenannte „Job Hopping„, ein Begriff, der den ständigen Wechsel von einem Unternehmen zum nächsten innerhalb kürzester Zeit beschreibt. Es ist etwas unstimmig, das Gehalt kommt einem doch auf einmal zu gering vor oder man hat einfach Lust auf Veränderung? Einfach zum nächsten Arbeitgeber wechseln, hieß die Lösung der Job Hopper. Doch seit einiger Zeit hat sich das Blatt offenbar gewendet: Immer mehr Arbeitnehmer klammern sich regelrecht an ihre Stelle. Was steckt hinter dem Trend „Job Hugging“ – und was bedeutet er eigentlich für die Gesellschaft?

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Was genau ist „Job Hugging“ eigentlich?

Job Hugging ist das genaue Gegenteil von Job Hopping: Statt von einer Stelle zur nächsten zu springen, bleibt man trotz aller Widrigkeiten bei ein- und derselben Position. Den Begriff prägte das US-amerikanische Beratungsunternehmen Korn Ferry. „Der Begriff ‚Job Hugging‘ hat sich quasi von selbst etabliert, weil insbesondere Spitzenkräfte zögern, ihren derzeitigen Arbeitsplatz zu verlassen“, erklärte Stacy DeCesaro, Managing Consultant bei Korn Ferry, gegenüber Business Insider.

Zögern tun die Spitzenkräfte übrigens nicht, weil es bei ihrem alteingesessenen Job so viele positive Aspekte gibt. Treiber des neuen Job-Hugging-Trends ist unter anderem die Angst vor der unsicheren Wirtschaftslage. Besonders bei der Generation Z – ausgerechnet der Generation, der eine besonders hohe Wechselbereitschaft nachgesagt wurde – sei dieses Verhalten laut einer Studie der Eagle Hill Consulting Agentur stark ausgeprägt. Aktuell zeigt sie somit die größte Absicht aller arbeitenden Generationen, bei ihrem Arbeitgeber zu bleiben.

Darum wechseln Spitzenkräfte nur noch äußerst selten

Die Gründe für die neu gewonnene Zurückhaltung sind allerdings durchaus vielfältiger als es auf den ersten Blick erscheint. So sehen die Analysten von Korn Ferry unter anderem den unvorhersehbaren Wirtschaftsmarkt, die fortschreitende Disruption durch KI und einen insgesamt durch Krisen geschwächten Arbeitsmarkt als die größten Treiber des Trends. Während einerseits Stellen massenweise gestrichen werden, gerät das Jobwachstum vielerorts gleichzeitig ins Stocken.

Diese Umstände führen dazu, dass selbst Spitzenkräfte eine neue Stelle nur noch in Betracht ziehen, wenn die Bedingungen auch richtig sind. „Top-Performer warten auf einen stabileren Markt, bevor sie ein Risiko mit einer neuen Rolle und einem neuen Unternehmen eingehen“, erklärt DeCesaro in einem Beitrag des Magazins Fast Company. Daher kommt ein Jobwechsel nur noch aus drei wesentlichen Gründen in Frage:

  • große Unzufriedenheit mit der aktuellen Rolle
  • signifikant höhere Vergütung
  • wachsende Zweifel an der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens

Job Hugging: Risiko für Arbeitnehmer und Unternehmen

Aus Sicht der Arbeitgeber könnte eine geringere Fluktuation auf den ersten Blick auch erfreulich wirken: Schließlich bietet sie die Chance, Zeit und Energie in die Bindung von hochwertigen Talenten zu investieren und diese so zu fördern. Allerdings birgt der Trend durchaus auch Nachteile – sowohl für die Arbeitnehmer als auch für die Firmen.

Wer aus Angst vor einem Jobwechsel im Unternehmen verharrt, der riskiert nicht nur eine berufliche, sondern auch eine finanzielle Stagnation. Jobwechsel sind historisch gesehen einer der größten Treiber für deutliche Gehaltssprünge – denn wer neue Aufgaben übernimmt und sich neue Fähigkeiten aneignet, wird automatisch als wertvolle Ressource für das Unternehmen gesehen. Fehlende Auseinandersetzung mit neuen Aufgaben und Unternehmenskulturen bremsen allerdings die persönliche Entwicklung aus und führen mittelfristig zu Unzufriedenheit – was wiederum zum Phänomen des Quiet Quitting führen kann.

Für Unternehmen kann Stagnation wiederum einen Mangel an Innovationskraft und neuen Impulsen bedeuten. Fehlen frische Perspektiven, verfallen bestehende Teams in eine Art Komfortzone. Das macht auch die Rekrutierung neuer Spezialisten schwieriger. Auch Absolventen fällt der Berufseinstieg schwerer, wenn weniger Positionen frei werden.

Was kann man gegen Job Hugging tun?

Der Trend des Job Hugging ist eine direkte Reaktion auf die aktuelle Wirtschaftslage. Er zwingt sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer zum Umdenken. Einerseits müssen Unternehmen klare Pfade zur Weiterentwicklung der Mitarbeiter schaffen und die Motivation auf einem hohen Niveau halten. Andererseits sollten Arbeitnehmer die eigene Situation kritisch prüfen. Wichtig ist es, sich zu fragen: Klammere ich aus echter Zufriedenheit noch am Job? Oder nur aus Bequemlichkeit und Angst vor dem Unbekannten? Auch in unsicheren Zeiten sollte man seine Karriere weiterhin aktiv gestalten – wer passiv wird, stagniert.

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