Eine Frage des guten Tons: Stimmfitness im Beruf

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Eine Frage des guten Tons: Stimmfitness für Beruf und Alltag
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Zwei Drittel aller Deutschen nutzen die Stimme etwa vier Stunden täglich auf Belastungsebene. Fast die Hälfte sogar sechs Stunden oder mehr. „Gut bei Stimme“ zu sein, ist eine wichtige Anforderung in allen „sprechenden Berufen“, aber nur die wenigsten kennen und pflegen ihre Stimme bewusst. Deshalb hier ein paar leicht umzusetzende Ratschläge zur Stimmfitness im Beruf:

1. Deine Stimme ist ein äußerst sensibles Organ

Sie reagiert auf jede Form von Stress, Disharmonie, Verspannung oder Müdigkeit. Wie bei jedem Sport gilt also:

  • Wärm dich auf! Dehne und strecke dich gleich nach dem Aufwachen. Gurgel nach dem Zähneputzen und gib gleichzeitig Töne von dir.
  • Öffne immer wieder mal das Fenster, wiederhole das Dehnen und atme tief durch. Das ist wie ein Kurzurlaub für dein gesamtes Körpersystem.

2. Verspannungen im Kiefer

Verspannungen im Kiefer sind das größte Hindernis für gutes Sprechen. Ein Mittel, das zumindest vorübergehend zu verbessern, ist:

  • Aktives und herzhaftes Gähnen. Es weitet und dehnt den Kiefer, lockert den Kehlkopf und öffnet den Brustkorb. Das trainiert den gesamten Sprechapparat.
  • Ebenso effektiv ist es, die Lippen flattern zu lassen, indem du prustest wie ein Pferd. Das sorgt als Nebeneffekt auch noch für „prallere Lippen.“

3. Das effektivste Training für die Stimme

Das beste und effektivste Training für die Stimmfitness im Beruf ist das Summen. Egal was, egal wann, egal wo, leises Summen mit locker geschlossenen Lippen geht fast überall. Regelmäßiges Summen ist der Garant für eine gut funktionierende und leistungsfähige Stimme.

  • Weite dabei den Brustkorb mithilfe der Zwischenrippenmuskulatur und versuche den eigenen Klang, im Innenohr wie auch hinter dem Brustbein, zu hören. Nimm dann nach und nach alle „klingenden“ und resonanzleitenden Knochen in Schädel und Wirbelsäule wahr.
  • Das verhilft deinem persönlichen Stimmklang zu immer mehr Fülle.

4. Die Atmung von Brust- auf Bauchatmung umstellen

Die Atmung von Brust- auf Bauchatmung umzustellen ist unumgänglich für eine belastbare Stimme. Darüber hinaus dient es auch der Stressregulierung. Eine einfache Möglichkeit, dies zu trainieren ist die folgende:

  • Lege dich auf den Rücken mit einem möglichst schweren Buch o.ä. auf dem unteren Bauch und hebe dieses beim Einatmen in die Höhe. Schubse die Bauchdecke anschließend mit den Vokalen p-t-k-s-f in die Höhe.
  • Beobachte das ruhige Heben und Senken deines Unterbauches vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen. Wenn du dann noch öfter mal herzhaft lachst, trainiert dies alles die Stützkraft deines Zwerchfells und auf Dauer die Belastbarkeit deiner Stimme.

EXTRA: Was unsere Stimme mit beruflichem Erfolg zu tun hat

5. Ausatmen nicht vergessen

Wenn das Ausatmen vernachlässigt wird, gerät die Stimme mehr und mehr aus der Balance und unter Druck. Hier ein Tipp mit Sofortwirkung:

  • Atme ab und zu „im Kreis“: Mach keine Pause zwischen dem Ein- und Ausatmen, lasse beide fließend ineinander übergehen – und wiederhole den Vorgang solange du dich gut dabei fühlst.
  • Verbinde es mit der Bauchatmung und einem „geöffneten“ Brustkorb. Dann bist du schon fast ein Atem-Profi. Diese Technik ist auch sehr gut geeignet, den Körper mit neuer Energie aufzuladen.

6. Undeutliche Sprache

Sehr oft hört man Klagen über undeutliche Sprache. Um „Klartext“ sprechen zu lernen, hier ein wirksamer Schauspielertrick:

  • Krümme deinen Daumen – halte ihn quer in den Mund und versuche möglichst verständlich „um ihn herum“ zu sprechen. Das zwingt deine Lippen und Wangenmuskulatur sowie deine Zunge sich intensiver zu bewegen, was bei regelmäßiger Anwendung zu einer deutlicheren Aussprache führt.
  • Denke immer daran: „Übung macht den Meister!“

7. Wenn du doch einmal heiser bist

Wenn du doch einmal heiser bist oder du ein Kratzen im Hals spürst, hier ein uraltes Hausmittel:

  • Erwärme einen Esslöffel Olivenöl – tränke ein Stück Watte damit, und lege es dann auf den Kehlkopf (ACHTUNG: Temperatur vorsichtig vorher testen), darüber ein Papiertaschentuch und ein Baumwolltaschentuch, das man gut binden kann, dann – wenn du hast – einen Seidenschal.  Als äußerste Schicht kommt ein richtig dicker Schal darum. Dann ab ins Bett. Das wirkt Wunder!

8. Trockener Hals

Mit einem trockenen Hals ist „nicht gut sprechen“. Wenn Feuchtigkeit fehlt, tendiert die Schleimhaut unserer Stimmlippen spröde zu werden und der Klang der Stimme wird beeinträchtigt.

  • Trinke regelmäßig und möglichst gutes und vor allem „stilles“ Wasser oder auch Kräutertee.
  • Hilfreich sind zudem Emser Salz-Pastillen und/oder Isla Moos aus der Apotheke. 

9. Genügend Schlaf für die Stimmfitness im Beruf

Wie so Vieles im Leben wird auch die Stimme durch genügend Schlaf günstig beeinflusst. Unser Kehlkopf ist generell sehr störanfällig. Er reagiert „ungehalten“ auf jede Form von Stress. Nicht umsonst heißt es im Volksmund „Das hat mir die Stimme verschlagen.“

Schlafen, Summen, Schweigen sind die drei „S“, die jeder, der beruflich viel spricht, sich immer wieder in Erinnerung rufen sollte.

Wenn du die oben aufgeführten Tipps regelmäßig anwendest wird deine Stimme von Tag zu Tag stärker werden. Alle Tipps lassen sich leicht in den Alltag einbauen, und tägliches Üben führt garantiert zum Erfolg, vor allem aber zu einem bewussteren Umgang mit deinem vielleicht wichtigsten „Handwerkszeug“- neben deiner beruflichen Qualifikation. So kannst du deine Stimmfitness im Beruf erhalten.

Cornelia Fink
Die Kommunikationspsychologin Cornelia Fink ist Expertin für Stimme und Sprache. Unter dem Label StimmWege unterstützt sie seit 34 Jahren Menschen dabei, ihren eigenen authentischen Weg zu gehen. Ihr Wissen und ihre Expertise beruht auf empirischem Zahlenmaterial, das sie von Tausenden Klienten aus unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und Berufsgruppen in mehr als 25 Jahren zusammengetragen hat und auf ihren Erkenntnissen aus über 40jährigen Theatererfahrung als Schauspielerin und Regisseurin.

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