Regelmäßige Mitarbeitergespräche: So kommt ihr besser durch die Krise

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Regelmäßige Mitarbeitergespräche: So kommt ihr besser durch die Krise
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In den letzten Wochen haben die meisten Betriebe den Übergang von den „fetten Jahren“ in eine Krise auf tragische Art erfahren müssen. Umso länger die guten Zeiten anhielten und umso unerwarteter die Krise aufkam, desto herausfordernder ist der Umgang damit. Genau das charakterisiert das aktuelle globale Dilemma.

Viele Veränderungen, wie zum Beispiel die Verschiebung der Kommunikation in den digitalen Raum, fanden extrem schnell, erzwungen und unvorhergesehen statt. Die Ungewissheit über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie und deren Auswirkung auf die Wirtschaft belasten die Menschen enorm. Deshalb stellt sich jetzt die Frage:

Wie kannst du der ganz individuellen Angst bei deinen Mitarbeitern bestmöglich entgegenwirken?

Gespräche als Anker für deine Mitarbeiter

Genauso wie soziale Kontakte zu Freunden und Familien jetzt entscheidend sind, sind Gespräche mit deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das wichtigste Instrument, sie in dieser schwierigen Zeit aktiv zu unterstützen. Das heißt, empathisch mit ihren Ängsten und Sorgen umzugehen, sie offen über Veränderungen zu informieren und gleichzeitig auf noch bevorstehende Veränderungen vorzubereiten. Das zeigt Wertschätzung sowie Zusammenhalt und schafft gegenseitiges Vertrauen.

Besonders in der Krise sind persönliche Gespräche – auch wenn diese digital per Videoschaltung abgehalten werden – der Rettungsanker für manche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Gegensatz zu Teambesprechungen kannst du in Mitarbeitergesprächen auf die individuellen Bedürfnisse deiner Angestellten eingehen. Denn jeder Mensch braucht jetzt eine andere Art der Kommunikation.

Blick in die Zukunft: Kalibriere dich mit deinen Mitarbeitern

Jedes Gespräch bietet auch die Gelegenheit zur Kalibrierung: Du und dein Team könnt euch offen über Anforderungen, aber auch Erwartungen und Sorgen in Hinblick auf die Zukunft austauschen. Auch wenn noch vieles unklar ist – in Gesprächen könnt ihr diverse Zukunftsszenarien besprechen und dabei mögliche Differenzen erkennen und beseitigen.

4 Tipps für bessere Mitarbeitergespräche

Ganz gleich, welche Art der Kommunikation – einfühlsam, fordernd oder direkt – du für den jeweiligen Angestellten wählst: Mit einigen wenigen Tipps ermöglichst du einen offenen und ehrlichen Austausch. Unabhängig davon, ob das Mitarbeitergespräche digital, zum Beispiel per Videoanruf, oder klassisch stattfindet.

1. Bereite dich frühzeitig und gründlich vor

Wie eingangs erwähnt, bedarf ein jeder und eine jede einer individuellen Ansprache – je nach Position, Situation und Persönlichkeit. Deshalb ist eine gründliche Vorbereitung auf ein Gespräch so wichtig. Dabei solltest du auf die inhaltliche, organisatorische und mentale (deine Einstellung, dein Mindset) Vorbereitung achten. Anlass, Ziele, Ort und Zeit des Gesprächs solltest du frühestmöglich festlegen und in einer persönlichen Einladung – zum Beispiel per E-Mail – mitteilen.

2. Schenke deinen Mitarbeitern ein offenes Ohr

Führungskräfte reden gerne mal viel und lang, da sie ihrem Team ja etwas zu sagen haben. Viel wichtiger ist es in einer schwierigen Situation jedoch, deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein offenes Ohr zu schenken. Ziel sollte es sein, dass der Gesprächsanteil deines Mitarbeiters circa 70 Prozent beträgt. Das heißt: Höre zu und stelle viele offene Fragen.

EXTRA: Aktives Zuhören: Mit der 3-Schritte-Technik effektiver kommunizieren

3. Kommuniziere in Ich-Botschaften

Besonders wenn es um schwierige Themen geht, können sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schnell persönlich angegriffen fühlen. Dem kannst du zuvorkommen, indem du in Ich-Botschaften kommunizierst. Zum Beispiel: „Ich habe das Gefühl, dass dich die aktuelle Situation stark belastet. Mich interessiert, wie es dir geht.“ Anstatt: „Du bist in den letzten Tagen echt schlecht drauf, was ist denn los mit dir?“

4. Achte auf deine Sprachschärfe

Klarheit ist ein Eckpfeiler erfolgreicher Kommunikation.

Was bedeutet das für Mitarbeitergespräche? Erstens, auf den Punkt zu kommen und zweitens auf die Sprachschärfe zu achten. Verzichte auf Weichmacher wie:

  • „vielleicht“
  • „manchmal“
  • Konjunktive

Dein Team fühlt sich abgeholt, verstanden und wertgeschätzt. Du gewinnst an Ansehen, Vertrauen und schaffst die Voraussetzung für gemeinsamen Erfolg. Viele Themen können durchaus auf digitalem Wege besprochen werden – bevorzugt per Videoschaltung. Wichtig ist jedoch zu beachten, dass du hochemotionale Themen und Kritik – sofern das irgendwie möglich ist – von Angesicht zu Angesicht besprichst.

Das kann passieren, wenn Gespräche ausbleiben

Leider ist ein regelmäßiger Austausch zwischen Führungskräften und einzelnen Mitarbeitern in vielen Unternehmen nicht gang und gäbe.

Mitarbeitergespräche sind bei vielen Führungskräften unbeliebt, denn sie fühlen sich schlecht vorbereitet und unsicher. Doch wer – aus welchem Grund auch immer – auf regelmäßige Mitarbeitergespräche verzichtet, nimmt die Folgen dafür in Kauf: Schwierige Situationen bleiben ungelöst und nehmen an Komplexität zu. Das führt letztlich zu noch mehr Unzufriedenheit, Unsicherheit und Misstrauen. Und ob du eine Botschaft per Videobotschaft, im digitalen Team-Meeting oder in Einzelgesprächen verkündest, hängt davon ab, wie groß und homogen das Team ist, wie gravierend die Botschaft ist und wie sehr einzelne Mitarbeiter betroffen sind. Diese Entscheidung triffst du am besten von Fall zu Fall.

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Ralf Strupat
Ralf R. Strupat ist Umsetzungsexperte für gelebte Begeisterung. Seit fast zwanzig Jahren in Unternehmen beratend, trainierend und aktiv begleitend unterwegs – nah an der Basis bei Themen, die Führungskräfte und Gründer bewegen. Ganzheitlich, praxis- und lebensnah wie kaum ein anderer – mit Werkzeugen die sofort einsetzbar sind. www.begeisterungsland.de

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