Lachen ist gesund: So meistern Sie heikle Situationen mit Humor!

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Methode 3: das Problem verschlimmern

Ein weiteres Mittel, um beim Gegenüber festgefahrene Sichtweise zu lockern, sind paradoxe Fragen und Aussagen. Also statt zu fragen „Wie lösen wir das Problem?“ beispielsweise zu fragen: „Wie verstärken wir das Problem?“ Eine solche Intervention löst beim Gegenüber oft eine problemlösende Gegenreaktion aus. Eine Erfahrung, die zum Beispiel auch Eltern oft sammeln: Wer Kinder bittet, mit dem Schreien aufzuhören, wird wahrscheinlich wenig erfolgreich sein. Wer hingegen Kinder auffordert, noch lauter zu schreien, merkt in der Regel bald: Das Schreien verebbt.

Überraschen Sie also in heiklen Situationen Ihr Gegenüber zuweilen mit scheinbar paradoxen Fragen oder Aufforderungen. Fragen Sie zum Beispiel: „Wie schaffen Sie es, noch schlechter zu schlafen?“ Oder: „Was müsstest Du tun, damit Du endlich einen Burnout erleidest?“ Oder: „Wie erreichen Sie es totsicher, dass Ihr Chef Sie entlässt?“

Methode 4: dem „Gummibaum“ lauschen

Hilfreich für einen Perspektivwechsel sind auch Dissoziationen. Das heißt, sich quasi von außen zu betrachten und sich zu fragen: „Wie sehen mich andere?“ Dadurch wird ein schärferes Bewusstsein für die eigenen Verhaltensweisen erreicht. Dieses bringt wiederum neue Sichtweisen hervor und setzt Reflexionsprozesse in Gang. Das ist wichtig, um festgefügte Denk- und Verhaltensstrukturen aufzubrechen.

Typische Fragen dazu wären: „Was glauben Sie, was Ihr Kollege x denkt, wenn er Sie so aufgebracht sieht?“ Oder: „Was würde Ihr Chef zu diesem Problem sagen?“. Oder: „Was würde Ihnen Ihre Mutter in dieser Situation raten?“

Zu dieser eher ernsten Betrachtungsweise gibt es humorvolle Alternativen. Zum Beispiel: „Was würde mir der Gummibaum in Ihrem Wohnzimmer über die Kommunikation in Ihrer Familie erzählen?“ Oder: „Wie würde Ihre Katze Sie beschreiben?“

Humor nur sehr selektiv und gezielt einsetzen

Alle vorgenannten Methoden, um einer Person mit Humor eine neue Sichtweise auf ein Problem oder eine Situation zu eröffnen, haben eins gemein: Es ist enorm wichtig, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann sie genutzt oder nicht genutzt werden können. Zudem sollte man selbst ausgeglichen und relaxt sein. Sonst bekommen humorvoll gemeinte Aussagen schnell einen sarkastisch und somit verletzenden Unterton.

Humor in heiklen (Gesprächs-)Situationen als Instrument zum Lösen von Spannungen und Eröffnen neuer Perspektiven zu nutzen, ist eine schmale Gratwanderung. Prüfen Sie deshalb, bevor Sie sich für den Einsatz dieses Instruments entscheiden, stets: Wie tragfähig ist unsere Beziehung? In welcher mentalen Verfassung ist mein Gegenüber? Und: Was verrät mir seine Körpersprache? Ist er beispielsweise innerlich kurz vorm „Platzen“, dann sollten Sie auf Humor verzichten. Ebenso ist es, wenn Sie spüren, es kostet Ihr Gegenüber viel Überwindung sich Ihnen zu öffnen. Entsprechendes gilt, wenn Sie selbst unsicher sind, ob Humor in der aktuellen Situation ein geeigneter Problem- beziehungsweise Spannungslöser ist. Dann sollten Sie auf seinen Einsatz verzichten. Denn Humor ist kein einfach zu handhabendes Interventionsinstrument. Aber manchmal – und mit der erforderlichen Übung – ein sehr wirkungsvolles.

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