Wen wenige Namen stehen so sinnbildlich für die deutsche Nachkriegs-Verlagsgeschichte wie der Name Holtzbrinck. Als ältester Sohn des Verlagsgründers Georg von Holtzbrinck wurde Dieter von Holtzbrinck die Leidenschaft für gedrucktes und publiziertes Wort quasi in die Wiege gelegt. Doch er begnügte sich nicht damit, lediglich auf den Erfolgen der Familie auszuruhen. Vielmehr trat er an, um das Unternehmen seines Vaters internationaler, breiter und moderner aufzustellen. Von der Führung der Handelsblatt GmbH über die Beteiligung an namhaften Print- und Medienmarken bis hin zur Entflechtung und Neugründung der Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DvH Medien) – sein Lebenswerk zeugt von unternehmerischem Mut, Verhandlungsgeschick und einem unerschütterlichen Glauben an die Kraft der Medien. Anlässlich seines Geburtstags lohnt sich ein Blick auf einen Mann, der im Hintergrund die Fäden zog und die Medienwelt in Deutschland nachhaltig formte.
Das Verlags-Flaggschiff Handelsblatt
Georg Dieter von Holtzbrinck wurde am 29. September 1941 in Stuttgart geboren. Schon sein Vater, Georg von Holtzbrinck, war Verleger und Unternehmer. Er wuchs zusammen mit seinen Geschwistern Monika Schoeller und Karin von Holtzbrinck auf, dazu kam sein Halbbruder Stefan von Holtzbrinck. Holtzbrinck studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität St. Gallen und absolvierte in den folgenden anderthalb Jahren ein Verlagspraktikum in den USA. 1980 – mit gerade einmal 29 Jahren (!) – trat er schließlich als geschäftsführender Gesellschafter in die Handelsblatt GmbH ein, die damals schon zur Verlagsgruppe seines Vaters gehörte.
Nach dem Tod des Vaters (1983) übernahm Dieter von Holtzbrinck die operative Führung und trieb in den 1980er- und 90er-Jahren die Expansion voran – sowohl national als auch international, unter anderem durch den Zukauf renommierter US-Wissenschaftsverlage. Seine persönliche Leidenschaft galt schon immer der Wirtschaftsberichterstattung. Unter seiner Führung wurde das Handelsblatt zu einer absoluten, international geachteten Institution des Wirtschaftsjournalismus in Deutschland aufgebaut. Nach Differenzen im Gesamtkonzern mit seinem jüngeren Halbbruder Stefan zog sich Dieter von Holtzbrinck im Jahr 2001 zunächst aus dem operativen Geschäft zurück.
Kampf um die Süddeutsche Zeitung
Ende 2007/Anfang 2008 versuchte Dieter von Holtzbrinck, die Mehrheit an der Süddeutschen Zeitung (bzw. dem Süddeutschen Verlag) zu übernehmen. Er startete das Vorhaben gemeinsam mit finanzkräftigen Investoren, darunter auch die US-Investmentbank Goldman Sachs. Die Aktion war nicht nur wirtschaftlich ein Riesenprojekt, sondern auch familiär recht brisant.
Auch sein Halbbruder Stefan hatte bereits zeitgleich die Fühler nach der Süddeutschen ausgestreckt. Die beiden konkurrierten hier zeitweise offen im Bieterverfahren. Am Ende blieb der Vorstoß jedoch für beide erfolglos. Zum einen gab es massive juristische Hürden und Widerstände von Mitgesellschaftern (insbesondere der Südwestdeutschen Medienholding, die über ein Vorkaufsrecht verfügte). Zum anderen verkomplizierten die internen Familienkonstellationen den Deal. Die Süddeutsche Zeitung ging letztlich an die SWMH.
Im Jahr 2009 gelang ihm jedoch ein spektakulärer Coup. Er kaufte sich aus dem Familienkonzern aus und übernahm die Kontrolle über das Handelsblatt, den Tagesspiegel sowie Anteile an der Zeit. Damit schuf er mit der DvH Medien GmbH ein hochprofitables, angesehenes Medienhaus, das für Qualitätsjournalismus steht. Auch wenn die Süddeutsche also ein unerfüllter Traum blieb, bewies er kurz darauf mit der Gründung der DvH Medien, dass er das Geschehen in der deutschen Medienlandschaft auch ohne diesen Zukauf nachhaltig dominieren konnte.
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