Bereits bei Folie zwei hebt sich eine Hand. „Was genau bedeutet das?“ Ein einziger Satz – zehn Wörter, drei Fachbegriffe – bringt den gesamten Vortrag ins Stocken. Und was im Meeting passiert, passiert im Unternehmensalltag ständig: Ein paar unklare Formulierungen reichen, damit KundInnen das Interesse verlieren, Teams aneinander vorbeiarbeiten oder BewerberInnen abspringen. Hinter vielen dieser Situationen stecken drei Kommunikationsfehler, die sich erstaunlich schnell beheben lassen.
Unklare Kommunikation in Zahlen
Unklare Kommunikation kostet viele Unternehmen täglich Zeit, Geld und Marktchancen:
- Rund 3,2 Stunden/Woche verbringen Mitarbeitende damit, unklare Nachrichten oder Anweisungen zu entschlüsseln oder nachzufragen (Quelle).
- Mehr als 60 % der BewerberInnen brechen einen Bewerbungsprozess ab, wenn Formulare zu lang sind oder die Kommunikation unklar ist (Quelle).
- Studien zeigen, dass der Großteil der Webseiten-BesucherInnen eine Seite innerhalb weniger Sekunden verlässt, wenn der Nutzen nicht sofort erkennbar ist (Quelle).
Meistens sind es nicht die großen Dinge, die Kommunikation ins Straucheln bringen, sondern kleine Muster, die man schnell ändern kann. Drei davon kommen besonders häufig vor.
Fachsprache statt Klartext
Es beginnt oft harmlos: ein Satz, der Eindruck machen soll, aber beim Lesen ausbremst.
Viele Formulierungen wirken für dich völlig logisch, schließlich nutzt du sie jeden Tag. Für andere hingegen bleiben Fachbegriffe, Abkürzungen oder interne Wörter ein Rätsel. Sie bremsen den Lesefluss, erzeugen unnötige Rückfragen oder führen dazu, dass Menschen gedanklich aussteigen.
Quick-Lösung (in unter 5 Minuten):
Lies den Satz laut vor. Stolperst du an einer Stelle, streiche das Wort und nimm ein einfacheres. Wenn Du etwas erklären müsstest, ersetze es durch ein kurzes Beispiel.
Zu viel “Wir”, zu wenig Nutzen.
Ein kleines Wort kann bereits zu einem großen Stolperstein werden: WIR.
Viele Unternehmen erzählen zuerst von sich: was sie tun, was sie anbieten, was ihnen wichtig ist. Für KundInnen, BewerberInnen oder PartnerInnen bleibt dabei oft unklar, was das für sie bedeutet. Der Text bleibt blass, wirkt austauschbar oder verliert schon in den ersten Zeilen an Wirkung.
Quick-Lösung (in unter 5 Minuten):
Suche in deinem Text drei Sätze, die mit „Wir“ beginnen. Formuliere sie so um, dass die LeserInnen sofort sehen, was sie davon haben:
Statt „Wir sind zuverlässig“ → „Du kannst dich darauf verlassen, dass …“
Statt „Wir bieten XY an“ → „Du bekommst …“
Schon ein oder zwei Umformulierungen reichen oft, damit dein Text klar zeigt, warum er für andere relevant ist.
Floskeln, die nichts sagen
Manche Sätze klingen stark und professionell, sagen aber nichts Konkretes.
Begriffe wie kundenorientiert, innovativ oder maßgeschneidert liest man überall. Und genau deshalb bleiben sie wirkungslos: Sie erzeugen kein Bild. Für KundInnen, BewerberInnen und PartnerInnen klingt der Text dann wie viele andere: austauschbar und ohne Profil.
Floskeln geben ein Gefühl von Sicherheit, aber sie sagen nichts über dich oder dein Unternehmen aus. Und genau deshalb verpufft ihre Wirkung.
Quick-Lösung (in unter 5 Minuten):
Streiche drei Floskeln und ersetze sie durch eine kleine Szene oder ein konkretes Beispiel.
Statt „kundenorientiert“ → „Du rufst an, sagst kurz, was los ist, und wir stehen zum vereinbarten Termin bei dir auf der Matte.“
Statt „innovativ“ → „Wird ein Auftrag knifflig, stecken wir nicht den Kopf in den Sand. Wir suchen das Werkzeug, mit dem wir’s hinbekommen.“
Statt „zuverlässig“ → „Wenn wir Dienstag sagen, stehen wir Dienstag vor deiner Tür. Nicht Mittwoch, nicht Donnerstag.“
Um die drei Fehler im Alltag besser im Blick zu behalten, hilft ein kurzer 60-Sekunden-Check.
Dein 60-Sekunden-Klartext-Check
Ein schneller Blick auf diese Punkte zeigt dir, ob dein Text klar ist. Oder ob sich einer der typischen Fehler eingeschlichen hat.
☐ Versteht eine fachfremde Person jeden Satz beim ersten Lesen?
(Fachbegriffe → raus oder erklären)
☐ Beginnst du mit dem, was für die LeserInnen wichtig ist? Nicht mit dir?
(Leserfokus statt Wir-Perspektive)
☐ Erzeugt jeder Satz ein klares Bild. Oder nutzt du leere Floskeln?
(Austauschbares → konkret machen)
☐ Kannst Du den Text laut lesen, ohne ins Stocken zu geraten?
(holprige Stellen → vereinfachen)
☐ Ist klar, was die LeserInnen als Nächstes wissen oder tun soll?
(Nutzen und Orientierung → deutlich machen)
Klarheit entsteht nicht durch komplizierte Formulierungen, sondern durch Gedanken, die leicht nachvollziehbar sind. Wenn du deine Texte bewusst schärfst, entstehen Momente, in denen andere sofort verstehen, was du meinst. Und genau diese Momente entscheiden, ob Kommunikation verbindet oder wirkungslos verpufft.




Danke für einen überaus gelungenen Beitrag, vor allem kommt sehr gut rüber, dass Optimierungen für LLMs/KI Suchen eben nicht losgelöst…
Stark. Ich hab vor Kurzem angefangen, mich mit dem Thema Schilddrüse zu beschäftigen. Wusste nicht, dass ein erhöhter TSH-Wert so…
Der Punkt mit den mindestens 60 Prozent gewerblicher Nutzung, damit ein Wohnhaus als Gewerbeimmobilie zählt, war mir so nicht klar.…