Der Berufseinstieg in Deutschland wird für junge Menschen zunehmend zum Problem. Eine aktuelle Auswertung des Jobportals Indeed zeigt, dass die Zahl der ausgeschriebenen Einstiegsstellen seit dem Rekordjahr 2022 um mehr als zwei Drittel eingebrochen ist. Der Gesamtmarkt verlor im selben Zeitraum lediglich rund 39 Prozent – der Rückgang bei den Nachwuchsstellen fällt also fast doppelt so stark aus. Noch bis Mitte 2022 hatte sich die Lage für Absolventen und Berufsanfänger positiv entwickelt: Im Juli jenes Jahres lag das Angebot an Einstiegsjobs laut Indeed 75 Prozent über dem Niveau von 2019. Seitdem hat sich die Situation jedoch drastisch gedreht. In 26 von 28 untersuchten Berufsgruppen schrumpfte das Stellenangebot, in 23 davon sogar stärker als auf dem Arbeitsmarkt insgesamt. Besonders Bürojobs und Wissensberufe sind betroffen.

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IT-Branche verliert drei Viertel aller Einstiegsstellen

Am härtesten trifft der Einbruch die IT-Branche: Im Bereich IT-Anwendungen und -Lösungen gingen die Stellenangebote für Berufsanfänger um 77 Prozent zurück – der stärkste Rückgang aller untersuchten Felder. Auch angrenzende Bereiche wie Daten und Analytics, IT-Infrastruktur sowie Software-Entwicklung verzeichnen laut Indeed kaum geringere Verluste.

Ähnlich düster sieht es im Marketing aus, wo das Angebot um 75 Prozent schrumpfte. Im Projektmanagement beträgt das Minus 60 Prozent. Lediglich zwei Berufsgruppen verzeichneten Zuwächse: Pflege, Medizin und Pharmazie legten um 18 Prozent zu, Gastronomie und Hotellerie um 10 Prozent. Selbst wer noch studiert, spürt die Flaute bereits. Bei Praktika und Werkstudentenstellen registriert Indeed ebenfalls deutliche Rückgänge – in der Softwareentwicklung und bei IT-Anwendungen liegt das Minus bei rund 50 Prozent.

Ausbildungsmarkt trotzt der Krise

Ein völlig anderes Bild zeichnet sich bei den Ausbildungsplätzen ab. Zwischen August 2025 und Juli 2026 lagen die Ausschreibungen für Lehrstellen und duale Studiengänge rund 50 Prozent über dem Wert von 2019. Zwar sinkt auch hier das Niveau gegenüber den Spitzenwerten, doch der Rückgang verläuft wesentlich langsamer als bei den Einstiegsjobs für Absolventen.

In 20 von 23 Berufsgruppen entwickelte sich das Ausbildungsangebot besser als das Pendant bei den Einstiegsstellen. Besonders deutlich zeigt sich die Kluft in der Softwareentwicklung: Während Einstiegsjobs in diesem Feld seit 2019 um 70 Prozent wegbrachen, lagen Ausbildungsplätze wie etwa zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung laut Indeed weiterhin 27 Prozent über dem Ausgangsniveau. Betriebe halten offenbar auch in wirtschaftlich schwierigen Phasen an der Nachwuchsqualifizierung im eigenen Haus fest.

Konjunkturflaute statt Künstliche Intelligenz

Obwohl KI-Tools zunehmend Routinetätigkeiten erledigen können, die früher typische Anfängeraufgaben waren, sieht Indeed-Ökonomin Virginia Sondergeld darin nicht den entscheidenden Faktor. „Anhand der aktuellen Datenlage lässt sich ein KI-Effekt bislang nicht belegen“, erklärte sie. Der Abwärtstrend bei den Einstiegsstellen habe bereits im Sommer 2022 eingesetzt – also noch bevor ChatGPT überhaupt auf den Markt kam.

Als zentrale Ursache identifiziert die Arbeitsmarktexpertin die anhaltende Wirtschaftsschwäche. „Berufseinsteiger sind vordergründig das erste Opfer der schwachen Konjunktur, weil Unternehmen in unsicheren Zeiten zuerst dort sparen, wo sie in Nachwuchs investieren müssten“, so Sondergeld. Neue Mitarbeiter ohne Erfahrung verursachen zunächst Kosten für Einarbeitung und Weiterbildung – Ausgaben, die Firmen in Krisenzeiten scheuen. Als wirksamste Gegenmaßnahme fordert die Ökonomin daher vor allem eines: „Eine Wirtschaft, die wieder wächst.“

Ein Jahrgang mit bleibenden Narben

Die Folgen des Stellenabbaus könnten weit über die aktuelle Krise hinausreichen. „Aus Studien wissen wir, dass dies langfristige Narben in ihren Erwerbsbiografien hinterlassen kann, etwa in Form niedrigerer Gehälter, die sich später nur schwer aufholen lassen“, warnte Sondergeld. „Es droht ein Jahrgang, der mit einem Startnachteil ins Erwerbsleben geht.“

Die Expertin rät jungen Menschen deshalb, den Weg über eine betriebliche Ausbildung ernsthaft in Betracht zu ziehen. Betriebe qualifizierten ihren Nachwuchs gezielt für den eigenen Bedarf und übernähmen Auszubildende häufig nach dem Abschluss. Genau das trage dazu bei, dass Deutschland europaweit eine der niedrigsten Jugendarbeitslosenquoten aufweise – laut Eurostat lag sie 2025 bei 7,1 Prozent. Allerdings mahnt Sondergeld, dass Ausbildungsinhalte dringend an die KI-Transformation angepasst werden müssten, damit Auszubildende keine Tätigkeiten erlernen, die bald Maschinen übernehmen.

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Felix Schneider

Felix Schneider ist seit November 2024 bei Unternehmer.de. Nach seinem Studium der Buch- und Medienwirtschaft in Leipzig und einem ersten Exkurs in den Onlinejournalismus beim PRINZ-Magazin entschied er sich, in der Messestadt zu bleiben. Heute ist er SEO & Autor für Unternehmer.de, News.de und Qiez.de. Hier schreibt er vor allem über neue Technologien wie KI und gibt Insights in die Perspektiven der Gen Z. Auch auf X und LinkedIn zu finden.

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