Jung, Sneaker, Hoodie im loftartigen Coworking-Space: So sieht für viele der typische Gründer aus. Präsentationen vor Investoren, hippe Startup-Events und erste Millionenbewertungen in PowerPoint. An Gründer, die aus dem Handwerk kommen, denkt dabei kaum jemand. Sie starten nicht mit Venture Capital, sondern mit Werkzeug in der Hand. Ihre Kunden kennen sie nicht aus Marktstudien, sondern vom täglichen Kontakt. Und sie lernen früh, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen – im Kleinen wie im Großen.
Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Mein Weg begann nicht in der Uni-Bibliothek, sondern in der Ausbildung zum Industriemechaniker. Heute leite ich zwei Unternehmen. Mit Solar Süddeutschland und Wärmepumpen Süddeutschland installieren wir Solaranlagen und Wärmepumpen im Rekordtempo. Und ich bin überzeugt:
Eine handwerkliche Ausbildung ist eine unterschätzte Schule des Unternehmertums.
Auf der Baustelle gibt es keine endlosen Strategie-Meetings. Es muss schnell eine Lösung her. Diese Einstellung ist Gold wert, wenn man ein Unternehmen aufbaut, das ständig neuen Herausforderungen gegenübersteht. Wer von Anfang an direkt mit den Kunden zusammenarbeitet, weiß, worauf es wirklich ankommt. Gründer mit handwerklichem Hintergrund entwickeln keine Produkte „an der Realität vorbei“, sondern Lösungen, die den Alltag verbessern.
Doch ein unkonventioneller Start allein macht noch keine Erfolgsgeschichte. Entscheidend ist, wie man mit den eigenen Erfahrungen umgeht und was man für den nächsten Schritt daraus lernt. Mein Weg zeigt, dass aus der Kombination von Praxisnähe, Durchhaltevermögen und der Bereitschaft, sich immer wieder neu auszurichten, ein starkes Fundament fürs Unternehmertum entsteht. Aus all dem haben sich für mich einige Grundsätze herauskristallisiert, die ich heute jedem mitgeben würde, der den Sprung ins Unternehmertum wagen möchte.
Weiterbildung als Daueraufgabe
Wer ein Unternehmen gründet, darf niemals den Fehler machen, zu glauben, das Ziel sei mit der Gewerbeanmeldung oder der ersten erfolgreichen Auftragsserie erreicht. Im Gegenteil: Ab diesem Moment beginnt das eigentliche Lernen. Für mich war das Handwerk nie ein Endpunkt, sondern immer eine Startlinie. Die Ausbildung hat mir eine solide Basis gegeben. Aber schnell wurde mir klar: Wenn ich ein Unternehmen aufbauen und in einer hochinnovativen Branche bestehen will, muss ich mein Wissen ständig erneuern und erweitern.
Gerade in der Solar- und Wärmepumpenbranche ändern sich Technologien, gesetzliche Rahmenbedingungen und Kundenanforderungen in rasantem Tempo. Wer hier nicht am Ball bleibt, verliert sofort den Anschluss. Deshalb habe ich von Anfang an auf Weiterbildung gesetzt. Ein wichtiger Meilenstein war die Weiterbildung zum Energieeffizienz-Experten. Sie hat mir nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch ein Netzwerk eröffnet, das heute für mich und mein Unternehmen sehr wertvoll ist. Für mich bedeutet Weiterbildung nicht, einmal einen Titel zu erwerben und ihn dann ins Regal zu stellen, sondern kontinuierlich offen zu bleiben, Fragen zu stellen und Dinge infrage zu stellen. Genau das macht diese Branche so spannend und sorgt dafür, dass ich mich nie zurücklehne.
Gründer brauchen Haltung, nicht nur Kapital
Zur Gründung gehört natürlich auch Geld. Ohne Startkapital lässt sich weder ein Team aufbauen noch ein Lager anmieten oder Material einkaufen. Wer jedoch glaubt, dass Kapital allein den Erfolg garantiert, irrt sich. Viel wichtiger ist die Haltung, mit der man Hürden angeht.
Ich habe das selbst erlebt: Bei meiner Hausbank stieß ich zunächst auf taube Ohren. Trotz eines ordentlichen Eigenkapitals und eines durchdachten Businessplans wurde mein Antrag abgelehnt. Solche Momente sind ernüchternd. Doch statt mich entmutigen zu lassen, habe ich daraus eine Lehre gezogen. Absagen gehören zum Gründeralltag dazu. Sie sind kein Urteil über die eigene Idee, sondern oft nur Ausdruck dafür, dass man den falschen Gesprächspartner vor sich hat.
Also habe ich weitergesucht, meine Argumente geschärft und meine Zahlen noch klarer aufbereitet. Schließlich habe ich einen Banker gefunden, der meine Vision verstand. Mit seiner Unterstützung konnte ich Solar Süddeutschland auf solide Beine stellen. Der Weg dorthin war steinig, aber er hat mir gezeigt: Haltung, Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, immer wieder aufzustehen, sind mindestens genauso wichtig wie ein Darlehen.
Vom Macher zu Mentor
Heute, einige Jahre später, stehe ich nicht mehr allein mit einem Werkzeugkoffer auf der Baustelle. Mittlerweile sind 25 motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Solar Süddeutschland und Wärmepumpen Süddeutschland beschäftigt.
Genau hier kommt eine weitere Herausforderung ins Spiel: der Rollenwechsel. Am Anfang packt man alles selbst an, vom Vertrieb über die Technik bis hin zur Organisation. Doch sobald das Team wächst, ist ein neuer Fokus erforderlich. Anstatt selbst jede Schraube festzuziehen, ist es wichtiger, Mitarbeitende zu motivieren, ihnen Verantwortung zu übertragen und die gemeinsame Vision vorzuleben.
Das musste auch ich erst lernen: Gute Führung bedeutet, Vertrauen zu geben, klare Ziele zu setzen und gleichzeitig präsent zu sein, wenn Unterstützung benötigt wird. Nicht jede Entscheidung treffe ich selbst und das ist auch gut so. Dafür investiere ich mehr Energie in Kommunikation, Feedback und Teamentwicklung. Es ist ein täglicher Lernprozess, aber einer, der entscheidend dafür ist, dass das Unternehmen nicht nur wächst, sondern auch gesund bleibt.
Zeit für ein neues Gründerbild
Was anfangs wie ein ungewöhnlicher Karrierepfad wirkte, vom Industriemechaniker über die Versicherungsbranche hin zum Gründer eines Solarunternehmens hat sich rückblickend als Erfolgsmodell erwiesen. Denn genau diese Mischung aus handwerklicher Praxis, kaufmännischem Verständnis und der Bereitschaft, Neues zu lernen, ist es, die unser Unternehmen stark macht.
Wer anpackt, sich weiterbildet und Verantwortung übernimmt, hat alles, was es braucht, um erfolgreich zu gründen. Vielleicht sollten wir endlich ein paar Stereotype erweitern: Handwerk ist kein Plan B, sondern ein Plan A mit Zukunft.




Danke für einen überaus gelungenen Beitrag, vor allem kommt sehr gut rüber, dass Optimierungen für LLMs/KI Suchen eben nicht losgelöst…
Stark. Ich hab vor Kurzem angefangen, mich mit dem Thema Schilddrüse zu beschäftigen. Wusste nicht, dass ein erhöhter TSH-Wert so…
Der Punkt mit den mindestens 60 Prozent gewerblicher Nutzung, damit ein Wohnhaus als Gewerbeimmobilie zählt, war mir so nicht klar.…