Vom Kaufmann zum Betriebswirt: Diese Möglichkeiten gibt es

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Vom Kaufmann zum Betriebswirt: Diese Möglichkeiten gibt es
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Vom Kaufmann zum Betriebswirt mausern? Mit einer Weiterbildung ist das problemlos möglich. Welche Mindestvoraussetzungen gelten für den Aufstieg ins obere Management? Welche Tätigkeitsschwerpunkte haben Betriebswirte und wie sieht es mit den beruflichen Perspektiven aus? Wir klären auf.

Beruflicher Aufstieg auch ohne Studium?

Lange Zeit über galt ein abgeschlossenes Studium als Garant für beruflichen Erfolg.

Gutes Einkommen, hoher Status und sozialer Aufstieg – Karriere und Studium waren bislang untrennbar miteinander verbunden. Doch mit dem Studienabschluss stellt sich der berufliche Erfolg nicht automatisch ein. Die Sprossen der Karriereleiter können nur durch erfolgreiches Netzwerken und viel Engagement erklommen werden. Beruflich aufsteigen klappt mittlerweile übrigens auch ohne Hochschulstudium. Bestes Beispiel: Der Kaufmann, der Karriere mit einer Weiterbildung als Betriebswirt IHK macht. Möchte man Karriere machen ohne dafür studieren zu müssen, stellt die Aufstiegsfortbildung eine gute Alternative.

Der staatlich geprüfte Betriebswirt ist einer der höchsten betriebswirtschaftlichen Abschlüsse, den ausgebildete Kaufleute auf nicht-akademischem Weg erreichen können. Dank generalistischer Berufsfortbildung können Karrierechancen und Gehaltsaussichten gleichermaßen steigen.

Diese Voraussetzungen gelten für eine Aufstiegsfortbildung

Wer als Betriebswirt beruflich durchstarten möchte, tut gut daran, sich für eine fundierte Weiterbildung zu entscheiden. Diese wird von Berufsverbänden, unternehmensintern oder von privaten Trägern angeboten. Bevor man diesen Weg einschlägt, sollte man jedoch überprüfen, inwieweit man die geforderten Voraussetzungen erfüllt. Für die Weiterbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt gelten folgende Voraussetzungen:

  • Du hast die mittlere Reife, die Fachoberschulreife oder einen vergleichbaren Schulabschluss in der Tasche.
  • Du besitzt eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung und kannst für die Zulassung zur Prüfung mindestens ein Jahr Berufserfahrung nachweisen. Alternativ besitzt du mindestens 5 Jahre praktische Erfahrung im verwaltenden oder kaufmännischen Bereich.
  • Du kannst nachweisen, dass du einen Berufsabschluss besitzt.

Idealerweise besteht eine Affinität zu Zahlen und dem Rechnungswesen. Auch eine analytische Denkweise sollte als Qualifikation mitgebracht werden – sie erleichtert die Arbeit für Betriebswirte. Ebenso hilfreich: ein besonderes Gespür für Branchentrends, sofern man als Experte in der Marketingabteilung arbeiten möchte. Für zukünftige Manager im Logistikbereich sind Fremdsprachenkenntnisse ein großer Pluspunkt. Im Personalwesen sind hingegen Kommunikationstalent und Empathie gefragt.

Fördermöglichkeit Aufstiegs-BAföG

Schlägt man den Weg einer Fortbildung ein, kann dies eine große finanzielle Belastung bedeuten.

Die Kosten für Präsenz- oder Fernlehrgang inklusive Gebühren für die Abschlussprüfung sowie die benötigten Lernmaterialien können bei bis zu 9.000 Euro liegen. Zwar können diese Kosten meistens in monatlichen Raten beglichen werden, doch auch dies schmälert den finanziellen Aufwand nicht wirklich. Gut, dass es das Aufstiegs-BAföG gibt. Fällt man unter die Zielgruppe, erhält man vom Staat für die Zeit der Weiterbildung finanzielle Unterstützung. Diese wird monatlich gezahlt.

Um die Förderung zu erhalten, muss die Maßnahme mindestens 200 Unterrichtsstunden umfassen. Entscheidet man sich für die Fortbildung in Teilzeit, müssen pro Woche durchschnittlich 18 Unterrichtsstunden stattfinden, bei Vollzeitfortbildungen sind es pro Woche mindestens 25 Unterrichtsstunden, die an vier Werktagen stattfinden müssen. Dabei ist zu beachten, dass Teilzeitmaßnahmen insgesamt nicht länger als vier Jahre dauern dürfen.

Die Höhe des Aufstiegs-BAföG liegt für Alleinstehende in Vollzeitfortbildung seit August 2020 bei bis zu 892 Euro pro Monat. Dieser Betrag wird teilweise als Zuschuss bezahlt – den restlichen Betrag erhält man als zinsgünstiges Darlehen durch die KfW. Bei Alleinstehenden mit Kind, verheirateten bzw. eingetragenen Lebenspartnern mit und ohne Kind steigt der Betrag entsprechend. Bis zum derzeit gültigen Einkommensfreibetrag darf man zum Aufstiegs-BAföG sogar etwas dazuverdienen. Für eigenes Vermögen gilt ebenso ein Freibetrag, der aktuell bei 45.000 Euro liegt.

Beantragt werden kann das Aufstiegs-BAföG bei den kommunalen Ämtern für Ausbildungsförderung. Der Darlehensvertrag wird mit der KfW-Bank abgeschlossen. Vorgefertigte Anträge kann man beim Bundesministerium für Bildung und Forschung erhalten.

Was machen Betriebswirte?

Staatlich geprüfte Betriebswirte arbeiten im mittleren und oberen Management. Dort übernehmen sie verantwortungsvolle Aufgaben. Zu diesen gehören etwa:

  • Planung und Gestaltung von betrieblichen Entscheidungsvorgaben
  • Formulierung und Durchsetzung neuer Zielvorgaben für die jeweilige Abteilung
  • Festlegung und Optimierung von betrieblichen Organisationsstrukturen

Abhängig vom in der Fortbildung gesetzten Schwerpunkt werden diese noch durch weitere spezifische Aufgaben ergänzt. Möglich ist etwa eine Beschäftigung im Bereich Personalbeschaffung oder Personalverwaltung. Liegt der Schwerpunkt während der Fortbildung im Bereich Marketing und Vertrieb, betreut der Betriebswirt in Zukunft Kunden als Key-Account-Manager, erarbeitet werbe- und verkaufsfördernde Maßnahmen oder ist im Produktmanagement tätig. Der Schwerpunktbereich Finanz- und Rechnungswesen hingegen bereitet darauf vor, Wirtschaftlichkeitsanalysen zu erstellen, Statistiken auszuwerten und Finanzierungspläne zu erarbeiten.

Mit einer Aufstiegsfortbildung können die bereits in der kaufmännischen Ausbildung erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten also weiter verfeinert werden.

Wie sehen die beruflichen Perspektiven aus?

Betriebswirte sind auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt. Weil sie von Unternehmen fast aller Branchen und Größen gesucht werden, gibt es für sie durchschnittlich hohe Beschäftigungschancen. Potenzielle Arbeitgeber sind zum Beispiel Unternehmen aus den Bereichen:

  • Tourismus
  • Automobilbranche
  • Sport
  • Finanzen und Versicherungen
  • Events
  • Gesundheit
  • Logistik
  • Bau und Immobilien

Das Einstiegsgehalt nach der Fortbildung liegt bei durchschnittlich 2.500 Euro und steigt mit der Berufserfahrung an. Bereits nach kurzer Zeit kann das Gehalt bei 3.700 Euro monatlich liegen, nach 5 Jahren sind es bereits knapp unter 4.000 Euro. Wer sich parallel weiterbildet oder befördert wird, kann später sogar ein Monatseinkommen von bis zu 9.000 Euro erwirtschaften. Je nach Branche und Arbeitgeber kann es hier jedoch auch Abweichungen geben. Mit dem Staatlich geprüften Betriebswirt in der Tasche hat man außerdem die Option, sich als Finanz- oder Unternehmensberater selbständig zu machen und die Höhe seines Gehalts dadurch weitgehend selbst zu bestimmen.

EXTRA: Warum Aus- und Weiterbildung gerade jetzt so wichtig sind

Womit können Bewerber überzeugen?

Ausbildung bzw. Fortbildung ist das eine, Bewerben das andere.

Weil Betriebswirte verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen, stellt man hohe Erwartungen an BewerberInnen. Um potenzielle Arbeitgeber von Anfang an für sich gewinnen zu können, sollte man in seinen Bewerbungsunterlagen mit fachlicher Kompetenz überzeugen. All das, was den/die BewerberIn auszeichnet, sollte aufgenommen werden – also ein abgeschlossenes Studium, eine abgeschlossene Fortbildung, besuchte Weiterbildungen, absolvierte Praktika und Fremdsprachenkenntnisse. Ähnlich gut punkten können BewerberInnen mit Soft Skills, besonders gefragt sind:

  • Motivation
  • Eigeninitiative
  • Zielorientierung
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Analytisches Denken
  • Soziale und kommunikative Kompetenzen
  • Neugierde
  • Teamgeist
  • Kreativität
  • Belastbarkeit
  • Lernbereitschaft und
  • Flexibilität
Gerd Kühn
Gerd Kühn berät seit über zwei Jahrzehnten Unternehmen aus allen Branchen und hat sich den Erfolg seiner Kunden auf die Fahne geschrieben.

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