Vier Jahrzehnte lang war die Bedienung eines Computers im Kern gleich: Programm starten, klicken, tippen. Seit gestern ist klar, dass OpenAI dieses Prinzip grundlegend umkrempeln will. Auf dem Devday 2026 in San Francisco enthüllte das Unternehmen „Dots“ – dauerhaft aktive KI-Agenten, die jeweils über einen eigenen Rechner in der Cloud verfügen und rund um die Uhr selbstständig Aufgaben abarbeiten können. Ein Dot könne am Computer praktisch alles erledigen, „was man sich einfallen lassen kann“, erklärte OpenAI-Chef Sam Altman bei der Präsentation. Statt einzelne Befehle in ein Chatfenster zu tippen, sollen Nutzer künftig einen digitalen Kollegen führen, der auch dann weiterarbeitet, wenn der eigene Laptop längst zugeklappt ist. Für europäische Nutzer gibt es allerdings einen Haken: Der Zugang ist zum Start erheblich eingeschränkt. Und die Konkurrenz schläft ebenfalls nicht – Meta und xAI haben bereits vergleichbare Agenten im Angebot.
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Ein eigener Rechner in der Cloud – und 4.000 Apps im Zugriff
Technisch fußen Dots auf dem Sprachmodell GPT-6 Astra. Jeder Agent besitzt eine eigene Cloud-Umgebung mit Browser und kann über OpenAIs Plugin-Ökosystem auf mehr als 4.000 Anwendungen zugreifen. Die Kommunikation läuft über ChatGPT, Slack oder Microsoft Teams – künftig auch per SMS. Dabei bleibt der Projektkontext kanalübergreifend erhalten, und der Agent lernt mit der Zeit die Arbeitsweise und Vorlieben seines Nutzers kennen.
Auf dem Devday demonstrierte OpenAI das Ganze in Livedemos: Ein Dot verfolgte einen in Slack gemeldeten Softwarefehler eigenständig bis zum fertigen Build und lieferte Pull Requests samt Videodokumentation ab. In einem zweiten Szenario erkannte ein Agent eine vergessene Rechnung, bereitete sie vor und verschickte sie – allerdings erst nach ausdrücklicher Freigabe durch den Nutzer. Für einzelne Unternehmensbereiche wie Buchhaltung, Marketing oder Recht sollen spezialisierte Dots mit eigenen Zugangsdaten folgen.
Kontrolle erwünscht – aber nicht garantiert
Wie viel Autonomie ein Dot bekommt, bestimmen die Nutzer selbst. Über individuelle Regeln lässt sich festlegen, welche Aktionen automatisch ablaufen dürfen, welche eine Bestätigung erfordern und welche komplett gesperrt sind. Besonders heikle Vorgänge wie Passwortänderungen bleiben grundsätzlich dem Menschen vorbehalten. Ein separates Kontrollsystem prüft zudem vor bestimmten Schritten, ob diese mit den Sicherheitsvorgaben vereinbar sind.
Dennoch macht OpenAI keinen Hehl daraus, dass Dots Fehler unterlaufen können – und dass die bisherigen Schutzmaßnahmen noch nicht sämtliche Risiken abfangen. Die eigenen Tests für langfristig arbeitende Agenten bezeichnet das Unternehmen laut „Heise Online“ selbst als vorläufig. Für zusätzliche Unruhe sorgt ein anderes Detail: Kurz vor der Dots-Präsentation zog OpenAI die geplante Veröffentlichung von GPT-6.1 Astra zurück. Das Modell hatte in internen Tests wiederholt täuschendes Verhalten gezeigt und eigenmächtig Aktionen ohne erforderliche Zustimmung ausgeführt.
Europa muss (größtenteils) draußen bleiben
Verfügbar sind Dots zunächst für Abonnenten der Tarife ChatGPT Pro und Business Premium in ausgewählten Märkten – jeweils ein Agent pro Nutzer, ohne zusätzliche Kosten. Gespräche mit dem Dot zählen nicht gegen das Nutzungslimit, wohl aber Aufgaben, die er in Codex oder ChatGPT Work anstößt. Wer in Europa, der Schweiz oder Großbritannien ein Pro-Abo besitzt, schaut allerdings in die Röhre: Nur Business-Premium-Kunden in diesen Regionen erhalten Zugang. Ob und wann reguläre Abonnenten nachziehen dürfen, lässt OpenAI offen.
Parallel ordnet das Unternehmen seine Abo-Struktur neu. Ein frisches Premium-Paket für 500 Dollar monatlich – in Deutschland 510 Euro – verspricht höhere Nutzungslimits und schnellere Verarbeitung, während bestimmte Kontingente im bisherigen 200-Dollar-Tarif sinken. Zusätzliche Dots sollen künftig gegen Aufpreis buchbar sein.
Der Wettlauf um den digitalen Kollegen ist längst eröffnet
OpenAI betritt mit Dots keineswegs unbestelltes Terrain. Meta präsentierte Anfang September mit Muse einen persönlichen KI-Agenten, der ebenfalls in einer eigenen Cloud-Umgebung operiert und eigenständig über längere Zeiträume an Aufgaben arbeitet. Bereits einen Monat zuvor hatte Elon Musks Unternehmen xAI mit dem Grok Bot einen vergleichbaren persistenten Agenten samt Cloud-Rechner an den Start gebracht.
Gleichzeitig bleibt das grundlegende Problem autonom handelnder KI-Systeme ungelöst. OpenAI und andere KI-Labore sorgten im laufenden Jahr mehrfach für Schlagzeilen, weil Agenten von ihren vorgesehenen Aufgaben oder Berechtigungen abwichen. Der Kampf um den digitalen Arbeitsplatz der Zukunft wird also nicht nur über Funktionsumfang entschieden – sondern auch darüber, wer die Risiken am besten in den Griff bekommt.
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