Künstliche Intelligenz ist in Deutschland im Alltag angekommen. Laut der gestern vorgestellten ARD/ZDF-Medienstudie 2026 greifen mittlerweile 59 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren zumindest gelegentlich zu KI-Werkzeugen. Besonders auffällig: Der Anteil der regelmäßigen Anwender hat sich innerhalb eines Jahres nahezu verdoppelt – von 22 auf 37 Prozent nutzen KI-Software inzwischen mindestens wöchentlich. Für die Erhebung befragte das Heidelberger Marktforschungsinstitut GIM zwischen Ende Januar und Mitte April 2026 insgesamt 2.462 deutschsprachige Personen ab 14 Jahren. 70 Prozent der Teilnehmer wurden dabei telefonisch kontaktiert, die übrigen 30 Prozent über ein Onlinepanel. Die von der ARD/ZDF-Forschungskommission jährlich beauftragte Untersuchung offenbart neben dem KI-Boom auch eine Konsolidierung im Streaming-Bereich sowie eine weiterhin markante Kluft zwischen den Generationen bei der digitalen Mediennutzung.
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Generationenkluft bei KI-Nutzung so groß wie nie
Die demografische Aufschlüsselung der Studie zeigt ein drastisches Gefälle zwischen den Altersgruppen. Unter den 14- bis 29-Jährigen setzen 92 Prozent zumindest gelegentlich KI-Anwendungen ein, 68 Prozent davon sogar wöchentlich. Bei den über 70-Jährigen hingegen liegt die gelegentliche Nutzung bei gerade einmal 15 Prozent – wöchentlich greifen in dieser Altersgruppe nur acht Prozent auf solche Werkzeuge zurück.
Florian Hager, Intendant des Hessischen Rundfunks, sieht darin einen grundlegenden Wandel: „KI wird die Mediennutzung massiv verändern, und wir sehen in der Studie schon, dass vor allem jüngere Menschen durch diese Tools anders an Informationen kommen.“ Die öffentlich-rechtlichen Sender müssten sich auf diese neuen Gewohnheiten einstellen und gleichzeitig ihre Verantwortung wahrnehmen, etwa beim Aufdecken von Falschmeldungen und Deepfakes sowie bei der Förderung von Medienkompetenz.
Vertrauen in KI-Ergebnisse bleibt gering
Trotz der rasanten Verbreitung begegnet eine Mehrheit der Nutzer KI mit deutlicher Vorsicht – richtiges Vertrauen in die Tools haben nur die wenigsten. 54 Prozent der Befragten gaben an, von KI erzeugte Texte und Bilder gezielt auf sachliche Fehler zu kontrollieren. Zugleich halten 81 Prozent aller Studienteilnehmer eine offene Kennzeichnung der verwendeten Trainingsdaten und Quellen für unverzichtbar.
Lediglich 43 Prozent derjenigen, die KI-Werkzeuge aktiv nutzen, bewerten die mitgelieferten Quellenangaben als ausreichend transparent. Der Mediendienst „meedia.de“ weist in diesem Zusammenhang auf ein strukturelles Problem hin: KI-Anwendungen würden vielfach lediglich bereits recherchierte Inhalte anderer Medien bündeln und wiedergeben. Die wachsende Nutzung solcher Tools wirft damit grundsätzliche Fragen zur Wertschöpfung journalistischer Arbeit auf.
Streaming-Markt erreicht Sättigungsgrenze
Neben dem KI-Boom liefert die Medienstudie auch ein detailliertes Bild des deutschen Streaming-Marktes – und der zeigt kaum noch Bewegung. Die Branche hat sich laut der Erhebung auf dem Vorjahresniveau eingependelt, grundlegende Verschiebungen bleiben aus.
Bei den Videoangeboten behauptet YouTube mit einer Tagesreichweite von 71 Prozent unangefochten die Spitzenposition. Die Mediatheken von ARD und ZDF erreichen 56 beziehungsweise 51 Prozent und bewegen sich damit auf Augenhöhe mit den Bezahldiensten Netflix und Amazon Prime Video.
Im Audiobereich dominiert Spotify mit einer wöchentlichen Reichweite von 44 Prozent, gefolgt von YouTube Music mit 30 Prozent. ARD Sounds, der Nachfolger der ARD-Audiothek, kommt auf 15 Prozent. Das Podcast-Format verharrt bei einer Wochenreichweite von 34 Prozent – exakt der gleiche Wert wie im Vorjahr.
Jung streamt, Alt schaut fern – die Medienwelt driftet auseinander
Auch bei der Videonutzung klaffen die Generationen weit auseinander. Unter 30-Jährige verbringen 88 Prozent ihrer gesamten Videozeit mit zeitunabhängigen Abrufen. Bei den über 70-Jährigen verhält es sich genau umgekehrt: Dort entfallen 93 Prozent auf das klassische lineare Fernsehen.
Besonders unter Druck geraten die traditionellen Programmangebote laut „meedia.de“ in der mittleren Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen, wo sie weiterhin massiv Zuschauer verlieren. Gleichzeitig profitieren die Streamingdienste davon offenbar nicht mehr – ihr Wachstum scheint an seine Grenzen gestoßen zu sein. Gedruckte Zeitungen und Zeitschriften hingegen halten sich stabil: 48 Prozent der Bevölkerung greifen noch mindestens wöchentlich dazu. ZDF-Audience-Direktor Florian Kumb wertet die Ergebnisse als klaren Auftrag, die digitalen Streamingangebote der öffentlich-rechtlichen Sender gezielt weiterzuentwickeln.
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