Meta hat am heutigen Dienstag seinen ersten persönlichen KI-Agenten für Verbraucher auf den Markt gebracht. Das Tool mit dem Namen „Muse“ geht deutlich über die Fähigkeiten herkömmlicher Chatbots hinaus: Es kann eigenständig E-Mails verfassen und versenden, Produkte im Internet kaufen und verkaufen sowie Reisebuchungen vornehmen. Damit rückt der Facebook-Mutterkonzern der Vision von CEO Mark Zuckerberg näher, wonach künftig jeder Mensch über einen maßgeschneiderten KI-Assistenten verfügen soll. Allerdings verlangt diese Bequemlichkeit ihren Preis – Muse benötigt umfassenden Zugang zu persönlichen Daten, Zugangsdaten und Zahlungsinformationen. Vorerst steht der Dienst ausschließlich Nutzern in den USA ab 18 Jahren zur Verfügung. Die Basisversion ist kostenlos, für Vielnutzer gibt es zwei kostenpflichtige Abo-Stufen.

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Mehr als nur ein Chatbot – Muse handelt eigenständig

Anders als klassische KI-Assistenten beantwortet Muse nicht bloß Fragen, sondern erledigt Aufgaben tatsächlich selbst. Der Agent öffnet Webseiten, füllt Formulare aus, kauft Kinokarten oder plant Tennisstunden – und arbeitet dabei im Hintergrund weiter, selbst nachdem die App geschlossen wurde. Sobald sich etwas ändert oder eine Freigabe nötig ist, meldet sich Muse zurück. Besonders praktisch: Das System merkt sich Vorlieben und frühere Gespräche.

Laut Meta kann Muse etwa ein auf Instagram gespeichertes Rezept in eine Einkaufsliste umwandeln oder bei der Planung einer Dinnerparty die Ernährungsgewohnheiten der Gäste berücksichtigen. Die Kommunikation funktioniert ähnlich wie eine Unterhaltung per Messenger – wahlweise über die Muse-App oder direkt via WhatsApp. Angebunden sind unter anderem Gmail, Google Calendar, Instagram, Ticketmaster und OpenTable.

Virtuelle Festung für den digitalen Helfer

Damit Nutzer einem KI-Agenten derart sensible Aufgaben anvertrauen, braucht es ein überzeugendes Sicherheitskonzept. Meta setzt dabei auf Isolation: Jeder einzelne Muse-Agent läuft in einer eigenen virtuellen Maschine in der Cloud, vollständig getrennt von den Daten anderer Nutzer. Innerhalb dieser abgeschotteten Umgebung wacht ein sogenannter Sentinel-Agent als digitaler Türsteher. Er muss sämtliche Internetaktivitäten von Muse genehmigen und holt bei heiklen Vorgängen die Zustimmung des Nutzers ein.

„Muse fragt ständig bei Ihnen nach, bevor es etwas Sensibles oder Wichtiges tut“, erklärte Metas KI-Chef Alexandr Wang laut „Handelsblatt“. Passwörter und Kreditkartendaten bleiben für die KI unsichtbar – sie sind in einem gesicherten Speicher hinterlegt, auf den Muse nicht direkt zugreifen kann. Nutzer bestimmen zudem selbst, welche Berechtigungen der Agent erhält, und können diese jederzeit anpassen oder entziehen.

Vertrauen ist gut – Metas Vorgeschichte weniger

So durchdacht die Sicherheitsarchitektur auch klingen mag: Der Konzern hinter Muse hat beim Thema Datenschutz eine belastete Bilanz. Im Cambridge-Analytica-Skandal musste Meta 2022 einen Vergleich über 725 Millionen US-Dollar akzeptieren, nachdem die Beratungsfirma unrechtmäßig auf Facebook-Nutzerdaten zugegriffen hatte. Bereits 2019 hatte die US-Handelsaufsicht eine Rekordstrafe von 5 Milliarden Dollar verhängt, weil Facebook seine Datenschutzverpflichtungen missachtet hatte.

Meta beteuert nun, dass Muse keinerlei Gesprächsinhalte oder in der sicheren VM gespeicherte Informationen an das konzerneigene Werbesystem weitergibt. Nutzer können darüber hinaus widersprechen, dass ihre Interaktionen zum Training der KI-Modelle herangezogen werden. Noch im Laufe des Jahres soll zudem eine verschlüsselte „Confidential VM“ folgen, bei der ausschließlich der Nutzer selbst den Schlüssel zu seinen Daten kontrolliert.

Das Gehirn hinter dem Agenten

Angetrieben wird Muse vom hauseigenen KI-Modell Muse Spark 1.3, das Meta als sein bislang leistungsfähigstes Modell für praxisnahe Agentenaufgaben bezeichnet. Der Vorgänger Spark 1.2 war noch primär auf Programmieraufgaben zugeschnitten – die neue Version erweitert diese Stärken und soll gleichzeitig alltagstaugliche Tätigkeiten zuverlässiger meistern.

Entwickelt wurde der persönliche Agent in den Meta Superintelligence Labs (MSL), geleitet von David Singleton, dem früheren Technikchef des Zahlungsdienstleisters Stripe. Für die Abteilung hat Meta gezielt Spitzenkräfte abgeworben – darunter Ruoming Pang, zuvor verantwortlich für Apples KI-Modelle, sowie namhafte Forscher von OpenAI.

Nutzer können Muse individuell gestalten: Der Agent lässt sich mit eigenem Namen und Avatar versehen, und auch der Kommunikationsstil ist in den Einstellungen frei konfigurierbar. „Ich nutze es wirklich als zweites Gehirn“, so KI-Chef Alexandr Wang.

Erst Amerika, dann die Welt

Zum Start ist Muse als App für Android und iOS sowie über die Webseite muse.ai verfügbar – allerdings ausschließlich in den Vereinigten Staaten. Eine Integration in Metas KI-Brillen soll in Kürze folgen; die nächste Generation der hauseigenen Smart Glasses werde Muse Spark bereits ab Werk nutzen.

Beim Preismodell setzt Meta auf eine Freemium-Strategie: Die Grundfunktionen kosten nichts, wer jedoch mehr Rechenleistung und erweiterte Möglichkeiten benötigt, kann auf zwei Abo-Stufen für 20 oder 100 US-Dollar im Monat upgraden. Metas KI-Chef Wang und Produktleiter Singleton rechnen damit, dass die Mehrheit der Nutzer mit der kostenlosen Variante auskommt. Wann Muse auch außerhalb der USA und damit in Europa verfügbar sein wird, ließ der Konzern offen – angesichts der hiesigen Datenschutzanforderungen dürfte das kein Zufall sein.

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Felix Schneider

Felix Schneider ist seit November 2024 bei Unternehmer.de. Nach seinem Studium der Buch- und Medienwirtschaft in Leipzig und einem ersten Exkurs in den Onlinejournalismus beim PRINZ-Magazin entschied er sich, in der Messestadt zu bleiben. Heute ist er SEO & Autor für Unternehmer.de, News.de und Qiez.de. Hier schreibt er vor allem über neue Technologien wie KI und gibt Insights in die Perspektiven der Gen Z. Auch auf X und LinkedIn zu finden.

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