Die Premium-Abonnements für KI-Chatbots wie ChatGPT, Claude und Gemini reißen bei vielen Nutzern ein spürbares Loch ins Budget. Wer die leistungsstärksten Modelle mit allen Funktionen verwenden möchte, zahlt mitunter mehrere hundert Euro pro Monat. Kein Wunder also, dass sich eine vermeintlich schlaue Sparstrategie etabliert hat: Man gibt seine Zugangsdaten an Freunde oder Bekannte weiter und teilt sich die Kosten.

Was auf den ersten Blick nach einem harmlosen Trick klingt, birgt allerdings erhebliche Gefahren, wie der Blog Tom’s Guide berichtet. Denn wer seinen KI-Account mit anderen teilt, riskiert weit mehr als nur einen Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen. Von der Offenlegung intimster Gesprächsverläufe über ungewollte Einkäufe bis hin zur juristischen Haftung für fremde Inhalte – die Liste der Risiken ist lang und die möglichen Konsequenzen gravierend.

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Geteilte Passwörter, geteiltes Risiko

Das Problem beginnt bereits beim Grundlegendsten: Wer seinen KI-Account weitergibt, verrät zwangsläufig E-Mail-Adresse und Passwort. Nutzt man dieselbe Kombination auch für Online-Banking, soziale Netzwerke oder den E-Mail-Anbieter, erhalten Mitnutzer im schlimmsten Fall Zugriff auf das gesamte digitale Leben – und müssen dafür nicht einmal böse Absichten haben. Ein simples Ausprobieren der Zugangsdaten bei anderen Plattformen genügt.

Doch selbst wer vorsorglich eine eigene E-Mail-Adresse speziell für den Chatbot anlegt, ist nicht auf der sicheren Seite. Denn die geteilte Adresse lässt sich auch für Registrierungen auf anderen Webseiten verwenden. Wird ein Mitnutzer damit auf fragwürdigen Plattformen wie illegalen Filesharing-Portalen aktiv, könnte am Ende der Account-Inhaber ins Visier der Behörden geraten – und nicht die Person, die den Missbrauch tatsächlich begangen hat.

Wenn der Chatbot zur Einkaufsmaschine wird

Noch brisanter wird die Lage durch die zahlreichen Schnittstellen, die moderne KI-Tools zu externen Diensten bieten. ChatGPT lässt sich etwa mit Gmail, Google Kalender, Microsoft Teams, Slack, Apple Music, LinkedIn oder dem Zahlungsdienstleister Stripe verknüpfen. Jede dieser Anbindungen wird zum potenziellen Einfallstor: Mitnutzer können über den geteilten Account persönliche Informationen aus sämtlichen verbundenen Plattformen abrufen.

Besonders heikel sind die integrierten Shopping-Funktionen. Über sogenannte Agentic-Commerce-Tools wie den „Instant Checkout“ bei ChatGPT lassen sich in kompatiblen Onlineshops Bestellungen mit wenigen Eingaben abschließen. Wer seinen Zugang teilt, riskiert damit nicht nur, dass Fremde hinterlegte Zahlungsdaten einsehen – sondern dass sie auf Kosten des Account-Inhabers tatsächlich Waren bestellen.

Wenn Gesundheitsdaten zum Mitlesen einladen

Viele Nutzer vertrauen ihrem KI-Chatbot Dinge an, die sie kaum einem Menschen erzählen würden – von gesundheitlichen Beschwerden über finanzielle Sorgen bis hin zu zwischenmenschlichen Konflikten. Das Problem: Sämtliche dieser Gespräche bleiben in der Chat-Historie gespeichert und sind für jeden einsehbar, der Zugang zum Account hat.

Wie unangenehm das werden kann, zeigt ein Fall, den das „Wall Street Journal“ dokumentierte. Der Student Connor Effrain leidet an Morbus Crohn und nutzte einen gemeinsamen ChatGPT-Zugang mit einer Kommilitonin. Regelmäßig suchte er bei der KI Rat zu Symptomen wie Magenschmerzen und Verdauungsproblemen. Dass seine Studienpartnerin diese intimen Unterhaltungen die ganze Zeit über einsehen konnte, wurde ihm erst spät bewusst. Die Konsequenz: Er legte sich umgehend einen eigenen Account zu.

Wenn die KI zur Identitätskrise neigt

Moderne Chatbots passen sich mit jeder Unterhaltung stärker an ihren Nutzer an – Vorlieben, Wissensstand und Kontext fließen in immer präzisere Antworten ein. Bei geteilten Accounts funktioniert dieser Lernprozess jedoch gegen alle Beteiligten, weil die KI schlicht nicht mehr unterscheiden kann, mit wem sie gerade kommuniziert.

Ein Beispiel: Die Medizinstudentin Olivia Martin teilte ihren Zugang mit mindestens sechs weiteren Personen und lud Studienunterlagen hoch, um sich auf Prüfungen vorzubereiten. Das Ergebnis: Zwischen ihren medizinischen Fragen tauchten zunehmend Inhalte für Lehramtsstudierende auf, die den Account ebenfalls nutzten.

Noch absurder erging es Xavier Wisniewski nach seinem Studienabschluss. Als er sich ein Bewerbungsanschreiben generieren ließ, mischte die KI Berufserfahrungen und Qualifikationen seiner Mitnutzer in seinen Lebenslauf. „Die KI ist mittlerweile verwirrt davon und denkt, dass ich eine Fusion all meiner Freunde wäre“, beschrieb er das Resultat.

Wer den Account erstellt, trägt die Verantwortung

Neben den praktischen Problemen lauert auch ein juristisches Risiko: Wer das Konto registriert hat, muss für sämtliche darüber erzeugten Inhalte geradestehen. Sollte ein Mitnutzer – ob absichtlich oder versehentlich – problematische, diffamierende oder gar rechtswidrige Texte und Bilder generieren, fällt das auf den Kontoinhaber zurück. Selbst bei Personen, denen man vollständig vertraut, lassen sich solche Grenzüberschreitungen nie ausschließen.

Hinzu kommt: Das Teilen von Zugängen verstößt bei OpenAI, Anthropic und Google gegen die Nutzungsbedingungen. Wird der Verstoß entdeckt, droht die sofortige Sperrung – mitsamt aller gespeicherten Chatverläufe, Projekte und hochgeladener Dateien. Die bis dahin gezahlten Abogebühren sind dann ebenfalls verloren. Die vermeintliche Ersparnis von wenigen Euro im Monat steht damit in keinem Verhältnis zum drohenden Totalverlust.

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Felix Schneider

Felix Schneider ist seit November 2024 bei Unternehmer.de. Nach seinem Studium der Buch- und Medienwirtschaft in Leipzig und einem ersten Exkurs in den Onlinejournalismus beim PRINZ-Magazin entschied er sich, in der Messestadt zu bleiben. Heute ist er SEO & Autor für Unternehmer.de, News.de und Qiez.de. Hier schreibt er vor allem über neue Technologien wie KI und gibt Insights in die Perspektiven der Gen Z. Auch auf X und LinkedIn zu finden.

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