„Bring Your Own Device“ – Chancen und Risiken moderner BYOD-Konzepte!

72

Sonderfall: der Bildungssektor

Im Gegensatz zu Industrieunternehmen, die gewinnorientiert arbeiten, finanzieren sich Schulen, Hochschulen und Universitäten weitestgehend aus öffentlichen Mitteln. Das führt gerade bei Schulen oftmals zu finanziellen Engpässen, wenn es um die Bereitstellung einer leistungsfähigen IT-Infrastruktur geht. Denn der Computer ist als Lehr- und Lernmittel aus einem modernen Unterricht nicht mehr wegzudenken. Hier kann das BYOD-Konzept nachhaltig Abhilfe schaffen. Hochschulen und Universitäten setzen heute schon auf BYOD und sind bereits Vorbild für manche Schulen. Hier nutzen Schüler private, von den Eltern finanzierte Notebooks im Unterricht. Die Schulträger müssen diese hohen Investitionen nicht mehr tätigen und können das knappe Haushaltsbudget in eine technisch und pädagogisch moderne Infrastruktur investieren. Mithilfe entsprechender pädagogischer Oberflächen gelingt auch die sichere und zuverlässige Einbindung der privaten Notebooks in das Schulnetzwerk und damit in den Unterricht.

BYOD – Herausforderung für Unternehmen und Mitarbeiter

Auf den ersten Blick scheint BYOD nur für die Organisation, die ihren Mitgliedern die Nutzung privater Endgeräte ermöglicht, mit technischen Herausforderungen verbunden zu sein. Doch auch die Nutzer der BYOD-Clients müssen den Einsatz ihres privaten Gerätes kritisch hinterfragen. Auf Unternehmensseite geht es in erster Linie um den Schutz geschäftskritischer und personenbezogener Daten sowie um die Aufrechterhaltung eines reibungslosen Betriebs der IT-Infrastruktur. Auf Arbeitnehmerseite sehen die Herausforderungen ganz anders, aber deswegen nicht geringer aus. So wollen auch sie ihre privaten Daten und Anwendungen vor fremden Zugriff geschützt wissen. Und sie laufen Gefahr, keine klare Abgrenzung zwischen Beruf und Freizeit zu finden. So kann ein innovatives Konzept wie BYOD auch leicht in einer Überbeanspruchung der Mitarbeiter-Ressourcen enden, wenn Mitarbeiter über die Regelarbeitszeit hinaus dem Unternehmen zur Verfügung stehen (müssen).

Auch der juristischen Betrachtung müssen sich BYOD-Projekte stellen. Gerade im Falle eines Verlustes des privaten oder zur privaten Nutzung zu Verfügung gestellten Endgerätes muss klar geregelt sein, wer zu welchem Anteil für den Schaden aufkommt. Dasselbe gilt bei Defekten des BYOD-Gerätes. Hier gilt es, vorab zu klären, welche Art von Beschädigungen an Hard- oder Software vom Unternehmen, welche vom Nutzer getragen werden müssen. Spezielle Endgeräteversicherungen können Streitigkeiten vorbeugen, verursachen aber zusätzliche Kosten.

Hinzu kommen lizenzrechtliche Aspekte und die Frage nach dem Support für privat genutzte Endgeräte. Wie handhabt das Unternehmen Fälle, in denen das Endgerät aufgrund der privaten Nutzung in seiner Benutzbarkeit beeinträchtigt wird? Dabei muss es keinen physikalischen Schaden davontragen. Auch die Installation schadhafter Software oder tiefgreifende Veränderungen am Betriebssystem kommen als Ursache infrage. Steht die IT-Abteilung bei Fragen auch außerhalb der normalen Arbeitszeiten zur Verfügung oder muss sich der BYOD-Nutzer an Dritte wenden? Abhilfe könnte hier eine so genannte „Self-Support-Zone“ schaffen. Dabei warten Mitarbeiter mit hohem technischen Verständnis und geringer Sicherheitsstufe das eigene Endgerät und die von Kollegen in Eigenregie. Der Arbeitgeber stellt ihnen dafür ein bestimmtes Zeitkontingent zu Verfügung.

Eine aktuelle Umfrage von TNS Infratest kommt zu dem Ergebnis, dass sich nahezu alle Organisationen der Risiken beim Einsatz privater Endgeräte bewusst sind. Doch noch nicht einmal die Hälfte dieser Organisationen hat bereits verbindliche Regelungen für den Umgang mit BYOD-Endgeräten festgelegt, geschweige denn die Risiken und Gefahren mithilfe entsprechender Lösungen ausgemerzt.

BYOD: die Kostenseite

Organisationen, die bereits BYOD-Konzepte nutzen oder über deren Einführung nachdenken, geben als Gründe meist höhere Flexibilität und gesteigerte Produktivität ihrer Mitglieder an. Das ergibt eine Umfrage unter 328 deutschen Unternehmen im Auftrag von Dell. Dass BYOD auch zu einer nachhaltigen Kostensenkung führen kann, scheint für viele Organisationen hingegen nur von zweitrangiger Bedeutung zu sein. Dabei ist das Sparpotenzial durchaus beachtlich. Wird das BYOD-Konzept konsequent in die Tat umgesetzt, finanziert nicht länger die Organisation selbst die IT-Endgeräte. Vielmehr geht dieser Kostenblock zu Lasten der Mitglieder – zumindest teilweise. Denn selbst wenn die Organisationen ihren Mitgliedern einen Ausgleich für die Nutzung privater Endgeräten bezahlt und das Einbinden der BYOD-Geräte den Administrationsaufwand erhöht, ist eine messbare Kostenersparnis möglich.

Dem entgegen steht allerdings die Vermutung, dass Geräte, die privat und beruflich genutzt werden, einem höheren Verschleiß unterliegen und aufgrund der kürzeren Lebensdauer wieder einen Kostenmehraufwand bedeuten. Für eine genauere Betrachtung dieses Aspekts fehlt es bisher jedoch an entsprechenden Langzeiterfahrungen.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein