Corona-Comeback der Veranstaltungsbranche? Interview mit Tim Krannich

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Corona-Comeback der Veranstaltungsbranche? Interview mit Tim Krannich
© Robert Schlesinger

Die Veranstaltungsbranche wurde während der Pandemie stark heruntergefahren. Viele Unternehmen fürchteten sogar den Ruin. Dabei musste die Branche umdenken und die Digitalisierung nutzen. Online-Events war das neue Stichwort.

Doch wie können die Veranstalter und Veranstalterinnen sich gut auf das Corona-Comeback vorbereiten?

Tim Krannich, CEO der SPREEFREUNDE LIVE COM, arbeitet bereits seit Jahren in der Eventbranche und hat uns in einem exklusiven Interview drei Fragen zum Corona-Comeback der Veranstaltungsbranche beantwortet.

1. Wie kann sich die Veranstaltungsbranche auf das Corona-Comeback vorbereiten?

Die letzten zwei Jahre sind an der Eventbranche natürlich nicht spurlos vorbeigegangen. Betroffene mussten umdenken und umstrukturieren. Schon früh hat sich die Branche damit beschäftigt, wie es nach der Pandemie weiter geht und inwieweit sich auch die Bedürfnisse der Zielgruppen verändert haben. Dementsprechend müssen die Angebote angepasst werden.

Wir standen vor vielen Herausforderungen, konnten uns aber immer auf ein hochprofessionelles Team verlassen und die eingespielten Strukturen. Das spielt auch beim Comeback eine entscheidende Rolle: Nicht nur unser Angebot hat sich mit den Themen rund um Hybrid- und Digital Events weiterentwickelt, sondern auch unser agiles Team.

Remote arbeiten ist in der Eventbranche alles andere als normal, doch das hebt das „Digital first”-Prinzip nochmal auf ein neues Level.

Unsere KundInnen konnten sich auch in dieser Zeit auf uns verlassen. Egal, ob:

  • Software
  • Hardware
  • Arbeitsweise innerhalb des Teams
  • Kundenarbeit

– die Erwartungen werden auf beiden Seiten deutlich höher sein und darauf müssen wir uns einstellen und vorbereiten.

Auch Nachhaltigkeit spielt eine größere Rolle. Aufgrund der Reisebeschränkungen war man in der Eventbranche gezwungen, alles digital aufzuziehen und das hat auch funktioniert. Doch dabei geht es nicht nur um die CO2-Kompensation durch das Vermeiden von Reisen.

2. Inwiefern spielt die Social-Media-Präsenz in der Veranstaltungsbranche eine wichtige Rolle?

Social-Media-Netzwerke spielen heutzutage so gut wie in jedem Berufsfeld eine wichtige Rolle. In der Veranstaltungsbranche gilt sie als erster Berührungspunkt mit der Zielgruppe. Nur, wenn du digital entsprechend kommunizierst, akquirierst und dich präsentierst, ist deine Marke langfristig und nachhaltig bei der Community präsent.

In den letzten Monaten hat sich in dem Bereich natürlich etwas verändert. Digitale Kommunikation war die einzige Möglichkeit mit Interessierten, KundInnen und PartnerInnen in Kontakt zu treten oder Beziehungen zu pflegen. Um diese Beziehungen und das Interesse aufrechtzuerhalten, solltest du deine Community über die Weiterentwicklungen in der Branche informieren und sogar einen Einblick in neue Projekte gewähren.

Von besonderer Relevanz war für uns dabei die Erweiterung unseres Angebots auf Digital- und Hybridevents. Diese haben wir sehr schnell nach Beginn der Pandemie in unsere Leistungen mit aufgenommen. Unsere KundInnen und PartnerInnen wussten also, dass wir am Ball bleiben, das etwas Neues kommt und wir uns der neuen, schwierigen Situation und ihren Herausforderungen anpassen.

EXTRA: Hybride Events und deren wachsende Bedeutung

Social Media hilft nicht nur bei der Bekanntmachung. Es spielt auch bei der Planung und Umsetzung von Kampagnen eine große Rolle. So erhält man schnelles Feedback, messbare Zahlen und das vergleichsweise kostengünstig.

3. Was bedeutet die Digitalisierung für die Kultur- und Eventbranche?

Für die Kultur- und Veranstaltungsbranche bedeutet die Digitalisierung erstmal eines: Viel mehr Menschen haben nun Zugang zu:

  • Konzerten
  • Lesungen
  • Veranstaltungen
  • Ausstellungen

Und auch viel mehr KünstlerInnen haben nun eine Bühne für ihre Werke.

Auch bei uns verschwimmen dadurch immer mehr die Anforderungen und Ergebnisse. Zudem gibt es viel mehr Chancen für unsere KundInnen neue und größere Zielgruppen zu erschließen.

Smartphones sind zwar schon lange on vogue auf Konzerten, jedoch wurde dieser Hype auch von den KünstlerInnen gefördert, nicht nur für ihre eigene digitale Inszenierung. Aber auch in der Veranstaltungsbranche lässt sich über die Vorteile der Digitalisierung in diesem Bereich streiten – denn braucht man ein Konzert oder gar Festival im Internet? Eher nein, eine Erinnerung hingegen zu digitalisieren, ist dabei etwas ganz anderes.

Ich persönlich finde die Entwicklung für die Musik- und Verlagsbranche oder TV- und Radiowirtschaft in Richtung Digitalisierung deshalb nur bedingt positiv. Interessant wird es, wenn Wertschöpfung in einem höheren Maß zu den UrheberInnen zurückgeführt wird, dann könnte die Digitalisierung eine spannende Verlängerung der Wertschöpfungskette werden.

EXTRA: Digitale Events: Vorteile und Herausforderungen der Online-Formate

Tim Krannich
Ick bins, ein Berliner. Als Steppke die Berliner Mauer abgeschlagen und an die Amis verkauft. Im Teenie-Alter Techno Events für tausende Gäste aus aller Welt veranstaltet. Anfang Zwanzig die ersten Millionenumsätze mit Corporate Events und Eventlocations erzielt. In den Dreißigern den ersten Big-Dream verwirklicht – einen Deutschen Kinofilm mit deutschen Filmpreisträgern produziert. Mittlerweile fast bei jedem bekannt und mit der Szene per Du. In den jetzigen Vierzigern ist Commercial-Networking die Expertise und das meist als CEO der SPREEFREUNDE LIVE COM. II Bildquelle: © Robert Schlesinger.

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